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Vertauschte Rollen bei der Froschpaarung

Biologen entdecken erste Froschart mit bei der Paarung oben sitzenden Weibchen

Froschpaarung
Das Weibchen sitzt bei der Paarung der Lauii-Laubstreukröte oben – das wurde bisher bei Fröschen noch nie beobachtet. © Lingnan University

Froschsex mal anders: Biologen haben erstmals eine Froschart entdeckt, bei der das Weibchen auf dem Rücken des Männchen hockt – statt wie sonst üblich umgekehrt. Die Männchen der in Hongkong vorkommenden Lauii-Laubstreukröte tragen ihre Partnerin huckepack in ein Versteck, wo dann die Eiablage und Paarung stattfinden. Es ist der erste Fall eines solchen „verkehrten“ Paarungsstellung bei Fröschen, wie die Forscher berichten.

Frösche sind für ihre ungewöhnlichen Fortpflanzungsstrategien bekannt. Einige paaren sich in Blatttümpeln, bei anderen vollführen die Männchen mit wedelnden Hinterbeinen einen Paarungstanz  und ihre Kaulquappen graben sich wie Würmer durch den Sand. Die riesenhaften Goliathfrösche bauen Teiche für ihren Nachwuchs und Männchen einer Froschart im brasilianischen Regenwald legen sich einen Harem von Weibchen zu.

Doch bei aller Vielfalt gab es einen gemeinsamen Nenner: In allen neun bisher von Fröschen bekannten Paarungsstellungen war das Männchen entweder oben – meist den Rücken der Partnerin fest umklammernd – oder aber beide Partner saßen nebeneinander.

Weibchen sitzt huckepack auf dem Männchen

Die erste klare Ausnahme haben nun Biologen um Yik-Hei Sung von der Lingnan University in Hong Kong entdeckt. Bei Exkursionen zur Erforschung der seltenen, kaum untersuchten Laus Laubstreukröte (Leptobrachella laui) beobachteten sie mehrfach ein ungewöhnliches Verhalten: Das Männchen dieser an kleinen Waldbächen lebenden Krötenfrösche nahm ein Weibchen zur Paarungszeit huckepack und trug es in ein Versteck.

„Dieses Verhalten ist bei anderen Arten von Fröschen und Kröten noch nie zuvor beobachtet worden“, berichtet Sung. „Allerdings verstecken sich die Frösche direkt nach der Paarung, so dass es schwer zu ermitteln ist, ob dies nur ein Ritt auf dem Rücken des Männchens ist oder ob ach die Eier auf diese Weise befruchtet werden.“ Um mehr zu erfahren, fingen die Biologen einige dieser Frösche vorübergehend ein und filmten ihr Verhalten in einem Laborterrarium.

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Umklammerung bis zur Eiablage

Es gelang den Forschern, das ungewöhnliche Paarungsverhalten fünfmal auf Video zu bannen. Immer saß das Weibchen dabei auf dem Rücken des Männchens und umklammerte seinen Rumpf mit ihren Vorderbeinen. Zur Eiablage zog sich das Froschpaar jedoch immer unter Steine zurück. „In der letzten Aufnahme aber ist ein einzelnes Ei zu sehen, das aus der Kloake des Weibchens hervorragt“, berichten Sung und sein Team.

Sie schließen daraus, dass der Huckepack-Ritt des Weibchens auf dem Rücken des Männchens ein fester Teil der Paarung ist. „Wir konnten zwar nicht eindeutig feststellen, ob diese Umklammerung nur während der Paarungsanbahnung anhält oder auch während der Eiablage“, erklären die Forscher. Dennoch sehen sie in diesem Verhalten eine zehnte, bisher nie zuvor bei Fröschen oder Kröten beobachtete Form der Paarungsstellung.

Paarung der Lauii-Laubstreukröten im Video.© Lingnan University

Anpassung an dünn gesäte Eiablageplätze?

Nach Ansicht von Sung und seinem Team könnten diese Frösche dieses ungewöhnliche Fortpflanzungsverhalten in Anpassung an ihren Lebensraum entwickelt haben: Entlang der kleinen Waldbäche Hongkongs und Südchinas sind geeignete, gut gegen Fressfeinde geschützte Eiablageplätze rar. Hat ein Froschmännchen einen solchen Platz gefunden, bewacht er ihn und macht ihn zu seinem Territorium.

Um dann Weibchen in dieses „Nest“ zu bringen, ruft das Männchen sie zunächst von einem anderen, sicheren Ort herbei und trägt sie dann schnell huckepack ins Versteck. „Die Effizienz dieses Fortpflanzungsverhalten und das dadurch verringerte Risiko der Prädation ist die wahrscheinlichste Triebkraft für eine Selektion zu diesem Verhalten“, erklären die Wissenschaftler. Ob diese umgekehrte Paarungsstellung auch bei anderen Froscharten vorkommt, ist bislang nicht bekannt.

„Die Entdeckung dieses neuen Paarungsverhaltens demonstriert die Vielfalt der Naturwunder – selbst in einer Stadt wie Hongkong“, sagt Sung. (Ecosphere, 2021; doi: 10.1002/ecs2.3407)

Quelle: Lingnan University

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