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Wie sich Honigbienen selbst gegen Parasiten behandeln

Mit der Harzmischung Propolis bekämpfen Bienen den Parasiten Varroa destructor

Honigbienen
Honigbienen kleiden ihre Waben mit dem harzähnlichen Propolis aus. Dieser pflanzliche Kleber hilft ihnen auch gegen den Bienenparasit Varroa destructor. © Kosolovskyy/ Getty images

Natürlicher Parasitenschutz: Die von Honigbienen produzierte Harzmischung Propolis wirkt auch gegen den Bienenparasiten Varroa destructor. Das Harz erhöht die Sterblichkeit der Milben und wird von befallenen Bienen auch als eine Art Selbstmedikation eingesetzt. Obwohl Propolis die schädlichen Auswirkungen des Milbenbefalls nur zum Teil mildern kann, könnten die Ergebnisse helfen, Bienenvölker zukünftig besser vor dem Parasiten zu schützen.

Der Bienenparasit Varroa destructor gefährdet die Gesundheit ganzer Bienenvölker. Die Milbe vermehrt sich in den Brutzellen der Bienen, sodass frisch geschlüpfte Arbeiterinnen den Schädling bereits mit sich tragen – was ihre Überlebenschancen erheblich verringert. Zudem überträgt die Varroa-Milbe Krankheiten wie das tödliche Flügeldeformationsvirus BWV. Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass befallene Bienenvölker sich durch soziale Maßnahmen wie Social Distancing gegen den Parasiten schützen.

Pflanzenstoffe als Bienenmedizin

Ein Team um Michelina Pusceddu von der Universität Sassari in Italien hat nun nachgewiesen, dass die Parasitenabwehr der Bienen noch weiter geht. Offenbar nutzen sie Propolis, eine antimikrobielle Mischung aus Pflanzenbestandteilen, um dem Schädling entgegenzuwirken. Dieses besteht aus verschiedenen pflanzlichen Verbindungen, denen teils eine antimikrobielle, antivirale und entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben wird.

„Honigbienen verwenden Propolis, das sie von Pflanzen sammeln, um die Innenwände ihres Nests auszukleiden“, erklären die Forscher. „Wir haben chemische Analysen und Bioassays im Labor durchgeführt, um zu prüfen, ob Honigbienen Propolis auch als soziales Medikament gegen ihren wichtigsten Ektoparasiten verwenden: Varroa destructor.“

Eine frühere Studie hatte bereits gezeigt, dass in Bienenvölkern, die von Varroa destructor befallen waren, Arbeiterinnen verstärkt Pflanzenharze für Propolis sammelten. Bekannt war außerdem, dass Propolis gegen verschiedene andere Bienenkrankheiten und -parasiten hilft. Welchen Einfluss die Substanz aber auf den wichtigsten Bienenschädling, Varroa destructor, hat, war bislang unklar.

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Erhöhte Sterblichkeit der Milben

Zunächst wiesen Pusceddu und ihre Kollegen anhand chemischer Analysen nach, dass die Brutzellen tatsächlich innen mit Propolis beschichtet werden. Um den Einfluss auf die Varroa-Milbe zu testen, erstellten die Forscher dann künstliche Bienenwaben, die sie teils mit Propolis beschichteten, teil unbehandelt ließen. In allen Waben züchteten sie Bienenlarven, wobei sie manche einem Varroa-Befall aussetzten.

Das Ergebnis: „Propolis erhöhte signifikant die Sterblichkeit von Varroa-Milben, die in den behandelten Zellen bis zu 20 Prozent betrug“, so die Forscher. „Außerdem verringerte Propolis den Prozentsatz der überlebenden Milben, die in den Brutzellen Nachkommen produzierten, signifikant um 44 Prozent.“ Die Forscher schließen daraus, dass Propolis in der Lage ist, das Überleben und die Fortpflanzung der Milben zu erschweren.

Nicht alle Schäden verhindert

Allerdings waren Bienen aus Varroa-befallenen Brutzellen dennoch kleiner und leichter als ihre nicht befallenen Artgenossen – egal, ob die Wabe mit Propolis behandelt worden war oder nicht. „Propolis scheint nicht in der Lage zu sein, die negativen, direkten Auswirkungen des Milbenbefalls auf die sich entwickelnden Bienen auszugleichen“, folgern die Forscher.

Indirekte Schäden des Milbenbefalls dagegen konnte Propolis zumindest abmildern: Während die Bienen aus unbehandelten, milbenbefallenen Waben oft verkrüppelte Flügel aufwiesen – ein deutliches Zeichen für einen Befall mit dem von Varroa übertragenen Flügeldeformationsvirus – war dies bei Bienen aus Waben, die mit Propolis behandelt worden waren, deutlich seltener der Fall. Dies deutet darauf hin, dass Propolis die von den Milben ausgelöste Virusreplikation verringern kann, indem es das Überleben und die Vermehrung der Milben beeinträchtigt“, so die Forscher.

Propolis für die Bienengesundheit

Da auch Honig zum Teil in Propolis-beschichteten Zellen gelagert wird, untersuchten Pusceddu und ihre Kollegen außerdem, inwieweit die Bienen abhängig von ihrer Gesundheit Futter mit oder ohne Propolis bevorzugen. Tatsächlich konsumierten milbenbefallene Bienen im Vergleich zu gesunden Artgenossen lieber Futter, das mit Propolis angereichert war.

„Das deutet darauf hin, dass die Bienen einige bioaktive Bestandteile des Futters wahrnehmen und bevorzugt fressen“, schreiben die Autoren. „Insgesamt zeigen diese Ergebnisse eindeutig die therapeutische Wirkung von Propolis auf milbenbefallene Bienen und vertiefen unser Verständnis des Prozesses der sozialen Medikation bei Honigbienen erheblich.“

Die Erkenntnisse könnten auch Auswirkungen auf die Imkerei haben. „Bisher haben Imker die Ablagerung von Propolis im Bienenstock negativ bewertet, da das klebrige Material die Handhabung der Rähmchen mit den Waben schwieriger machte“, erklären die Forscher. „Unsere Studie unterstreicht die Bedeutung dieser Substanz für die Gesundheit der Bienenvölker.“ So könnte es sinnvoll sein, die Propolis-Einlagerung in den Bienenstock sogar zu fördern, um die Gesundheit der Honigbienen zu fördern. (Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, 2021, doi: 10.1098/rspb.2021.2101)

Quelle: Proceedings of the Royal Society B

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