Azoren und Kanaren erweisen sich als Hotspots der kaum erforschten Wale Seltene True-Wale erstmals gefilmt - scinexx | Das Wissensmagazin
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Azoren und Kanaren erweisen sich als Hotspots der kaum erforschten Wale

Seltene True-Wale erstmals gefilmt

Rätselhafte Meeresäuger: True-Wale unter Wasser. © Roland Edler

Ertappt: Zum ersten Mal ist es Meeresbiologen gelungen, die mysteriösen True-Wale unter Wasser zu filmen. Weil diese Wale fast die gesamte Zeit tief abgetaucht sind und selten in Küstennähe kommen, ist über diese Meeressäuger so gut wie nichts bekannt. Doch vor den Azoren und Kanaren haben Forscher nun gleich mehrere Sichtungen und sogar Filmaufnahmen machen können.

Obwohl die Schnabelwale die zweitgrößte Familie der Wale sind, ist über sie bisher kaum etwas bekannt. Denn die 22 Arten dieser Wale – und vor allem die True-Wale (Mesoplodon mirus) werden nur extrem selten gesichtet. Der Grund: Sie halten sich normalerweise weit abseits der Küste auf und verbringen rund 92 Prozent ihrer Zeit – so nimmt man an – bei Tauchgängen bis in 3.000 Meter Tiefe.

Hotspots bei den Azoren und Kanaren

Bei den True-Walen gab es ein weiteres Rätsel: Nach bisherigem Kenntnisstand kommen sie in zwei scharf getrennten Verbreitungsgebieten vor. Eines liegt im Nordatlantik und reicht etwa von Labrador im Norden bis zu den Kanaren im Süden. Das andere Gebiet liegt im Indischen Ozean. Ob diese scharfe Trennung aber real ist oder nur auf fehlenden Beobachtungsdaten basiert, bleibt bisher offen.

Jetzt haben Meeresbiologen zwei Meeresgebiete ausgemacht, die sich besonders gut zur Beobachtung und Erforschung der True-Wale eignen – und auch gleich erste interessante Ergebnisse von ihren Expeditionen mitgebracht. Wie sie feststellten, gab es vor den Azoren und den Kanarischen Inseln mehr Sichtungen dieser Meeressäuger als irgendwo sonst. Vermutlich bildet das tiefe Wasser rund um diese Inseln für die Wale einen besonders guten Lebensraum.

Ungewöhnliche Gesichtszeichnung: Eine weiße Maske wie diesem gestrandete Wal wurde zuvor noch bei keinem True-Wal gesehen. © Baudilio Quintero

Wal mit weißer Maske

Bei diesen Sichtungen entdeckten Natacha Aguilar de Soto von der University of St.Andrews und ihre Kollegen einige ungewöhnliche Färbungen von True-Walen: Einige der Tiere, darunter auch ein Walkalb, trugen einen diagonalen, helleren Streifen am Kopf. Diese Markierung könnte eine Eigenheit der nordatlantischen Population der True-Wale sein, so vermuten die Forscher.

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Noch rätselhaft ist dagegen die ungewöhnliche Zeichnung eines männlichen Jungtieres, das am Strand von El Hierro auf den Kanaren strandete. Dieser Wal hat eine ganz weiße Gesichtsmaske – etwas, das noch nie zuvor bei dieser Walart beobachtet wurde, wie de Soto und ihre Kollegen berichten. Dass er überhaupt zu den True-Walen gehört, haben sie erst durch DNA-Analysen herausgefunden.

Erstes Unterwasser-Video

Zum ersten Mal gelang es den Forschern auch, drei True-Wale unter Wasser zu filmen. Alle drei schienen sich gemeinsam und koordiniert durch das Wasser zu bewegen. Möglicherweise ist dies ein Hinweis darauf, dass auch diese Wale Gruppen bilden. Bisher ist jedoch über ihr Sozialverhalten nichts bekannt.

Dieses Unterwasser-Video zeigt drei junge True-Wale, die gemeeinsam tauchen.© Roland Edler

Unklar ist auch, ob die True-Wale ortsfest sind oder zwischen den Kanaren und Azoren – oder dem Gebiet dazwischen – pendeln. „Angesichts der Präsenz der True-Wale in den Azoren und Kanaren wäre zu erwarten, dass diese Art auch im Gebiet dazwischen vorkommt, darunter vor Madeira“, sagen de Soto und ihre Kollegen. Dies müssen nun weitere Studien klären. (PeerJ, 2017; doi: 10.7717/peerj.3059)

(PeerJ, 08.03.2017 – NPO)

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