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Urzeit-Säuger knabberte am Dino-Kadaver

160 Millionen Jahre alte Bisspuren sind ältester Beleg für das Aasfressen bei Säugetieren

Fundort
An diesem Hang haben die Paläontologen den Dinosaurierknochen mit den Säugetier-Bissspuren gefunden. © Andreas Matzke

Verräterische Kerben: Schon vor 160 Millionen Jahren stand bei den frühen Säugetieren auch Aas auf dem Speiseplan, wie nun winzige Bissspuren an einem fossilen Dinosaurierknochen belegen. Die in China entdeckten Zahnabdrücke zeugen davon, dass damals ein kaum rattengroßer Säuger an Fleischresten eines Sauropoden-Kadavers fraß. Dies ist der älteste Beleg für das Aasfressen bei einem Säugetier.

Als die Dinosaurier die Erde dominierten, waren die meisten unserer Säugetiervorfahren kaum größer als eine Ratte. Dafür zeigten sie in Lebensweise und Speiseplan eine umso größere Vielfalt. So kamen auch halbaquatische, baumbewohnende, grabende und sogar gleitende Lebensweisen vor. Ähnlich vielseitig war vermutlich auch der Speiseplan dieser ersten Säugetiere. Doch fossile Belege für ihre verschiedenen Ernährungsweisen gibt es bislang kaum.

Bissspuren an einer Dino-Rippe

Einen besonderen Fund haben nun Forscher um Felix Augustin von der Universität Tübingen im Nordwesten Chinas gemacht. Bei Ausgrabungen entdeckten sie in einer 160 Millionen Jahre alten Gesteinsformation neben den Knochen großer Dinosaurier, Schildkröten und Krokodile auch zahlreiche Relikte von kleinen Säugetieren. An der Halsrippe eines Sauropoden, eines pflanzenfressenden Dinosauriers, fielen den Paläontologen winzige Nagespuren auf.

Die Spuren bestanden aus zwei annähernd parallelen Reihen von flachen, länglichen Gruben im Knochen. Durch Vergleiche mit den Zahnabdrücken kleinerer Reptilien und Säugetiere stellten die Forscher fest, dass diese Bisspuren von einem kleinen Urzeit-Säuger stammen müssen: „Die Nagespuren ähnelten denen von heutigen insektenfressenden Säugetieren, wie zum Beispiel Spitzmäusen, stark“, sagt Augustin.

An Kadaverresten geknabbert

Damit ist dieser Fund eine echte Rarität: „Direkte Nachweise wie Bissspuren auf Knochen oder ein Mageninhalt sind sehr selten“, so Augustin. „Alle bisher bekannten Belege stammten zudem frühestens aus der Kreidezeit, sie sind maximal etwa 100 Millionen Jahre alt. Daher ist unsere Entdeckung aus der Zeit vor etwa 160 Millionen Jahren so besonders.“ Denn die Spuren belegen, dass sich die Urzeit-Säuger auch am Fleisch größerer Tiere gütlich taten.

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Angesichts des enormen Größenunterschiedes – der Saurier war mindestens 20 Meter lang – kann der kleine Säuger erst nach dem Tod der Riesenechse an ihr gefressen haben. Augustin und sein Team gehen davon aus, dass das Säugetier sich von den Fleischresten ernährte, die größere Raubtiere am Kadaver übrig gelassen hatten. „Die Bisspuren repräsentieren eindeutig aasfressendes Verhalten“, so die Forscher.

Auch Fleisch und Aas auf dem Speiseplan

Damit sind diese fossilen Bisspuren in gleich doppelter Hinsicht ein besonderer Fund: „Die von uns beschriebenen Säugetier-Bisspuren stellen die ältesten direkten Belege für eine fleischfressende Ernährung früher Säugetiere rar“, sagen Augustin und seine Kollegen. „Außerdem repräsentieren sie das älteste Zeugnis des Aasfressens bei dieser Tiergruppe.“ (The Science of Nature, 2020; doi: 10.1007/s00114-020-01688-9)

Quelle: Eberhard Karls Universität Tübingen

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