Forscher untersuchen lebensverlängerten Effekt unterschiedlicher Sportarten Welcher Sport bringt‘s wirklich? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Forscher untersuchen lebensverlängerten Effekt unterschiedlicher Sportarten

Welcher Sport bringt‘s wirklich?

Ob Aerobic, Tennis oder Joggen: Bewegung ist grundsätzlich gesund. © UberImages/ thinkstock

Hauptsache Bewegung? Sport ist gesund und kann das Leben verlängern – doch nicht jede Sportart hilft gleich viel. Forscher haben nun untersucht, welche körperliche Aktivität sich am meisten auf das Sterberisiko auswirkt. Das Ergebnis: Besonders Schlägersportarten, Schwimmen und Aerobic haben einen lebensverlängernden Effekt – und beugen auch am besten Herz-Kreislauferkrankungen vor.

Sport und Bewegung sind gesund für den Körper – das ist nichts Neues. Schon wer pro Stunde nur zwei Minuten umhergeht, verlängert sein Leben. Körperliche Aktivität wirkt zudem Übergewicht und Stoffwechselerkrankungen entgegen, hält das Gehirn fit und hilft gegen Depressionen. Bewegungsmangel erhöht dagegen das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und sogar Krebs.

Genug geschwitzt?

Doch Sport ist nicht gleich Sport. Wissenschaftler um den Sportmediziner Pekka Oja vom UKK-Institut im finnischen Tampere haben sich deshalb gefragt, welche Form der körperlichen Aktivität der Gesundheit am besten hilft. Oder anders ausgedrückt: Mit welcher Sportart lebt es sich am längsten? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, werteten die Forscher elf repräsentative Erhebungen aus, bei denen zwischen 1994 und 2008 insgesamt 80.000 Menschen aus England und Schottland zu ihrer Gesundheit und körperlichen Aktivität befragt worden waren.

Für jede der Studien mussten die im Schnitt 52 Jahre alten Probanden unter anderem angeben, wie viel und welchen Sport sie in den vergangenen vier Wochen getrieben hatten – und ob sie dabei außer Atem gekommen waren und geschwitzt hatten. Alle Teilnehmer wurden nach der ersten Befragung durchschnittlich neun Jahre lang begleitet. In dieser Zeit verstarben insgesamt 8.790 von ihnen – 1.909 davon an einem Herzinfarkt oder anderen Herz-Kreislauferkrankungen.

Tennis, Squash & Co als Sieger

Die Ergebnisse zeigten: Insgesamt kamen weniger als die Hälfte der Befragten auf die Bewegungsmenge, die Experten pro Woche empfehlen. Nachdem die Forscher andere Einflussgrößen herausgerechnet hatten, offenbarte sich zudem: Tatsächlich scheint es einen Zusammenhang zwischen der bevorzugten Sportdisziplin und dem Sterberisiko zu geben.

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Fahrradfahren schnitt in der Untersuchung neben Schlägersportarten, Schwimmen und Aerobic am besten ab. © Antonia Diaz/ thinkstock

Am längsten lebten den Daten zufolge Menschen, die Schlägersportarten wie Tennis, Squash oder Badminton spielten. Ihr Sterberisiko war im Vergleich zu jenen, die diese Sportart nicht betrieben, rund 47 Prozent geringer. Auch Schwimmen, Aerobic und Fahrradfahren wirkten sich demnach signifikant positiv aus. Kein Zusammenhang mit einem verminderten Sterberisiko zeigte sich hingegen für Läufer, Jogger sowie Football- und Rugbyspieler.

Schutz vor Herz-Kreislauferkrankungen

Doch wie wirken sich einzelne Sportarten auf das Risiko für konkrete Erkrankungen aus? Das untersuchten Oja und seine Kollegen für Herz-Kreislauferkrankungen. Das Ergebnis: Zu den Siegern zählen auch hier Schlägersportarten, Schwimmen und Aerobic. Wer diese Sportarten betreibt, hat ein geringeres Risiko, an Herzversagen zu sterben. Fahrradfahren scheint hingegen keine Auswirkungen darauf zu haben.

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass nicht nur das Wieviel und Wie oft eine Rolle spielt – auch welchen Sport wir treiben, macht offenbar einen Unterschied“, sagt Mitautor Emmanuel Stamatakis von der University of Sydney. Warum manche Sportarten förderlicher sind als andere können die Wissenschaftler noch nicht abschließend klären. So schien bei manchen Disziplinen das Sterberisiko zu sinken, je intensiver und länger die Probanden trainiert hatten. Bei anderen hingegen schienen niedrige Intensitäten besser zu wirken als hohe.

Eingeschränkte Aussagekraft

Wie die Forscher selbst betonen, sollten die Ergebnisse der Studie jedoch nicht überbewertet werden. Denn die Ergebnisse zeigen lediglich Korrelationen auf – kausale Aussagen über Ursache und Wirkung sind damit nicht möglich. Eine weitere Schwäche der Untersuchung: Die Probanden wurden oft nur einmal zu ihrer sportlichen Aktivität befragt. Ob sich diese im Laufe der Zeit womöglich änderte, wurde nicht überprüft.

„Dennoch lässt sich sagen: Bestimmte Sportarten zu betreiben, kann sich signifikant positiv auf die Gesundheit auswirken“, schließt das Team. Und bevor man nun lange grübelt, ob man lieber schwimmen oder joggen geht, sollte man vielleicht doch einfach loslegen. Denn eines scheint klar: Solange es sich nicht um einen Risikosport handelt, ist irgendeiner sportlichen Aktivität nachzugehen wohl immer noch besser als sich gar nicht zu bewegen. (British Journal of Sports Medicine, 2016; doi: 10.1136/bjsports-2016-096822)

(BMJ/ University of Sydney, 30.11.2016 – DAL)

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