Menschheit produziert 140 Milliarden Tonnen "metabolischen Lebensmittelabfall" Unsere Esslust verschwendet Lebensmittel - scinexx | Das Wissensmagazin
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Unsere Esslust verschwendet Lebensmittel

Menschheit produziert 140 Milliarden Tonnen "metabolischen Lebensmittelabfall"

Fastfood
Wie viele Lebensmittel werden durch übermäßiges Essen verschwendet? © wildpixel/ thinkstock

Wir essen zu viel: Das Wegwerfen von Lebensmitteln ist das eine, doch unsere Esslust ist ein mindestens ebenso großes Problem. Denn wir verzehren enorme Mengen an Lebensmitteln, die unser Körper gar nicht braucht. Statt anderen zur Verfügung zu stehen, werden diese Ressourcen dann zu Übergewicht. Forscher haben nun errechnet, dass das überschüssige Körpergewicht weltweit rund 140 Milliarden Tonnen Lebensmittelabfall entspricht – für einen großen Teil davon sind Europa und Nordamerika verantwortlich.

Während Menschen in großen Teilen der Welt regelmäßig Hunger leiden, landen in anderen Regionen tonnenweise Lebensmittel im Müll. Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge werfen allein die reichen Industrieländer fast so viel Nahrung weg wie die gesamte Nettoproduktion Subsahara-Afrikas: rund 230 Millionen Tonnen pro Jahr. Weltweit fallen jährlich rund 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittelabfall an.

Doch das ist nicht das einzige Problem – wir essen auch zu viel, sagen Elisabetta Toti vom Rat für Agrarforschung und Wirtschaft in Rom und ihre Kollegen. So sind weltweit rund 1,9 Milliarden Erwachsene fettleibig oder übergewichtig. „In der Regel entstehen die überflüssigen Pfunde durch einen übermäßigen Konsum von Kalorien über einen längeren Zeitraum“, erklären die Wissenschaftler. „Die Verschwendung von Ressourcen durch diesen übermäßigen Verzehr von Lebensmitteln ist bisher kaum beachtet worden.“

Wie groß ist die Verschwendung?

Wie viel Nahrung geht dadurch verloren, dass wir mehr essen als wir benötigen und als uns guttut? Toti und ihr Team haben das nun für die sieben von der Welternährungsorganisation (FAO) definierten Weltregionen berechnet. Dafür kalkulierten sie in einem ersten Schritt die Menge der überflüssigen Pfunde in der Bevölkerung. Ein Body-Mass-Index (BMI) über 21,7 galt dabei als zu viel – dies entspricht dem Wert, der mit der geringsten Sterblichkeit assoziiert ist.

Das überschüssige Körpergewicht interpretierten die Forscher als überschüssiges Fett und rechneten seinen Energiegehalt auf die national verfügbaren Lebensmittel um – von Milch- und Fleischprodukten, über Getreide bis hin zu Zucker. Die Verteilung erfolgte dabei danach, wie groß der Anteil einzelner Lebensmittelgruppen an der Gesamtenergiezufuhr der Bevölkerung ist.

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Europa ist unrühmlicher Spitzenreiter

Das beeindruckende Ergebnis: „Das überschüssige Körpergewicht weltweit entspricht ungefähr 140 Milliarden Tonnen Lebensmittelabfall“, berichten Toti und ihre Kollegen. Den größten Anteil machen dabei tierische Produkte aus. Europa ist den Ergebnissen zufolge mit 39,2 Milliarden Tonnen für die größte Menge von „metabolischem Lebensmittelabfall“ verantwortlich, dicht gefolgt von Nordamerika und Ozeanien mit 32,5 Milliarden Tonnen. Am wenigsten überschüssige Nahrung wird wie erwartet in Subsahara-Afrika verzehrt. Dort sind es lediglich fünf Milliarden Tonnen.

„Unsere Ergebnisse spiegeln die Resultate des letzten FAO-Reports wider, der gezeigt hat, dass Europa, Nordamerika und Ozeanien deutlich mehr Lebensmittelabfall generieren als nicht industrialisierte Länder. Das heißt, dass diesen reichen Staaten eine besondere Verantwortung in diesem Zusammenhang zukommt“, erklärt das Forscherteam.

Enorme ökologische Kosten

Die Wissenschaftler berechneten auch, wie groß der ökologische Fußabdruck der zu viel gegessenen Nahrung ist. Dabei zeichnete sich unter anderem ab: Allein die Produktion des metabolischen Lebensmittelabfalls der Welt war für etwa 240 Milliarden Tonnen CO2-Emissionen verantwortlich – ungefähr so viel, wie die Menschheit in den letzten sieben Jahren durch die Nutzung fossiler Brennstoffe emittiert hat. Auch der Verbrauch von Land und Wasser ist enorm.

Klar ist zwar: Die von den Forschern präsentierten Zahlen sind lediglich eine grob geschätzte Momentaufnahme und lassen viele Aspekte außen vor. Wie sich das Körpergewicht der Menschen im Laufe der Zeit verändert, wie viele überflüssige Pfunde durch mehr körperliche Bewegung verschwinden würden – all dies sind Faktoren, die die Analyse nicht beachtet.

Gut für die Gesundheit und die Umwelt

Die Botschaft allerdings ist deshalb nicht weniger deutlich: Zu viel zu essen schadet nicht nur unserer eigenen Gesundheit. Auch für die Umwelt und die Sicherung der Welternährung ergeben sich negative Effekte. Den mit Übergewicht assoziierten metabolischen Lebensmittelabfall zu reduzieren, hilft daher gleich zweifach, wie Toti und ihre Kollegen betonen: „Es reduziert den ökologischen Einfluss unausgewogener Ernährungsmuster und verbessert dadurch auch die Gesundheit der Menschen“, so das Fazit des Teams. (Frontiers in Nutrition, 2019; doi: 10.3389/fnut.2019.00126)

Quelle: Frontiers

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