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Vormenschen-Frauen lösten sexuelle Revolution aus

Bevorzugung fürsorglicher Männer bei der Partnerwahl förderte Übergang zur Zweierbeziehung

Rekonstruktion der Vormenschenfrau Lucy © Mpinedag/CC-by-sa 3.0

Frauen und rangniedrige Männer setzten bei unseren Vorfahren wahrscheinlich die Zweierbeziehung durch. Die Frauen begannen damals, nicht die stärksten Männchen als Partner zu wählen, sondern diejenigen, die sich am besten um sie und ihren Nachwuchs kümmerten. Dies waren zunächst meist rangniedrigere Männchen, die sich in Kämpfen nicht durchsetzen konnten und daher die Frauen auf andere Weise umwerben mussten. Diese Partnerwahl der Frauen habe die sexuelle Revolution eingeleitet, die den Menschen heute von seinen promiskuitiven Affenverwandten unterscheide, berichtet ein US-amerikanischer Forscher im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Anhand verschiedener Modelle hatte er getestet, welche biologisch plausiblen Verhaltensweisen am ehesten den Wechsel der Sozialstruktur bei unseren Vorfahren erklären.

Bei den meisten Affen und wahrscheinlich auch den ersten Vormenschen herrscht das Haremsprinzip: Die ranghohen Männchen der Gruppe paaren sich mit mehreren Weibchen und zeugen relativ viel Nachwuchs, die rangniedrigeren Männchen verlieren die Kämpfe um die Weibchen und gehen oft leer aus. Irgendwann jedoch änderte sich dies für unsere Vorfahren: Die intensive Konkurrenz und die Kämpfe um die Weibchen ließen nach, stattdessen etablierte sich eine Zweierbeziehung, bei der jeweils eine Frau und ein Mann mehr oder weniger treu zusammenblieben und ihren gemeinsamen Nachwuchs aufzogen – die Familie entstand.

„Dieser Wechsel von der Promiskuität zur Paarbindung markierte einen entscheidenden Schritt in der Entwicklung unserer Art“, sagt Sergey Gavrilets von der University of Tennessee in Knoxville. Die sexuelle Revolution habe die Kämpfe zwischen den Männchen verringert, die auf Dauer die Gruppe geschwächt hätten. Die intensive Fürsorge zweier Eltern erhöhte zudem die Überlebenschancen für den Nachwuchs, sie zahlte sich damit für die Art als Ganzes aus. Der Wandel zur klassischen Familie habe letztlich zahlreiche psychologische, soziale, aber auch körperliche Veränderungen ausgelöst, sagt Gavrilets.

Verhaltensweisen in virtueller Gruppe simuliert

Lange Zeit war unklar, was die treibende Kraft hinter diesem Übergang unserer Vorfahren zur Zweierbindung war. Um das zu klären, hat Gavrilets in seiner Studie verschiedene Verhaltensmuster von Frauen und Männern bei der Partnerwahl simuliert. Er ging dabei von der ursprünglichen, promiskuitiven Sozialstruktur vieler Primatengruppen aus. In statischen Berechnungen ermittelte der Forscher dann, wie sich Fruchtbarkeit, Überleben der Nachkommen und der Energieaufwand der Männer und Frauen veränderten, wenn beispielsweise die Jungen von allen gemeinsam aufgezogen wurden, die Männer ihre Rivalen aktiv bekämpften oder aber sie Sex gegen Nahrung erkauften.

Die Zweierbeziehung, bei der ein Mann und eine Frau längerfristig zusammenbleiben, setzte sich erst dann durch, als der Forscher in seiner fiktiven Gruppe zwei Verhaltensweisen einführte: Fürsorglichkeit als alternative Werbungsstrategie bei den Männern und eine aktive Partnerwahl bei den Frauen, bei denen diese diejenigen bevorzugten, die ihnen und ihrem Nachwuchs die besten Überlebenschancen boten.

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„Sobald die Frauen begannen, Versorger zu bevorzugen, zahlte sich die Investition der rangniedrigeren Männer in diese alternative Werbungsstrategie statt der normalen Rangkämpfe aus“, erklärt Gavrilets. Die Frauen ihrerseits profitierten von der Fürsorge und blieben daher immer häufiger mit dem einmal gewählten Partner zusammen – die ranghohen, erfolgsgewohnten Männer kamen bei ihnen immer weniger zum Zuge.

Das Ergebnis der Studie zeige damit auch, dass die weibliche Rolle bei der Partnerwahl eine entscheidende Rolle für die menschliche Evolution gespielt habe, meint der Forscher. Viele bisherige Studien hätten dies unterschätzt. Für zukünftige Untersuchungen sei es wichtig, die unterschiedlichen Verhaltensweisen der Geschlechter, aber auch von Individuen stärker zu berücksichtigen. (doi: 10.1073/pnas.1200717109)

(Proceedings of the National Academy of Sciences / PNAS, 29.05.2012 – NPO)

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