Neuentdeckte Art aus dem Nordpazifik lebt zwischen metallhaltigen Manganknollen Tiefseekrebs nach Band "Metallica" benannt - scinexx | Das Wissensmagazin
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Tiefseekrebs nach Band „Metallica“ benannt

Neuentdeckte Art aus dem Nordpazifik lebt zwischen metallhaltigen Manganknollen

Metallica-Tiefseekrebs
Der Tiefseekrebs Macrostylis metallicola wurde nach der Band "Metallica" getauft. © Anna Frenkel/ Senckenberg

Musikalischer Metallbewohner: Forscher haben einen neuentdeckten Tiefseekrebs nach der Band „Metallica“ benannt. Die Krebsart Macrostylis metallicola lebt in mehr als 4.000 Meter Tiefe am Grund des Nordpazifiks – mitten im Lizenzgebiet für den Manganknollen-Abbau. Ihr Name soll daher einerseits an die Heavy-Metal-Band erinnern, andererseits aber auf ihren Lebensraum und dessen Bedrohung aufmerksam machen.

Ob Manganknollen, Sulfidkrusten oder Edelmetalle: Die reichen Erzvorkommen in der Tiefsee wecken Begehrlichkeiten. Schon jetzt werden in den Lizenzgebieten im Pazifik Voruntersuchungen für einen möglichen Tiefseebergbau durchgeführt. Diese enthüllen jedoch, dass gerade in diesen Gebieten eine weitgehend unerforschte und einzigartige Tierwelt existiert. Wird ihr Lebensraum zerstört, könnten sie unwiederbringlich verlorengehen.

Macrostylis metallicola
Der Metallica-Krebs unter dem konfokalen Laserscanning-Mikroskop betrachtet.© PeerJ/ doi: 10.7717/peerj.8621/fig-5

Leben unter Extrembedingungen

Eine dieser zuvor unbekannten Arten haben nun Torben Riehl vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen und sein Kollege Bart de Smet von der Universität Gent neu entdeckt und beschrieben. Der nur 6.,5 Millimeter lange Krebs besitzt weder Augen noch Pigmente und lebt in der absoluten Dunkelheit des Meeresgrunds in mehr als 4.000 bis 5.000 Meter Tiefe. Dort herrscht ein Druck von 400 Atmosphären.

Der Lebensraum der neuen Krebsart sind die Manganknollengebiete in der Clarion-Clipperton-Zone im Nordpazifik. Hier liegt das deutsche Lizenzgebiet für den Tiefseebergbau. Die dort vorkommenden, vor Jahrmillionen entstandenen Manganknollen enthalten neben den Hauptbestandteilen Mangan und Eisen auch weitere wertvolle Elemente, wie Kupfer, Kobalt und Nickel, sowie seltene Erden.

Name mit Doppelbedeutung

„Hierauf deutet auch der von uns gegebene Artname Macrostylis metallicola hin: Durch die Wortendung ‚-cola‘ bedeutet der Name in wissenschaftlicher Fachsprache so viel wie ‚Metall-Bewohnerin'“, sagt Riehl. Vor allem aber wählte Riehl den Namen zu Ehren der Band „Metallica“. „Mit ihrer beeindruckenden Musik hat mich die Heavy Metal-Band den Großteil meines Lebens begleitet. Es begeistert mich daher riesig, die Band mit der Benennung einer neuen Art zu ehren“, erklärt der Tiefseeforscher.

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Mit der Benennung der neuen Art möchte Riehl daher zum einen seine Jugendhelden ehren, zum anderen liegt ihm viel daran, Umweltbewusstsein zu fördern. „Aufgrund seines Rohstoffreichtums könnten in dieser Meeresregion bald Manganknollen abgebaut werden, um die stetig wachsende Nachfrage nach bestimmten Elementen zu bedienen“, so der Forscher. „Kaum jemand weiß aber, dass in den großen, größtenteils unentdeckten Tiefen der Weltmeere unglaublich bizarre Kreaturen existieren, die noch niemand bislang gesehen hat – wie unser ‚Metallica-Krebs‘.“

Die Wissenschaftler appellieren daher dafür, vor dem Beginn einer Ausbeutung dieser Rohstoffe wissenschaftsbasierte Umweltmanagementpläne sowie Pläne zur Schadensminderung zu entwickeln. „Wir müssen dafür sorgen, dass ein Abbau der Manganknollen möglichst nachhaltig vollzogen wird, und zwar durch die Einrichtung vernünftiger Umweltmanagementpläne und Schutzgebiete, die auf den Erhalt von Biodiversität und Ökosystemfunktionen abzielen“, so Riehl. (PeerJ, 2020; doi: 10.7717/peerj.8621)

Quelle: Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

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