Geheimnis um seltsam geformte Hinterlassenschaften der Beuteltiere gelüftet Warum koten Wombats Würfel? - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Geheimnis um seltsam geformte Hinterlassenschaften der Beuteltiere gelüftet

Warum koten Wombats Würfel?

Wombats: knuffige Wesen mit seltsamem Kot © marco3t/ istock

Rätselhafte Fäkalien: Die in Australien heimischen Wombats scheiden würfelförmigen Kot aus – Forscher haben nun herausgefunden, wie das zustande kommt. Demnach entsteht die geometrische Form erst im letzten Teil der Darmpassage. Dort sorgen die elastischen Eigenschaften der Darmwand dafür, dass Würfel mit flächigen Kanten entstehen. Diese haben gegenüber runden Hinterlassenschaften einen entscheidenden praktischen Vorteil, wie das Team berichtet.

Neben Kängurus und Koalas ist in Australien noch eine weitere Gruppe von Beuteltieren heimisch – die Wombats (Vombatidae). Diese stummelbeinigen Tiere faszinieren die Forscherwelt aus einem kuriosen Grund: Ihr Kot ist würfelförmig und damit einzigartig im Tierreich.

Doch wie kommt diese außergewöhnliche Form zustande? Klar ist, dass Wombats nicht etwa einen viereckigen After besitzen. Der formgebende Schritt muss daher schon weiter innen im Darm vonstattengehen. Wie genau, das haben nun Patricia Yang vom Georgia Institute of Technology in Atlanta und ihre Kollegen versucht herauszufinden. „Der Wombat-Kot interessierte mich in erster Linie, weil ich noch nie etwas so Seltsames in der Biologie gesehen hatte“, berichtet Yang.

So sehen die Kot-Würfel der Beuteltiere aus. © P. Yang/ D. Hu/ Georgia Tech

Von weich zu fest

Um dem Geheimnis der Fäkalien-Würfel auf den Grund zu gehen, untersuchten die Wissenschaftler Wombats, die Verkehrsunfällen zum Opfer gefallen waren. Dabei analysierten sie unter anderem den Darminhalt der Tiere und blähten den entleerten Verdauungstrakt anschließend mithilfe eines langen Luftballons auf. Auf diese Weise wollten sie mehr über die elastischen Eigenschaften der Darmwände erfahren.

Die Untersuchungen zeigten: Zum Ende des sehr langsamen Verdauungsvorgangs der Wombats wechselt die Konsistenz der Nahrungsreste von eher flüssig zu fest und trocken. In den letzten acht Prozent des Darms entstehen dabei die bekannten Würfel mit einer Seitenlänge von rund zwei Zentimetern, wie Yang und ihr Team berichten.

Anzeige

Die Elastizität macht’s

Entscheidend für diese Formgebung sind offenbar die variierenden elastischen Eigenschaften der Darmwand. Diese ist entlang bestimmter Winkel mal mehr, mal weniger gut dehnbar und übt auf den Darminhalt an unterschiedlichen Stellen unterschiedlich viel Druck aus. Als Folge entstehen die flächigen Kanten.

„Wenn wir Menschen Würfel herstellen, tun wir das in der Regel durch eine von zwei Methoden: Wir schneiden sie aus oder gießen flüssiges Material in eine entsprechende Form“, sagt Yang. „Mit der Wombat-Methode haben wir nun ein weiteres Verfahren entdeckt, um weiches Material in eine Würfelform zu bringen.“

Für stabile Haufen

Warum aber hat es die Natur überhaupt so angelegt, dass die Beuteltiere Würfel koten? Auch dafür gibt es eine Erklärung: Wombats bilden aus ihren Hinterlassenschaften an markanten Stellen in ihrem Revier hohe Häufchen. Diese Kot-Türmchen sollen Artgenossen anlocken und zum Schnüffeln anregen – denn wie viele andere Tiere auch, kommunizieren Wombats unter anderem mithilfe von Duftmarken.

„Je höher der Fäkalienhaufen, desto besser sichtbar ist er und desto eher werden sich Artgenossen nähern um daran zu riechen“, schreiben die Forscher. Während runde Köttel dazu neigen, schnell wegzurollen, besteht dieses Problem bei rechteckigem Kot nicht – er erleichtert also die Haufenbildung. (American Institute of Physics, Meeting 2018; Abstract)

(American Institute of Physics, 19.11.2018 – DAL)

Anzeige

In den Schlagzeilen

Diaschauen zum Thema

Dossiers zum Thema

News des Tages

2018 VG18

Fernstes Objekt des Sonnensystems entdeckt

Mars: Rätsel um verschwundenes Methan

Europa: Diese invasiven Arten sind am gefährlichsten

Hatten schon die Dino-Vorfahren Federn?

Bücher zum Thema

Tierisch! - Expedition an den Rand der Schöpfung von Dirk Steffens

Gipfel des Unwahrscheinlichen - Wunder der Evolution von Richard Dawkins

Top-Clicks der Woche

Anzeige
Anzeige