Der Besitz von Augen macht auch in der Evolution erfolgreicher Wer sehen kann ist biologisch im Vorteil - scinexx | Das Wissensmagazin
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Der Besitz von Augen macht auch in der Evolution erfolgreicher

Wer sehen kann ist biologisch im Vorteil

Trilobit mit Augen © Museum für Naturkunde Berlin / Carola Radke

Wer sehen kann, ist klar im Vorteil – auch in der Evolution. Das zeigt die Untersuchung von Fossilien wirbelloser Meerestiere. Vor allem im Kambrium, als die ersten Räuber auftraten, war es von entscheidendem Vorteil, die Gefahr rechtzeitig sehen zu können. Deshalb gab es zu dieser Zeit bereits besonders viele Tiere mit Augen. Innerhalb von Gruppen wie Trilobiten, Muscheln und Schnecken, die sowohl blinde als auch sehende Vertreter haben, zeigt sich auch in späteren Erdzeitaltern eine Zunahme der Artenvielfalt bei den Sehenden.

Paläontologen vom Museum für Naturkunde Berlin bestätigen die bedeutsame Rolle des Augenlichts für den evolutionären Erfolg. Das Team um Martin Aberhan untersuchte Vertreter aller als Versteinerungen überlieferter wirbelloser Meerestiere, um zeitliche Änderungen in der Vielfalt von blinden und sehenden Gruppen herauszuarbeiten. Der Besitz von Augen lässt sich entweder direkt an den Fossilien erkennen, oder über Verwandtschaftsverhältnisse mit heutigen Arten ableiten.

Wenn man alle der über 17.000 analysierten Fossil-Gattungen über erdgeschichtliche Zeiträume betrachtet, zeigt sich in den sehr alten Gesteinsschichten des Kambriums ein deutlich erhöhter Anteil von Sehern. „Das ist ein Effekt des Auftauchens der ersten großen Räuber im Kambrium vor etwa 520 Millionen Jahren. Augen wurden plötzlich gebraucht, sowohl zum Aufspüren von Beute als auch zur rechtzeitigen Flucht“, erklärt Aberhan.

Auch in den langen Zeiträumen nach dem Kambrium war der Besitz von Augen ein Garant für evolutionären Erfolg. Aberhan und Kollegen verglichen dazu die Anzahl der Gattungen innerhalb solcher Gruppen, die sowohl blinde als auch sehende Gattungen beherbergen. Diese detaillierten Analysen innerhalb der Trilobiten, Muscheln, Schnecken und Seesternen und deren Verwandten zeigten einheitlich eine bevorzugte Zunahme in der Anzahl von Gattungen bei den Sehern im Vergleich zu den blinden Vertretern. Dies ist besonders auf höhere Aussterberaten bei den Blinden zurückzuführen. „Sehen oder nicht sehen war also immer entscheidend für den Evolutionserfolg“, bringt es Aberhan auf den Punkt. (Paleobiology 38: 187-204)

(Museum für Naturkunde Berlin, 29.03.2012 – NPO)

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