Forscher warnen vor Verlust bedeutender Naturschätze Über 100 Weltnaturerbe-Stätten sind in Gefahr - scinexx | Das Wissensmagazin
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Forscher warnen vor Verlust bedeutender Naturschätze

Über 100 Weltnaturerbe-Stätten sind in Gefahr

Der Mensch zerstört durch seine Aktivitäten einzigartige Biotope - wie hier im Nationalpark Kahuzi-Biéga im Kongo. © AJ Plumptre

Bedrohte Schätze der Natur: Mehr als 100 Weltnaturerbe-Stätten werden durch menschliche Aktivitäten zunehmend in Mitleidenschaft gezogen, warnen Forscher. Tourismus, Landnutzung und Urbanisierung haben den eigentlich geschützten Biotopen in den vergangenen zwei Jahrzehnten demnach merklich zugesetzt. Auch berühmte Reservate wie der Yellowstone Nationalpark sind davon betroffen.

Ob das Great Barrier Reef, der Yellowstone-Nationalpark oder die Galapagosinseln: Sie alle sind ein UNESCO Weltkulturerbe und gehören damit zu den bedeutendsten und einzigartigen Biotopen unseres Planeten – und sie alle sind akut bedroht. Schuld daran trägt wie so oft der Mensch. Denn er baut Straßen durch diese Stätten, nutzt das Land für den Ackerbau, errichtet dort Gebäude und fällt Bäume.

Möglich ist das, weil der Titel Weltnaturerbe keine zwingende Schutzwirkung hat. Eingriffe in die geschützten Gebiete können von der UNESCO nicht sanktioniert werden. Das führt dazu, dass es um die Erhaltung vieler Weltnaturerbe-Stätten schlecht bestellt ist. Wie schlecht, zeigt nun eine Studie von Wissenschaftlern um James Watson von der Wildlife Conservation Society.

Ein illegales Fischerdorf im Nationalpark Virunga. © AJ Plumptre

Menschlicher Fußabdruck wächst

Die Forscher haben untersucht, wie stark sich im Laufe der vergangenen Jahre der Einfluss des Menschen in den geschützten Biotopen bemerkbar gemacht hat. Ihr erschreckendes Ergebnis: In 63 Prozent der Weltnaturerbe-Stätten ist der menschliche Fußabdruck in den letzten zwei Jahrzehnten größer geworden. Die davon betroffenen Gebiete sind über alle Kontinente verteilt – mit Ausnahme von Europa.

Insgesamt, so die Hiobsbotschaft, sind mehr als 100 Weltnaturerbe-Stätten durch menschliche Aktivitäten bereits ernsthaft beschädigt worden und werden auch in Zukunft unter diesen Auswirkungen leiden. Besonders düster ist die Lage den Wissenschaftlern zufolge in Asien. Hier finden sich die am stärksten in Mitleidenschaft gezogenen Gebiete, darunter das Manas Wildlife Sanctuary in Indien und der Chitwan National Park in Nepal. Ebenfalls stark betroffen ist darüber hinaus der Simien National Park in Äthiopien.

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Waldverlust in den Weltnaturerbe-Stätten. © Biological Conservation

Dramatischer Waldverlust

In Sachen Waldverlust nehmen Parks wie das Río Plátano Biosphere Reserve in Honduras die traurigen Spitzenplätze ein. Allein seit dem Jahr 2000 hat das tropische Regenwaldgebiet 365 Quadratkilometer Waldfläche eingebüßt – durch illegalen Holzeinschlag, Brandrodungen und Landwirtschaft.

Doch auch vermeintliche Aushängeschilder wie der berühmte Yellowstone Nationalpark in den USA schneiden nur unwesentlich besser ab. Immerhin sechs Prozent seiner Wälder hat der Park in den letzten Jahren verloren. Im grenzübergreifenden Waterton Glacier International Park in Kanada und den USA ist sogar ein Viertel des Waldes verschwunden. Das sind rund 540 Quadratkilometer.

„Zeit zu handeln“

„Jeder Ort, der als Weltnaturerbe-Stätte gelistet ist, ist ein weltweit bedeutender Schatz für die gesamte Menschheit“, sagt Watson. „Diese Stätten sollten deshalb erhalten und geschützt werden“, ergänzt Mitautor James Allan von der University of Queensland. Wenn ein Gebiet zehn oder zwanzig Prozent seiner Waldfläche verliere, sei das dramatisch und müsse angesprochen werden.

Die Wissenschaftler hoffen nun, dass ihre Warnung Wirkung zeigt: „Es ist jetzt an der Zeit, dass die globale Gemeinschaft aufsteht und die Regierungen in die Pflicht nimmt, den Schutz der Weltnaturerbe-Stätten ernst zu nehmen“, schließen sie. Man müsse nun dringend handeln, um die bedrohten Gebiete und deren universellen Wert zu retten. (Biological Conservation, 2017; doi: 10.1016/j.biocon.2016.12.011)

(WCS Wildlife Conservation Society, 31.01.2017 – DAL)

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