Samenverstecke nutzen dem Tannenhäher mehr als den Bäumen Vogel als zweifelhafter Forsthelfer - scinexx | Das Wissensmagazin
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Samenverstecke nutzen dem Tannenhäher mehr als den Bäumen

Vogel als zweifelhafter Forsthelfer

Tannenhäher: Der "gefiederte Förster" lagert seine Vorräte nachhaltig ein. © Eike Lena Neuschulz

Schlechtes Zeugnis für den „gefiederten Förster“: Der Tannenhäher vergräbt zwar Samen der Zirbelkiefer im Waldboden und hilft dem Baum so bei der Verbreitung. Allerdings nützt der Vogel der Pflanze offenbar viel weniger als gedacht: Er vergräbt die Samen gezielt an Stellen, wo sie besonders schlecht auskeimen können. So bleiben sie länger als Futter geeignet.

Der Tannenhäher ernährt sich fast ausschließlich von den Samen der Zirbelkiefer – sogar seinen Nachwuchs zieht er damit auf. Mit seinem Schnabel hackt der Rabenvogel die Zapfen auf, um an die Samen zu gelangen. Als Vorrat für den Winter vergräbt er im Herbst zusätzlich Samen im Boden. Mit diesem Verhalten nützt der „gefiederte Förster“ der Pflanze, da er deren Samen weiter verbreitet. Doch offenbar gewinnt die Kiefer dabei weit weniger als bisher gedacht.

Tannenhäher handelt ausschließlich eigennützig

Forscher um Eike Neuschulz vom LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt am Main haben das faszinierende Verhalten der Vögel monatelang genau studiert. Sie kommen zu dem Fazit: Der Vogel handelt ausschließlich eigennützig. „Tannenhäher verstecken die Samen gerade da, wo sie nicht besonders gut keimen können“, berichtet Neuschulz. „Zirbelkiefersamen brauchen feuchten Boden und viel Licht, um aufzugehen, doch die Vögel vergraben sie dort, wo der Boden trocken und das Kronendach relativ dicht ist.“

Bisherige Studien haben gezeigt, dass Nagetiere wie beispielsweise das Eichhörnchen ihre Vorräte an Samen zumeist dort vergraben, wo sie nicht so leicht von Räubern gefunden werden. Für den Tannenhäher scheint dies den Forschern zufolge jedoch nicht entscheidend für die Standortwahl seiner Depots zu sein.

Nachhaltige Vorratshaltung

Das für den Baum so ungünstige Verhalten ist für den Tannenhäher dagegen durchaus sinnvoll: Wenn der Samen nicht keimt, ist er länger haltbar und dadurch auch später noch als Futter verfügbar. „Weil zudem die Samenproduktion der Zirbelkiefer von Jahr zu Jahr unterschiedlich ausfallen kann, müssen Tannenhäher dabei möglicherweise auf Verstecke zurückgreifen, die sie vor langer Zeit angelegt haben“, erklärt Neuschulz. Wahrscheinlich ist für den Vogel deshalb nachhaltige Vorratshaltung so wichtig.

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Dank seines exzellenten räumlichen Erinnerungsvermögens findet der Tannenhäher ungefähr 80 Prozent der von ihm versteckten Samen wieder. „Wenn die übrigen 20 Prozent dann aber an Standorten vergraben sind, wo sie schlecht keimen können, dürfte der Beitrag des Tannenhähers an der Verjüngung der Bestände der Zirbelkiefer deutlich geringer sein als bisher angenommen“, resümiert Neuschulz.

(Journal of Animal Ecology, 2014; doi: 10.1111/1365-2656.12283)

(Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen, 19.09.2014 – MVI)

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