Wirbeltiere ließen sich von den Wellen auf die Insel treiben Strömungen brachten Tiere nach Madagaskar - scinexx | Das Wissensmagazin
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Wirbeltiere ließen sich von den Wellen auf die Insel treiben

Strömungen brachten Tiere nach Madagaskar

Auf Madagaskar lebender Primat © Mitchell Irwin

Meeresströmungen sind der Schlüssel für die Artenvielfalt Madagaskars. Denn viele Landwirbeltiere gelangten vor etwa 50 Millionen Jahren von Afrika aus über das Meer auf die Insel: Sie schwammen oder kamen mit einer Art Floß. Dabei halfen ihnen die damals noch günstigen Meeresströmungen, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Als sich vor etwa 20 Millionen Jahren die Strömungen veränderten, gelangten hingegen fast nur noch Tiere, die fliegen konnten, nach Madagaskar.

Die Tierwelt Madagaskars gilt als einzigartig. Nirgendwo sonst leben so viele Tierarten, die nur dort vorkommen. Andererseits ist der Artenreichtum einiger dort heimischer Tiergruppen viel geringer als beispielsweise auf dem afrikanischen Festland. Nach Angaben der Forscher deutet das darauf hin, dass einst nur wenige, einzelne Vertreter dieser Tiergruppen Madagaskar erreicht haben – und dies vermutlich erst, als Madagaskar bereits eine Insel war.

Wie, wann und von wo aus die Wirbeltiere nach Madagaskar gelangt sind, sei aber ein großes Rätsel gewesen, heißt es in den „Proceedings“: Fossilien aus dieser Zeit gebe es keine. Die Wissenschaftler haben stattdessen Daten, zu allen lebenden und kürzlich ausgestorbenen Wirbeltieren Madagaskars sowie zu Umweltbedingungen wie Wind und Meeresströmungen ausgewertet. Sie zogen auch in Betracht, wie weit Madagaskar von den benachbarten Kontinenten Afrika und Asien jeweils entfernt gewesen ist.

Drehende Strömungen schnitten Landtieren den Weg ab

Bei den Tierarten, die auf dem Land leben, sei deutlich zu erkennen, dass sie nur dann in großer Zahl eintrafen, als die Meeresströmungen von Afrika nach Madagaskar liefen, sagen die Forscher. Nachdem die Strömungen vor 20 Millionen Jahren gedreht hatten, war ihnen dieser Weg versperrt. Die Landtiere entwickelten sich nach dieser Zeit daher isoliert auf der Insel weiter und bildeten dabei zahlreiche, nur auf Madagaskar vorkommende Arten.

Auf Madagaskar gebe es nur wenige Arten, die über lange Strecken schwimmen können wie Krokodile oder Nilpferde, heißt es in der Studie. Die meisten Arten, selbst Amphibien beispielsweise, seien daher per Floß gekommen, wahrscheinlich auf einer Art Pflanzenmatten, schlussfolgern die Forscher. Sie halten es durchaus für möglich, dass einige Tiere auch auf schwimmenden Inseln das Meer überquert hätten. Auf halbem Weg zwischen Afrika und Madagaskar habe man kürzlich sogar Überbleibsel von Elefanten gefunden, „das weist auf ein nicht-erfolgreiches Verbreitungsereignis hin.“

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Die meisten Tiere kamen aus Afrika, vermuten die Forscher; es war im Unterschied zu Asien einfach näher dran. Das gelte vor allem für Landwirbeltiere – Vögel und Fledermäuse hingegen hätten die größere Entfernung von Asien nach Madagaskar durchaus hin und wieder überwunden. (PNAS, 2012; doi: 10.1073/pnas.1113993109).

(PNAS, 20.03.2012 – NPO)

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