Meeressäuger ist halb Beluga- und halb Narwal Seltener Hybridwal entdeckt - scinexx | Das Wissensmagazin
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Meeressäuger ist halb Beluga- und halb Narwal

Seltener Hybridwal entdeckt

Hybridwal
Dieser Schädel gehört zu einem Wal, der einen Narwal zur Mutter und einen Beluga zum Vater hatte. © Mikkel Høegh Post

Ergebnis eines ungewöhnlichen Techtelmechtels: Forscher haben einen seltenen Hybridwal entdeckt. Der Meeressäuger ist ein Kreuzungsprodukt aus dem Beluga und dem Narwal – dem Einhorn der Meere. Der Hybride mit seinen seltsam geformten Zähnen ist der erste Beleg dafür, dass sich diese beiden Spezies erfolgreich kreuzen können. Das Tier war bereits in den 1980er Jahren erlegt worden, doch erst jetzt lieferten Genanalysen den Beweis für sein ungleiches Elternpaar.

Wegen seines langen, gedrehten Zahns inspirierte der Narwal schon im Mittelalter die Legenden von mythischen Einhörnern. Sein „Horn“ wurde sogar in Gold aufgewogen. Demgegenüber besitzt der Belugawal eher unauffällige, kegelförmige Zähne und ist komplett weiß gefärbt. Beide Meeressäuger jedoch gehören zu den Zahnwalen und sind eng miteinander verwandt. Sie sind zwei von nur drei Walarten, die ganzjährig in den Gewässern der Arktis leben.

Ein seltsam anmutender Wal

Die evolutionären Linien dieser beiden Walarten haben sich vor rund fünf Millionen Jahren voneinander getrennt – doch offenbar können sie sich bis heute erfolgreich miteinander fortpflanzen, wie Forscher um Mikkel Skovrind von der Universität Kopenhagen nun herausgefunden haben: Sie haben einen Hybriden aus Beluga- und Narwal entdeckt.

Bei dem seltenen Tier handelt es sich um ein Exemplar, das bereits in den 1980er Jahren in West-Grönland erlegt wurde. Schon damals sorgte das seltsame Aussehen des Wals für Verwunderung. So war sein Schädel deutlich größer als bei einem typischen Nar- oder Belugawal. Außerdem besaß er eine Reihe spiralförmiger, horizontal abgewinkelter Zähne. Um was für eine Spezies handelte es sich?

Walschädel im Vergleich
Schädel von oben nach unten: Narwal, Hybrid, Beluga © Mikkel Høegh Post/ Naturkundemuseum Dänemark, Kopenhagen

54 Prozent Beluga, 46 Prozent Narwal

Schon länger vermuteten Experten, dass der inzwischen im Naturkundemuseum in Kopenhagen aufbewahrte Wal ein Hybride sein könnte. Der entscheidende Beweis fehlte jedoch bislang. Um das zu ändern, untersuchten Skovrind und sein Team DNA-Material des Tieres, welches sie aus seinen Zähnen gewonnen hatten.

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Der Vergleich mit den Genomen von acht Belugas und acht Narwalen enthüllte: Das Erbmaterial des ungewöhnlichen Wesens besteht zu 54 Prozent aus Beluga- und zu 46 Prozent aus Narwal-Genen. „Soweit wir wissen, ist dies der weltweit erste und einzige Beleg dafür, dass sich diese beiden arktischen Walspezies kreuzen können“, erklärt Skovrinds Kollegin Eline Lorenzen.

Die Mutter war ein Narwal

Doch wer war die Mutter, wer der Vater? Die Antwort auf diese Frage lieferte die Analyse der mitochondrialen DNA – ein Teil des Erbguts, der nur von der Mutter an den Nachwuchs vererbt wird. Das Ergebnis: Der den Analysen zufolge männliche Wal ist der Sohn eines Narwal-Weibchens und eines Beluga-Männchens.

Auch zur Lebensweise des Hybriden lieferten die Untersuchungen interessante Hinweise. Die Wissenschaftler verglichen Kohlenstoff- und Stickstoff-Isotope im Knochenkollagen des Tieres mit Referenzmaterial von Beluga- und Narwalen. Dabei zeichnete sich ab: Offenbar ernährte sich der Hybridwal anders als seine beiden Elternteile.

Neues Phänomen?

So deuteten die Isotopenverhältnisse daraufhin, dass der Hybridwal vorwiegend am Meeresgrund auf Nahrungssuche ging. Beluga- und Narwale jagen dagegen weiter oben in der Wassersäule, wie das Team berichtet. „Dieser Wal hat sehr bizarre Zähne. Möglicherweise hat dies auch seine Strategien bei der Nahrungssuche beeinflusst“, spekuliert Skovrind.

Was das Techtelmechtel zwischen Beluga und Narwal überhaupt veranlasste und so zur Geburt des Hybriden führte, ist dem Forscher und seinem Team zufolge völlig unklar. Es scheint sich jedoch um ein relativ neues Phänomen zu handeln: „Im Genom dieser beiden Arten finden sich keine Belege für eine interspezifische Fortpflanzung seit mindestens 1,25 Millionen Jahren. Das heißt, die Kreuzung ist entweder extrem selten oder kommt erst seit kurzem vor“, schließt Lorenzen. (Scientific Reports, 2019; doi: 0.1038/s41598-019-44038-0)

Quelle: Universität Kopenhagen/ Nature Press

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