Neue Hypothese sieht Unterschiede im Hormonstofffwechsel als Motor der Auseinanderentwicklung Trennten Hormone den Menschen vom Affen? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Neue Hypothese sieht Unterschiede im Hormonstofffwechsel als Motor der Auseinanderentwicklung

Trennten Hormone den Menschen vom Affen?

Gorillas, Schimpansen und Bonobos teilen mehr als 90 Prozent unserer Gene – und doch unterscheiden sie sich unzweifelhaft vom Menschen. Aber warum? Nach Ansicht portugiesischer Forscher könnten Hormone entscheidend für die Unterschiede in Intelligenz und Hirnvolumen verantwortlich sein.

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Das Gehirn eines Großaffen ist nur etwa ein Drittel so groß wie das eines Menschen. Da nach gängiger Lehrmeinung Intelligenz mit der Hirngröße korreliert, könnten daher Faktoren, die die Hirngröße in der Evolution bestimmten, auch für die Intelligenz verantwortlich sein. Von dieser Prämisse ausgehen machte sich eine Gruppe Wissenschaftler der Universität von Coimbra auf die Suche nach diesen bisher unbekannten Faktoren.

In einer jetzt in der Zeitschrift „Medical Hypotheses“ veröffentlichten Studie postuliert das Forscherteam, dass die Unterschiede zwischen Mensch und Affe, aber auch zwischen Hominiden, ihren Ursprung in einem voneinander verschiedenen Hormonstoffwechsel insbesondere der Thyroid- und Steroidhormone, darunter auch die Sexualhormone wie beispielsweise Testosteron haben könnten.

Hormone beeinflussen Hirntätigkeit

Schilddrüsen und Sexualhormone sind dafür bekannt, dass sie auch die Entwicklung und Funktion des Gehirns beeinflussen. So kann beispielsweise ein Mangel an Jod, einem wichtigen Baustein für Schilddrüsenhormone, die Produktion des Botenstoffs Dopamins stören. Dieser gilt als einer der wichtigsten Neurotransmitter im Gehirn und unter anderem als entscheidend für die abstrakte Intelligenz. Ein Mangel an Dopamin kann bis zur geistigen Behinderungen führen.

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…und Größe

Sexualhormone dagegen beeinflussen nicht nur Gehirnwachstum und –entwicklung, sondern kontrollieren auch eine Reihe von wichtigen Funktionen des Zentralnervensystems. Östrogene beispielsweise sollen nach bisheriger Erkenntnis gegen ein Absinken des Sprachgedächtnisses im Alter helfen und das Risiko für Alzheimer bei Frauen nach den Wechseljahren reduzieren. Sowohl für Östrogen als auch für Progesteron, sein männliches Äquivalent, finden sich zahlreiche Rezeptoren in verschiedenen Regionen des Gehirns.

Nach Ansicht der Forscher könnten die hormonellen Unterschiede auch die Gehirnvergrößerung des Menschen im Laufe der Evolution erklären. Denn beide Hormontypen beeinflussen das Körperwachstum, Steroide sind zudem für menschentypische Merkmale wie eine stärkere physische Geschlechtsdifferenzierung, eine längere Lebensdauer und eine nicht an den weiblichen Zyklus gebundene Sexualität verantwortlich.

Bisher nur Hypothese

Belegt ist bisher allerdings nur, dass sich der Hormonstoffwechsel zwischen Mensch und Affe unterscheidet. Ob dies aber tatsächlich auch für die Unterschiede in Hirngröße und Intelligenz zwischen beiden Primatengruppen verantwortlich ist, müssen erst weitere Untersuchungen zeigen, wie auch die Forscher einräumen. Sollte sich diese zunächst vorläufige Hypothese aber bestätigen, könnte dies eine der großen Fragen von Biologie, Philosophie und Gesellschaft klären helfen: Was macht den Mensch zum Menschen?

(Universität von Coimbra, 27.09.2005 – NPO)

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