Bisphenol A gelangt aus Futterkonserven in den Körper der Vierbeiner Umwelthormon belastet Hunde - scinexx | Das Wissensmagazin
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Bisphenol A gelangt aus Futterkonserven in den Körper der Vierbeiner

Umwelthormon belastet Hunde

Hunde könnten über Dosenfutter mit Umwelthormonen in Kontakt kommen. © David Baileys/ thinkstock

Umwelthormon im Hundefutter: Über die Konservendosen gelangt die Chemikalie Bisphenol A offenbar auch in Nahrung für Hunde – und von dort in den Körper der Tiere. Bereits nach wenigen Tagen Dosenfutter-Diät reichert sich die Substanz im Blut an, wie Forscher berichten. Womöglich verändert sie dabei sogar die Darmflora der Vierbeiner. Bisphenol A steht schon länger im Verdacht, zumindest für den Menschen nicht ganz unbedenklich zu sein.

Nahezu überall ist der Mensch heutzutage potenziell schädlichen Chemikalien ausgesetzt, die aus der Umwelt in die Nahrungskette gelangen: Die Substanzen lassen sich in Meeressäugern oder Fischen, im Mikroplastik unserer Gewässer und sogar in der Muttermilch nachweisen. Kein Wunder, dass auch unsere geliebten Haustiere längst mit solchen Umweltchemikalien belastet sind.

BPA in Futterkonserven

Erst kürzlich stellten Wissenschaftler etwa fest, dass die Spermienqualität bei Hunden in den letzten Jahrzehnten deutlich abgenommen hat – und dass womöglich in Hundefutter gefundene Umweltgifte für die verminderte Fruchtbarkeit verantwortlich sein könnten. Vermehrt entdeckt hatten die Forscher vor allem Varianten des verbotenen Stoffs PCB. Doch offenbar sind die Polychlorierten Biphenyle nicht die einzigen problematischen Substanzen im Futter der Vierbeiner.

Zoe Koestel von der University of Missouri in Columbia und ihre Kollegen haben nun einen weiteren, womöglich folgenreichen Inhaltsstoff unter die Lupe genommen: Bisphenol A, kurz BPA. Die Chemikalie kann nachweislich in den Hormonhaushalt eingreifen und steht im Verdacht, beim Menschen Autismus zu begünstigen, Wachstumsprozesse zu stören und Übergewicht zu fördern. Trotzdem kommt BPA in vielen Alltagsprodukten vor – unter anderem in Konservendosen.

Um das Dreifache erhöhte Konzentration

Die Forscher hegten daher den Verdacht, dass der Stoff über solche Behälter auch in darin konserviertes Hundefutter und damit in die Nahrungskette der Vierbeiner übergehen könnte. Um dies zu überprüfen, stellte das Team die Ernährung ihrer 14 tierischen Probanden um: Zwei Wochen lang erhielten die Hunde eine von zwei Sorten handelsüblichen Dosenfutters statt ihres sonst konservenfreien Futters. Vor und nach dem Versuch wurden Blut- und Stuhlproben der Vierbeiner genommen.

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Ernährten sich die Vierbeiner nur zwei Wochen lang von Futter aus der Konserve, stieg der BPA-Gehalt in ihrem Blut deutlich. © Chalabala/ thinkstock

Das Ergebnis: Eigentlich hatten die Wissenschaftler gedacht, dass nur in einer der zwei Konservensorten Bisphenol A enthalten sei. Sie fanden es aber in beiden – und schon nach der vergleichsweise kurzen Testphase hinterließ der Stoff im Hundekörper eine deutliche Spur. Zirkulierten im Blut der teilnehmenden Vierbeiner zuvor nur geringe Mengen des Umwelthormons, stieg seine Konzentration durch das Dosenfutter um fast das Dreifache an. Der gemessene Wert entsprach dabei in etwa Werten, die mitunter auch beim Menschen festgestellt werden können.

Einfluss auf das Mikrobiom?

Doch nicht nur im Blut der Tiere machte sich das BPA bemerkbar. Die Belastung hatte offenbar auch einen Einfluss auf die Darmflora. So korrelierte der Anstieg der BPA-Konzentration mit Veränderungen in der Zusammensetzung des Mikrobioms, wie Koestel und ihre Kollegen berichten.

Insbesondere war nun die Anzahl eines Bakteriums reduziert, das Bisphenol A und andere Umweltchemikalien normalerweise verstoffwechseln kann. Ob aber tatsächlich das BPA oder womöglich ein anderer Bestandteil des Futters für diese Veränderung verantwortlich ist, muss noch abschließend bestätigt werden.

Gleiches Zuhause, gleiche Risiken

Trotzdem zeige die Studie, dass sich Umweltchemikalien aus Alltagsprodukten schon nach kurzer Zeit im Körper unserer sprichwörtlich besten Freunde anreichern können und dort womöglich ihre Gesundheit beeinflussen, schreiben die Forscher.

„Wir teilen unser Zuhause mit Hunden“, sagt Mitautorin Cheryl Rosenfeld. Daher sei es nicht verwunderlich, dass sich die Umweltchemikalien, die den Menschen belasten, auch auf die Vierbeiner auswirkten. Umgekehrt könnten die Erkenntnisse über die Folgen des BPA-Kontakts bei Hunden Rückschlüsse auf die Konsequenzen für den Menschen erlauben. (Science of The Total Environment, 2016; doi: 10.1016/j.scitotenv.2016.11.162)

(University of Missouri-Columbia, 21.12.2016 – DAL)

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