Im Durchschnitt leben rund 100 verschiedene Arten von Gliedertieren in jedem Haushalt "Volkszählung" entlarvt unsere krabbelnden Mitbewohner - scinexx | Das Wissensmagazin
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Im Durchschnitt leben rund 100 verschiedene Arten von Gliedertieren in jedem Haushalt

„Volkszählung“ entlarvt unsere krabbelnden Mitbewohner

Kugelspinnen gehören zu den eher nützlichen Mitbewohnern unserer Haushalte. © Matt Bertone

Wir sind nicht allein: Unsere Wohnung teilen wir im Durchschnitt mit rund hundert verschiedenen Arten von Insekten, Krebsen und Spinnentieren. Das enthüllt eine Bestandsaufnahme von US-Forschern. Unter den tierischen Mitbewohnern sind viele Kurzzeit-Gäste von draußen, aber auch dauerhafte Untermieter wie Spinnen, Silberfischchen oder Staubläuse. Sorgen machen muss uns das aber nicht, denn die meisten dieser Tiere sind völlig harmlos und unschädlich.

Unsere Wohnung ist unser Rückzugsort, hier fühlen wir uns ungestört – denken wir. Doch im Verborgenen beherbergen unsere Haushalte ganze Heerscharen von Mitbewohnern. Ob die Bakterien und Pilze im Hausstaub, die Milben in unserer Kleidung und im Bett oder die wimmelnde Mikrobenwelt in unserer Kaffeemaschine – wirklich allein sind wir auch zuhause nie.

Rund 100 Arten pro Haushalt

Mit welchen Arthropoden wir unser Domizil teilen, haben nun Matt Bertone von der North Carolina State University in Raleigh und seine Kollegen untersucht. Dafür besuchten sie 50 verschiedene freistehende Häuser in der näheren Umgebung und fingen bei ihrem Gang von Raum zu Raum alle Insekten, Spinnentiere oder Krebschen ein, die sie finden konnten – egal ob lebend oder tot.

Die Bilanz dieser Stichproben: Insgesamt fanden die Forscher knapp 600 verschiedene Arthropodenarten in den Häusern. Pro Haushalt kamen dabei rund 100 verschiedene Arten vor, wie die berichten. „Unser Heim beherbergt damit eine weitaus höhere Artenvielfalt, als man gemeinhin annimmt“, sagt Bertone. Nur fünf Räume von insgesamt 554 untersuchten enthielten gar keine krabbelnden oder fliegenden Mitbewohner.

Pharaoameisen sind unbeliebte und schwer wieder loszuwerdende Lästlinge © Matt Bertone

Die meisten sind harmlos

Unter den ungebetenen Untermietern waren Spinnen, Fliegen, verschiedene Käferarten, Ameisen und Staubläuse am häufigsten vertreten. Die meisten davon sind allerdings völlig harmlos. „Die große Mehrheit der Arthropoden, die wir in den Haushalten gefunden haben, sind keine Schädlinge“, sagt Bertone. „Die Tatsache, dass wir meist gar nicht bemerken, dass sie da sind, zeigt, wie wenig wir mit ihnen interagieren.“

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Zu den harmlosen und sogar nützlichen Dauergästen gehören beispielsweise die Kugelspinnen, die in 65 Prozent aller untersuchten Räume lebten. Sie fressen Insekten und halten uns damit Mücken und andere Blutsauger vom Leib. Schon eher lästig sind dagegen Insekten wie die Kleider- und die Dörrobstmotte, die sich an Wollstoffen oder an unserem Müsli gütlich tun. Auch der Kornkäfer ist häufig, er frisst Mehl, Körner und Trockenobst.

Zaungäste und offene Fragen

Aber längst nicht alle Gliedertiere in unseren Häusern bleiben auf Dauer, wie die Forscher betonen. Viele dieser Tiere verirren sich nur vorübergehend nach drinnen oder werden beispielsweise mit Pflanzen eingeschleppt. Zu diesen gehören Zikaden, Blattläuse oder Gallmücken, die immerhin in allen beprobten Wohnungen gefunden wurden. „Aber diese Tiere sind nicht an ein Leben in unserem Zuhause angepasst, daher überleben sie meist nicht lange bei uns“, sagt der Forscher.

Diese Stichprobe liefert jedoch erst einen ersten Einblick in die Arthropoden-Vielfalt in unseren Behausungen. „Wir müssen noch sehr viel mehr Arbeit leisten, um dieses Bild zu präzisieren“, betont Michelle Trautwein von der California Academy of Sciences. „Leisten diese Mitbewohner beispielsweise wertvolle Dienste, von denen wir bisher nichts wissen? Beherbergen sie vielleicht ihrerseits Mikroben, die unsere Gesundheit beeinflussen – im Guten wie im Schlechten?“

Unklar ist auch noch, wie die Struktur und Art unserer Behausungen die Zusammensetzung der krabbelnden Mitbewohner beeinflusst. All dies sei noch offen und müsse in weiteren Untersuchungen geklärt werden, so die Forscher.

(North Carolina State University, 20.01.2016 – NPO)

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