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Was lebt in der frischen Wäsche?

Transkriptom-Studie untersucht Bakterien und ihre Aktivität auf gewaschener Kleidung

Wäsche
Auch in frisch gewaschener Wäsche tummeln sich Mikroben. Welche das sind und was sie tun, haben Wissenschaftler untersucht. © AndreyPopov/ Getty images

Von wegen sauber: Selbst frisch gewaschene Wäsche enthält noch reichlich Bakterien – meist Haut- und Umweltkeime, die beim Waschen nicht abgetötet wurden. Was sich auf den frisch aus der Waschmaschine kommenden Textilien tummelt und wie sich dies für Baumwollstoffe und Polyester unterscheidet, hat nun erstmals ein Forscherteam mithilfe einer Transkriptom-Analyse untersucht – und einige Unterschiede entdeckt.

Die meisten Menschen bei uns waschen ihre verschmutzte Kleidung in der Waschmaschine – das ist einfach und erscheint hygienisch. Doch gerade die Waschmaschine ist alles andere als keimfrei – im Gegenteil: Wissenschaftler haben mehr als 200 verschiedene Bakterien in privaten Waschmaschinen nachgewiesen, darunter 30 bis 60 Prozent potenziell krankmachende Erreger. Diese Keime überleben vor allem dann, wenn häufig mit Energiesparprogrammen, bleichmittelfreien Waschmitteln und niedrigen Temperaturen gewaschen wird.

Was lebt in der frisch gewaschenen Kleidung?

Doch was viele nicht wissen: Selbst frisch gewaschene Wäsche enthält immer noch deutliche Mengen an Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze. „Man findet auf gewaschener Wäsche vor allem Wasserbakterien aus der Waschmaschine, aber auch nicht ausreichend inaktivierte Haut- und Umweltkeime, die von der dreckigen Wäsche stammen“, erklärt Studienleiter Markus Egert von der Hochschule Furtwangen.

Welche Keime sich auf der Frischwäsche tummeln und wie sich ihre Aktivität zwischen Baumwoll- und Polyestertextilien unterscheidet, haben Egert und sein Team nun mithilfe der Transkriptom-Analyse ermittelt. Anders als eine Genomanalse weist diese Methode nicht nur nach, welche Gene und damit Arten vorhanden sind. Sie identifiziert messenger-RNA und kann so zeigen, welche Genen bei den Bakterien aktiv sind und abgelesen werden. Das erlaubt Rückschlüsse auf ihre Stoffwechselprozesse.

Hautbakterien und Umweltkeime

Die Analysen ergaben: Auf der frisch gewaschenen Wäsche tummeln sich viele Bakterienarten, die zuvor schon in Waschmaschinen nachgewiesen wurden und die von unserer Haut und aus der Umwelt stammen. Mit fast 50 Prozent den größten Anteil hatten dabei Bakterien der Gattung Acinetobacter, ein eigentlich harmloser Hautkeim, der aber bei immungeschwächten Menschen Wundinfektionen und im schlimmsten Fall sogar eine Sepsis verursachen kann.

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20 Prozent der auf der Wäsche präsenten Gensignaturen stammten von den in Wasser oder auf verdorbenen Lebensmitteln vorkommenden Bakterien der Gattung Aeromonas. Auch sie sind in der Regel harmlos, können aber im Krankenhaus Wundinfektionen hervorrufen. Weitere Mikroben auf der Wäsche wie Rhizobium, Agrobacterium oder Andersoniella waren Umweltkeime, die in Böden und Gewässern vorkommen.

Insgesamt stellen diese Wäschekeime für gesunde Menschen wahrscheinlich kein besonderes Gesundheitsrisiko dar, wie das Team erklärt. Sie können aber erklären, warum frische Wäsche manchmal selbst nach dem Waschen unangenehm „müffelt“.

Der Genaktivität auf der Spur

„Ein Mysterium ist aber nach wie vor, was diese Keime auf der Wäsche so treiben, zum Beispiel was sie fressen und was für Stoffwechselprodukte sie erzeugen“, sagt Egert. Einen ersten Hinweis darauf sollten die Transkriptom-Analysen liefern. „Für gewaschene Wäsche hat diese Technologie bislang noch niemand gewagt. Die Herausforderung liegt in der Instabilität der mRNA und den relativ geringen Mengen, die auf gewaschener Wäsche vorkommen. Wir haben milde Waschbedingungen gewählt und die feuchten Textilien anschließend für 72 Stunden in der Maschine ‚vergessen‘. So konnte am Ende genügend mRNA für diese Pilotstudie geerntet werden.“

Das Ergebnis: Die Forschenden wiesen eine erhöhte Genaktivität vor allem bei den Bakteriengenen nach, die Enzyme für den Stoffwechsel der Mikroben und für den Transport von Substanzen durch Zellmembranen produzieren. „Zudem konnten wir erste Unterschiede in der bakteriellen Genexpression zwischen Baumwolle und Polyestergewebe aufzeigen“, so Egert.

Baumwolle als Mikroben-Futter?

Demnach unterschied sich die Aktivität von 17 Genen zwischen den Textilarten. Auf der Baumwollwäsche waren unter anderem einige Gene aktiver, die am bakteriellen Kohlenhydratstoffwechsel beteiligt sind. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte dies darauf hindeuten, dass die Baumwolle von den Mikroben als Nahrung genutzt wird. Denn Baumwolle besteht aus Zellulose, die wiederum aus Glucoseeinheiten und damit Zucker aufgebaut ist. Das Polyester ist dagegen ein Kunststoff, der nur schwer abbaubar ist.

„Wir wollen die neue Technologie nun für größere Folgestudien einsetzen, um noch mehr darüber zu erfahren, was die Keime auf der Wäsche so treiben und wie man ihr Verhalten unter hygienischen Gesichtspunkten optimieren kann“, sagt Egert. „Dazu muss man sie ja nicht gleich töten. Sie zu ‚überreden‘ mit dem Müffeln aufzuhören, wäre schon ein großer Erfolg.“ (Microorganisms, 2021; doi: 10.3390/microorganisms9081591)

Quelle: Hochschule Furtwangen

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