Experiment enthüllt unkontrollierte Akkumulation und Abgabe des Desinfektionsmittels Triclosan reichert sich in Zahnbürsten an - scinexx | Das Wissensmagazin
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Experiment enthüllt unkontrollierte Akkumulation und Abgabe des Desinfektionsmittels

Triclosan reichert sich in Zahnbürsten an

Enthält die Zahnpasta Triclosasn,dann kann sich dieser umstrittenen Wirkstoff in den Borsten anreichern und beim Zähneputzen unkontrolliert wieder abgegeben werden. © didesign/ thinkstock

Versteckte Belastung: Das umstrittene Desinfektionsmittel Triclosan kann sich beim Zähneputzen in der Zahnbürste anreichern – und wird dann unkontrolliert freigesetzt. Ein Experiment enthüllt, dass vor allem weiche Borsten bis zum Zwölffachen der normalerweise in der Zahnpasta enthaltenen Dosis speichern können. Wechselt man dann die Zahncreme, geben sie diesen potenziell schädlichen Wirkstoff in die Mundhöhle ab, wie die Forscher berichten.

Der antimikrobielle Wirkstoff Triclosan ist heute in vielen Alltagsprodukten enthalten, von Küchenbrettern, Textilien und Schuhen bis zu Flüssigseifen, Deodorants und Zahnpasta. Doch inzwischen steht die Chemikalie im Verdacht, gerade bei langer Anwendung gesundheitsschädlich zu sein. Im Tierversuch löste Triclosan Leberschäden und Krebs sowie Muskelschwäche aus, außerdem kann es Antibiotika-Resistenzen bei Bakterien fördern. Kinderärzte fordern deshalb bereits ein Verbot von Triclosan in Alltagsprodukten.

Zahnbürsten-Borsten reichern Triclosan an

Ein weiteres Argument dafür könnten jetzt Jie Han von der University of Massachusetts und seine Kollegen liefern. Sie haben untersucht, ob und wie sich Triclosan aus Zahnpasta beim Zähneputzen verhält. Für ihre Studie ließen sie einen Putzroboter ein dreimonatiges Zähneputzen mit 22 verschiedenen Zahnbürsten und sechs triclosanhaltigen Zahncremes simulieren.

Es zeigte sich: Vor allem in Zahnbürsten mit weichen, elastischen Borsten reichern sich im Laufe der Zeit beträchtliche Mengen an Triclosan an. Je dünner und weicher die Borsten waren, desto mehr Triclosan nahmen sie auf. „Mehr als ein Drittel der Bürsten enthielt dadurch das Sieben- bis Zwölffache der normalerweise in einer Zahnpastaportion enthaltenen Triclosan-Dosis“, berichten Han und seine Kollegen.

Auch in Deutschland ist in einigen Zahncremes Triclosan enhalten. © gemeinfrei

Beim Pastenwechsel freigesetzt

Das Problem dabei: Dieses Triclosan bleibt nicht dauerhaft in den Borsten gespeichert. Sobald der Nutzer zu einer Zahnpasta ohne Triclosan wechselt, setzt die Zahnbürste das angereicherte Desinfektionsmittel wieder frei, wie die Forscher feststellten. Über zwei Wochen hinweg wird so Triclosan in die Mundhöhle abgegeben und kann mit dem Speichel aufgenommen werden.

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„Während der ersten zwei bis drei Tage des Putzens gab die Zahnbrüste dabei sogar höhere Dosen Triclosan in die Flüssigkeit ab als beim Putzen mit Triclosanhaltigen Zahnpastas“, berichten die Wissenschaftler. Und noch einen Unterschied gibt es: „Während der Wirkstoff in den triclosanhaltigen Zahnpastas größtenteils an Partikel gebunden und damit immobilisiert ist, ist diese frei gelöste Form stärker bioverfügbar“, so Han und seine Kollegen.

„Unkontrollierte und unerwünschte Belastung“

Insgesamt überschreitet die Triclosan-Belastung durch diese Anreicherung und Wiederfreisetzung zwar nicht die gängigen Grenzwerte. Dennoch sehen die Forscher darin eine versteckte Quelle unkontrollierter Belastung. „Das in der Zahnbürste akkumulierte Triclosan führt zu einer verlängerten und unerwünschten Belastung“, konstatieren sie. „Dessen sollten die Verbraucher sich bewusst sein.“

Nach Ansicht der Wissenschaftler weckt ihre Studie zudem die Frage, ob es auch bei anderen Alltagsprodukten und mit anderen Chemikalien solche versteckten Anreicherungen geben könnte. „Auch andere solcher Produkte enthalten absorbierende Polymere und werden bei Gebrauch regelmäßig Chemikalien ausgesetzt, vor allem im Bereich der Körperpflege“, so die Forscher. Hier seien daher weitere Untersuchungen gefragt. (Environmental Science & Technology, 2017; doi: 10.1021/acs.est.7b02839)

(University of Massachusetts at Amherst, 26.10.2017 – NPO)

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