UV-Licht enthüllt zuvor unerkannte Fluoreszenz bei Neuwelt-Hörnchen Skurril: Gleithörnchen leuchtet rosa - scinexx | Das Wissensmagazin
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Skurril: Gleithörnchen leuchtet rosa

UV-Licht enthüllt zuvor unerkannte Fluoreszenz bei Neuwelt-Hörnchen

Gleithörnchen
Unter UV-Licht (unten) fluoreszieren Neuwelt-Gleithörnchen in knalligem Rosa. © Kohler et al

Überraschender Leuchteffekt: Nordamerikanische Gleithörnchen sind normalerweise eher unscheinbar graubraun, doch unter UV-Licht fluoresziert ihr Fell knallig pink. Dieses verblüffend bunte Leuchten haben US-Biologen erst jetzt durch Zufall entdeckt – und dies gleich bei allen bekannten Arten dieser Gleithörnchen. Welchen biologischen Zweck diese auffallende Farbe erfüllt, ist bisher allerdings unklar, wie die Forscher berichten.

Wir Menschen sehen nur einen verhältnismäßig kleinen Ausschnitt des elektromagnetischen Spektrums – das sichtbare Licht. Doch im Tierreich geht das Spektrum des Sichtbaren oft weit darüber hinaus. So können Bienen und andere Insekten UV-Licht und die Polarisation des Lichts wahrnehmen, Fangschreckenkrebse besitzen sogar sechs verschiedene Sehkanäle allein für den ultravioletten Bereich.

Erst vor kurzem haben Forscher zudem entdeckt, dass auch Chamäleons offenbar mittels UV-Signalen kommunizieren: Ihre Knochen fluoreszieren im ultravioletten Licht leuchtend blau. Eine solche Fluoreszenz gilt bei Landwirbeltieren als extrem selten.

Glaucomys volans
Nachtaktiv mit überraschendem Leuchteffekt: Südliches Neuwelt-Gleithörnchen (Glaucomys volans). © laszlo-photo/ CC-by-sa 2.0

Ein Gleithörnchen leuchtet rosa

Umso überraschender ist die Entdeckung, die Jon Martin von der Texas A&M University durch puren Zufall gemacht hat. In Vorbereitung auf ein Experiment durchstreifte der Biologe ein Waldgebiet vor seiner Haustür und leuchtete dabei mit einer UV-Lampe umher. Damit wollte er herausfinden, welche Flechten, Moose und Pflanzen bei Ultraviolett-Bestrahlung fluoreszieren.

Doch dann traf der Schein seiner UV-Lampe auch ein nachtaktives Gleithörnchen, das zufällig an einem Futterhäuschen saß – und dieses leuchtete knallrosa auf. Das Fell des Hörnchens fluoreszierte in leuchtendem Pink. Eine solche Fluoreszenz war bisher bei den Neuwelt-Gleithörnchen (Glaucomys) noch nie beobachtet worden, wie der Forscher erklärt.

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Fluoreszenz bei allen Neuwelt-Gleithörnchen

Um diesem überraschenden Phänomen auf den Grund zu gehen, wollten Martin, seine Kollegin Allison Kohler und ihr Team nun herausfinden, ob diese Fluoreszenz bei allen drei Arten der Neuwelt-Gleithörnchen vorkommt. Mit UV-Lampen ausgerüstet, durchforsteten sie dafür die Sammlungen von gleich zwei Museen. „Ich schaute mir Unmengen von ausgestopften Exemplaren an, die zu verschiedenen Zeiten gesammelt worden waren“, berichtet Kohler. „Und jedes Einzelne davon fluoreszierte in mehr oder weniger knalligem Pink.“

Die vergleichenden Untersuchungen ergaben: Alle drei Arten der Neuwelt-Gleithörnchen zeigen dieses rosafarbene Leuchten – und nur sie. Verwandte Hörnchenarten wie die Roten und Grauen Eichhörnchen dagegen blieben im UV-Licht dunkel. Die Fluoreszenz ist demnach eine Eigenheit nur der Gleithörnchen, so die Erkenntnis der Wissenschaftler.

Balzschmuck oder Fressfeind-Abwehr?

Doch warum erstrahlen diese Nager in einem so knalligen Rosa? Noch ist der biologische Zweck dieser Fluoreszenz nicht eindeutig geklärt. Die Forscher vermuten aber, dass das Leuchten der Kommunikation oder aber der Tarnung dienen könnte. „Sie könnten durch dieses Fluoreszieren mit Mitgliedern ihrer eigenen Art kommunizieren – möglicherweise als eine Art von Balzschmuck“, sagt Kohler.

„Eine andere Hypothese ist, dass die Hörnchen die Fluoreszenz zum Schutz vor Fressfeinden nutzen“, berichtet die Biologin weiter. Das pinkfarbene Leuchten könnte Räuber verwirren oder auch der Tarnung inmitten anderer Fluoreszenz-Signale im nächtlichen Wald dienen, so die Vermutung der Wissenschaftler. „Dieser Fund eröffnet uns eine ganz neue Sicht auf die Nacht- und Dämmerungs-Kommunikation bei Tieren“, sagt Kohler. (Journal of Mammalogy, 2019; doi: 10.1093/jmammal/gyy177)

Quelle: Texas A&M University

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