Forscher lüften Geheimnis um die Domestikation der Dromedare Wie das Kamel zum Haustier wurde - scinexx | Das Wissensmagazin
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Forscher lüften Geheimnis um die Domestikation der Dromedare

Wie das Kamel zum Haustier wurde

Kamele wurden seit jeher als Transportmittel genutzt © Raziq Kakar

Genügsame Wüstenschiffe: Forscher haben erstmals den Ursprung der Domestikationsgeschichte der Dromedare entschlüsselt. Genetische Analysen zeigen: Die Nutzung der Kamele als Haustiere begann an der Südostküste der Arabischen Halbinsel. Trotz konsequenter Züchtung behielt das Dromedar im Vergleich zu vielen anderen Haustieren jedoch eine hohe genetische Vielfalt. Das macht die Nutztiere so zäh, genügsam und stark.

Ob Hund, Hausrind oder Pferd: Der Mensch hat im Laufe seiner Geschichte zahlreiche Tiere domestiziert – als treuer Begleiter, Fleischlieferant oder Transportmittel. Auch die Geschichte der Dromedare ist mit der der Menschheit eng verwoben. Sie transportierten Waren, Personen und mit ihnen Ideen über enorme Entfernungen hinweg.

Die Erfolgskarriere des einhöckrigen arabischen Kamels als Transporttier begann irgendwann vor 3.000 Jahren. Es erreichte schließlich eine enorme Verbreitung: im gesamten Nordafrika, am Horn von Afrika, dem Südwest-Asien und im vorderen Orient bis nach Indien. Im Laufe der Geschichte trug das Dromedar maßgeblich zum Handel und der Entwicklung von gesellschaftlichen Strukturen in unwirtlichen Gegenden bei. Bis heute hat das genügsame Tier in vielen Kulturen seinen hohen Stellenwert behalten.

Wo begann die Nutzung als Haustier?

Doch wie es genau zur Domestikation der Wüstenschiffe kam, darüber war bisher erstaunlich wenig bekannt. „Wir haben zwar aus den wilden Dromedaren ein Haustier gemacht, wissen aber nicht, wie und wo die Domestizierung begann und wie sie sich auf die heutigen Kamele ausgewirkt hat“, erklären Forscher um Faisal Almathen von der University of Nottingham. Das Team hat dem charismatischen Nutztier deshalb nun eine umfangreiche Studie gewidmet.

Die Wissenschaftler analysierten dazu bis zu 7.000 Jahre altes Erbgut aus Knochenfunden von wilden und frühen domestizierten Kamelen und verglichen sie mit den genetischen Profilen heutiger Dromedare. Erstmals war es dadurch möglich, die südöstliche Küste der arabischen Halbinsel als den Ort zu identifizieren, an dem die Nutzung der Kamele als Haustiere begann.

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„Es scheint sich zu bestätigen, dass eine erste Domestizierung wilder Dromedare von der Südostküste ausging. Es folgten wiederholte Einkreuzungen wilder Kamele in die frühen domestizierten Gruppen“, schreibt das Team. Die wilden Vorfahren der heutigen Dromedare lebten räumlich begrenzt und starben ungefähr 2.000 Jahre nach der ersten Domestizierung aus, erklären die Wissenschaftler.

Karawanen erhielten genetische Vielfalt

In den genetischen Untersuchungen spiegelte sich außerdem ein weiteres interessantes Ergebnis wider: Bei Dromedaren gibt es eine große genetische Vielfalt und nicht die durch Züchtung typische geringe Diversität des Erbgutes. Wenn der Mensch ein Tier domestiziert, filtert er normalerweise durch Züchtung das Erbgut jener Tiere heraus, die den meisten Nutzen bringen. Beim Dromedar war dies offenbar nicht der Fall.

Den Forschern zufolge hat die genetische Vielfalt wohl einen Zusammenhang mit der Verwendung der Dromedare als Transporttiere: Durch die Ortswechsel trafen immer wieder unterschiedliche Kamelgruppen aufeinander. Damit wurde das Erbgut regelmäßig durchmischt und die genetische Vielfalt blieb erhalten.

Diversität im Erbgut macht Tierarten bekanntermaßen stark. Dieses Merkmal fügt sich nun gut ins bestehende Image des Dromedars ein: Kein anderes Nutztier gilt als so zäh, genügsam und dennoch leistungsstark wie das legendäre Wüstenschiff. (PNAS, 2016; doi: doi:10.1073/pnas.1519508113)

(PNAS, Veterinärmedizinische Universität Wien, 10.05.2016 – DAL)

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