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Termiten als Seefahrer

Trockenholztermiten überquerten in den letzten 50 Millionen Jahren mehrfach ganze Ozeane

Termiiten
Holzfressende Termiten haben im Laufe ihrer Stammesgeschichte unzählige Male ganze Ozeane überquert – teils in Holzstücken, teils auf Schiffen. © Ales Bucek

Weitgereiste Holzfresser: Biologen haben erstmals rekonstruiert, wie die Trockenholztermiten die Welt eroberte. Demnach müssen diese Holzfresser im Laufe ihrer Ausbreitung Dutzende Male ganze Ozeane überquert haben, um neue Gebiete zu kolonisieren. Einen Teil dieser Überfahrten absolvierten die Termiten dabei im Inneren treibender Holzstücke. In der jüngere Vergangenheit fuhren sie dagegen meist als blinde Passagiere im Holz von Schiffen mit.

Termiten haben einen schlechten Ruf. Zwar sorgen die riesigen Bauten mancher Termitenstaaten in für Staunen und Respekt. Die meisten Menschen assoziieren diese sozialen Insekten aber wohl eher mit zerstörtem Holz und einstürzenden Holzbauten. Verantwortlich dafür sind die Trockenholztermiten (Kalotermitidae), die das Holz als Nistplatz, Nahrung und Schutz zugleich nutzen. Zu dieser Gruppe gehören einige der am meisten gefürchteten invasiven Schädlinge, inzwischen sind die Trockenholztermiten fast weltweit verbreitet.

Werdegang rekonstruiert

Doch wie und wann sich diese holzfressenden Termiten so stark ausgebreitet haben, war bisher nur in Teilen geklärt. Ein Team um Ales Bucek vom Okinawa Institut für Wissenschaft und Technologie hat daher erstmals die Entwicklungsgeschichte der Trockenholztermiten mit genetischen Mitteln rekonstruiert. Für ihre Studie analysierten die Forschenden die mitochondrialen Genome von rund 120 Kalotermitiden-Arten aus 21 der 23 Gattungen dieser Termitenfamilie.

Das Ergebnis ist ein erster umfassender Stammbaum der Trockenholztermiten, der nicht nur ihre Evolution zeigt, sondern auch rekonstruiert, wann welche Art welche Region erobert hat. Der gemeinsame Vorfahre aller Kalotermitiden spaltete sich demnach vor rund 115 Millionen Jahren vom Rest der schabenartigen Insekten ab. Vor rund 84 Millionen Jahren entwickelte sich dann irgendwo in den Neotropen, dem Gebiet des heutigen Mittelamerika, aus einem seiner Nachfahren der Urahn aller höher entwickelten, modernen Trockenholztermiten.

Per Holzfloß übers Meer…

Das Spannende jedoch: Im Laufe der letzten rund 50 Millionen Jahre breiteten sich die verschiedenen Gattungen der Trockenholztermiten von den Neotropen über die gesamte Welt aus – und überwanden dabei selbst Ozeane. „Die Kalotermitiden müssen mindestens 40 Mal neue biogeografische Regionen erobert haben, die meisten davon durch transozeanische Ausbreitungen“, berichten Bucek und seine Kollegen.

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Die Termiten überquerten dabei selbst große Meere, beispielsweise um von den Neotropen nach Afrika oder Europa zu gelangen. Ihre Lebensweise im Holz bot ihnen dafür die perfekten Hilfsmittel: „Ihre hölzernen Behausungen dienen ihnen als Flöße“, sagt Bucek. Weil Holz schwimmt, konnten die Insekten mit Ästen, Stämmen und anderem Treibholz selbst weite Strecken driften. „Sie sind dadurch ziemlich gut darin, Ozeane zu überqueren.“

…oder als blinder Passagier per Schiff

In neuerer Zeit nutzten die Termiten allerdings eine weitere Strategie: Sie reisten als blinde Passagiere auf Schiffen mit. Verborgen im Holz der Schiffsplanken erreichten viele holzfressende Termitenarten so neue Gebiete, darunter auch die als invasive Arten berüchtigten Arten der Gattung Cryptotermes. Sie haben sich von Mittelamerika aus über die Karibik und die USA bis Südamerika, Afrika und Südeuropa ausgebreitet. Sogar bis Australien und Neuseeland haben es diese Holzfresser dank menschlicher Handels- und Transportrouten geschafft.

„Transozeanische Reisen und in jüngerer Zeit die vom Menschen vermittelte Ausbreitung waren demnach die wichtigsten Treiber der globalen Verteilung der Kalotermitidae“, konstatieren die Forschenden. (Molecular Biology and Evolution, 2022; doi: 10.1093/molbev/msac093)

Quelle: Okinawa Institute of Science and Technology Graduate University

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