Umgruppierung von Hirnmodulen erleichtert uns die selektive Aufmerksamkeit Wie wir erfolgreich zuhören - scinexx | Das Wissensmagazin
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Wie wir erfolgreich zuhören

Umgruppierung von Hirnmodulen erleichtert uns die selektive Aufmerksamkeit

Zuhören
In manchen Situationen fällt es uns schwer, unserem Gegenüber zuzuhören. © Agrobacter/ istock

Das Wichtige herausfiltern: Wenn es darum geht, aus einer Vielzahl von Geräuschen eine Stimme herauszufiltern, bestimmt auch die Kommunikation zwischen einzelnen Hirnregionen unseren Hörerfolg. Eine Studie enthüllt: In schwierigen Hörsituationen organisieren sich einzelne Module im Gehirn neu, um besser miteinander kommunizieren zu können. Je stärker diese Umstrukturierung der Hirnmodule, desto leichter fällt es uns offenbar, fokussiert zuzuhören.

Ob Straßenlärm, Gesprächsfetzen oder Musik: In einer Umgebung mit vielen Hintergrundgeräuschen nur das wirklich Wichtige herauszufiltern – zum Beispiel die Stimme unseres Gegenübers –, stellt hohe Anforderungen an unser Aufmerksamkeitssystem. Wie gut jemand dazu in der Lage ist, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

So scheinen sich Frauen in solchen sogenannten Cocktailparty-Situationen grundsätzlich besser auf ein Gespräch konzentrieren zu können als Männer. Darüber hinaus gibt es jedoch viele weitere Faktoren, die bestimmen, wie gut jemand selektiv zuhören kann. Wissenschaftler um Mohsen Alavash von der Universität Lübeck haben in diesem Zusammenhang nun untersucht, welche Rolle die Kommunikation von bestimmten Gehirnregionen für den Hörerfolg spielt.

Kommunikation zwischen Hirnregionen

Unser Denkorgan lässt sich in unterschiedliche Netzwerksysteme gliedern, die aus vielen Knotenpunkten und Verbindungen zwischen diesen Knotenpunkten entstehen. Oftmals sind Knotenpunkte innerhalb eines Netzwerks zu kleineren Einheiten oder „Modulen“ gebündelt – diese Strukturierung erlaubt einen koordinierten und zielgerichteten Informationsfluss im Gehirn.

Für bestimmte Aufgaben müssen unterschiedliche Module eines Netzwerks miteinander kommunizieren. „Wir nahmen an, dass zur Anpassung an eine schwierige Hörsituation auch eine entsprechende Anpassung der Kommunikation zwischen den Gehirnmodulen erfolgen muss“, erklärt Alavash. „Dabei haben wir insbesondere die Aufteilung von größeren Netzwerken in kleinere Netzwerkmodule untersucht. Wir erwarteten, dass sich die Organisation und damit die Kommunikation zwischen diesen Netzwerkmodulen in Anpassung an eine schwierige Höraufgabe verändern würde.“

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Veränderte Gruppierung

Um diese Theorie zu überprüfen, analysierten die Forscher die Gehirnaktivität von Studienteilnehmern: Während die Probanden im Magnetresonanztomographen untersucht wurden, lagen sie entweder einfach still da oder sollten ihre Aufmerksamkeit auf einen von zwei gleichzeitig über Kopfhörer dargebotenen Sprechern richten und das Gesagte anschließend wiedergeben.

Wie erwartet, waren einige Teilnehmer besser dazu in der Lage, die Worte des Sprechers wiederzugeben. Doch ließen sich die beobachteten Unterschiede anhand von Unterschieden in der Netzwerk-Kommunikation des Gehirns erklären? Tatsächlich zeigte sich: „Wir konnten eine Veränderung in der Gruppierung von Modulen feststellen, wenn die Teilnehmer vom Ruhezustand zu der anspruchsvollen Höraufgabe wechselten“, erklärt berichtet Mitautorin Sarah Tune.

Entscheidend für den Hörerfolg

Das Entscheidende: „Personen, bei denen eine stärkere Umstrukturierung der Hirnmodule zu beobachten war, zeigten auch eine bessere Leistung in der Höraufgabe“, sagt Tunes Kollege Jonas Obleser. Dabei zeichnete sich ab, dass während des fokussierten Zuhörens nicht nur bekannte Hörregionen beansprucht, sondern auch Hirnregionen eingebunden werden, die mit der gezielten Ausrichtung von Aufmerksamkeit assoziiert sind.

Die Wissenschaftler hoffen nun, dass das bessere Verständnis dieser Umstrukturierung von Hirnnetzwerken und des damit einhergehenden individuell unterschiedlichen Hörerfolgs zukünftig zu Fortschritten in der Behandlung von Sprachverständnisschwierigkeiten sowie der Weiterentwicklung von Hörgeräten beitragen kann. (PNAS, 2018; doi: 10.1073/pnas.1815321116)

Quelle: Universität zu Lübeck

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