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Wie der T. rex seine Konkurrenten kleinhielt

Wo Tyrannosaurier lebten, gab es kaum noch mittelgroße Raubdinosaurier

T. rex
Überall dort, wo in der späten Kreidezeit Tyrannosaurier lebten, fehlten mittelgroße Prädatoren -aber warum? © CoreyFord/ Getty images

Doppelt dominant: T. rex und Co verdrängten nicht nur gleichgroße Konkurrenten – in ihren Verbreitungsgebieten fehlten auch nahezu alle mittelgroßen Raubdinosaurier, wie nun eine Studie bestätigt. Dieser Effekt trat auf, obwohl diese Dinos eigentliche keine direkten Konkurrenten der ausgewachsenen Tyrannosaurier waren und es auch genügend Beute gab. Eine mögliche Erklärung könnte jedoch eine raffinierte Arbeitsteilung der Tyrannosaurier-Generationen gewesen sein.

Der Tyrannosaurus rex war der Top-Prädator seiner Zeit. Der bis zu 13 Meter lange Raubdinosaurier war wendig, ausdauernd und besaß eine enorme Bisskraft, mit der er selbst dicke Knochen knacken konnte. Das eröffnete dem Fleischfresser ein großes Beutespektrum. Paläontologen schätzen, dass in der gesamten späten Kreidezeit rund 2,5 Milliarden Tyrannosaurier lebten, ein Großteil davon in Nordamerika und Zentralasien.

Blick zurück in die Dino-Ära

Wie groß die Dominanz des Tyrannosaurus war, belegt nun ein Blick auf die Nahrungsnetze jener Zeit. Thomas Holtz von der University of Maryland hat dafür die Artenvielfalt und Größenverteilung von Raubdinosauriern und ihrer potenziellen Beute vor und nach dem Aufkommen der Tyrannosaurier verglichen. Die erste Phase erstreckte sich von 100 bis 80 Millionen Jahren, die zweite schloss sich direkt an und endet mit dem Untergang der Dinosaurier vor 66 Millionen Jahren.

Konkret ermittelte der Paläontologe für 50 geografische Regionen, wie viele mittelgroße Fleischfresserarten von 50 bis 1.000 Kilogramm Körpergewicht dort lebten und wie viele große Raubsaurier mit mehr als 1.000 Kilogramm Masse. Parallel dazu erfasste er, ob und wie sich das Beuteangebot für diese Prädatoren unterschied.

GRößenverteilung
Größenverteilung von Raubdinosauriern in der Ära des T.rex (oben) und davor.© Thomas Holz/ University of Maryland

Abruptes Verschwinden der mittelgroßen Prädatoren

Die Auswertung enthüllte eine drastischen Wandel: „In der frühen Geschichte der Dinosaurier gab es in den meisten Lebensgemeinschaften Prädatoren ganz unterschiedlicher Größen – von fuchsgroßen Arten bis zu Giganten“, berichtet Holtz. „Doch vor 95 bis 80 Millionen Jahren geschah dann etwas, das diese Verteilung radikal veränderte. Danach wurden T. rex und Co die Top-Prädatoren und die mittelgroßen Fleischfresser fehlten oder waren extrem selten.“

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Interessant auch: Dieses plötzliche Verschwinden der mittelgroßen Raubdinosaurier ereignete sich nicht überall auf der Welt. Es ist nur dort nachweisbar, wo die Tyrannosaurier lebten – in Asien und Nordamerika. Außerhalb dieser Verbreitungsgebiete tummelten sich auch in der späten Kreidezeit noch reichlich mittelgroße Fleischfresser, wie Holtz berichtet. Sie verschwanden dort erst, als alle Dinosaurier mit dem Asteroideneinschlag vor 66 Millionen Jahren ihr Ende fanden.

Am Beuteangebot lag es nicht

Das bedeutet, dass zumindest in Asien und Nordamerika eine ganze Ebene aus dem Nahrungsnetz verschwunden ist – aber warum? Der naheliegendste Grund wäre, dass sich das Beuteangebot verändert hat, so dass mittelgroße Fleischfresser einfach weniger zu fressen fanden. Doch das war offenbar nicht der Fall: Holtz konnte beim Vergleich der Regionen keine statistisch signifikanten Unterschiede der Beutepopulationen feststellen.

„In den Lebensräumen, in denen die mittelgroßen Prädatoren verschwanden, gab es ein genauso vielfältiges Beuteangebot wie zuvor“, berichtet der Paläontologe. „Das weckt die Frage, wer dann die mittelgroßen Beutetiere fraß.“ Aus fossilen Bissspuren und der Anatomie der ausgewachsenen Tyrannosaurier schließen Paläontologen, dass diese eher große Beute jagten – die gewaltigen Räuber konnten sogar Tiere erlegen, die schwerer waren als sie selbst.

Von halbwüchsigen Tyrannosauriern verdrängt?

Doch es gab noch eine weitere Gruppe von Tyrannosauriern: die Jungtiere. Fossilfunde legen nahe, dass sie zwar manchmal an bereits toten größeren Beutetieren fraßen, selbst jagen und töten konnten sie eine so massige Beute aber höchstwahrscheinlich nicht, wie Forscher vermuten. Dazu fehlte den halbwüchsigen Tyrannosauriern die nötige Stärke und Bisskraft. Stattdessen könnten sich die wendigen, schnellen Jungtiere auf eine für sie eher passende Beute spezialisiert haben.

„Es ist sehr wahrscheinlich, dass die jungen Tyrannosaurier die ökologische Rolle der fehlenden mittelgroßen Fleischfresser übernahmen“, erklärt Holtz. Unklar ist allerdings, ob die halbwüchsigen Exemplare von T. rex und Co ihre gleichgroßen Konkurrenten damals aktiv verdrängten oder ob sie einfach nur die Nische besetzten, die zuvor durch das Verschwinden der mittelgroßen Raubdinosaurier freiwurde. Weil in der Übergangsphase eine Fossillücke klafft, lässt sich dies nicht eindeutig ermitteln, wie Holtz erklärt.

Der Paläontologe hofft, dass künftige Fossilfunde und Studien dieses Rätsel lösen werden. „Das Wissen um diese Wechselwirkungen ist wichtig um zu verstehen, wie das Leben zur Zeit der Dinosaurier ausgesehen hat“, sagt Holtz. „Aber darüber hinaus gibt uns die Erforschung von Räuber und Beute eines Ökosystems generell einen besseren Einblick darin, wie Lebewesen interagieren.“ (Canadian Journal of Earth Sciences, 2021; doi: 10.1139/cjes-2020-0174)

Quelle: University of Maryland

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