Vögel stoßen in heller Umgebung mehr Orientierungsrufe aus Selbst bodennahe Lichter beeinflussen Zugvögel - scinexx | Das Wissensmagazin
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Vögel stoßen in heller Umgebung mehr Orientierungsrufe aus

Selbst bodennahe Lichter beeinflussen Zugvögel

Zugvögel ikm Flug: Selbst nächtliches Licht unten am Boden beeinflusst ihr Verhalten © Louis / CC-by-sa 2.0

Lauter Effekt durch helle Lampen: Nächtliche Lichtquellen beeinflussen Zugvögel offensichtlich selbst dann, wenn sie sich in Bodennähe befinden. Vorbeiziehende Vögel lassen an so erhellten Orten mehr Rufe hören, wie Forscher berichten. Woran das liegt, ist unklar. Womöglich versuchen einzelne Vögel durch vermehrte Kommunikation mit Artgenossen ihre Orientierung wiederzugewinnen. Eine andere Erklärung: Das Licht lockt mehr Vögel an.

Nachts leuchten unsere Großstädte auf: Straßenlaternen, Werbetafeln und Scheinwerfer verwandeln Ballungszentren in ein wahres Lichtermeer. Dass die Nacht immer mehr zum Tag wird, ist jedoch ein großes Problem. Die Lichtverschmutzung behindert nicht nur astronomische Beobachtungen, sie bringt auch unsere innere Uhr aus dem Takt und schadet unserer Gesundheit.

Die Tierwelt leidet nicht weniger. Das künstliche Streulicht gefährdet nachtaktive Tiere, führt bei Singvogelweibchen zu Fehlentscheidungen bei der Partnerwahl und macht unter anderem Zugvögel orientierungslos: Verwirrt durch die Signalwirkung des Lichts fliegen die Tiere mitunter lange und erschöpfende Umwege – oder kollidieren mit leuchtenden Gebäuden.

Lauschangriff auf Zugvögel

Studien belegen, dass insbesondere Licht in großen Höhen die Zugvögel irritiert – zum Beispiel Beleuchtung an Wolkenkratzern oder Mobilfunkmasten. Ein Wissenschaftlerteam um Daniel Mennill von der University of Windsor hat nun jedoch gezeigt, dass selbst bodennahe Lichtquellen wie Straßenlaternen oder Autolampen das Verhalten der Vögel beeinflussen.

Mit speziellen Mikrophonen wie diesem zeichneten die Forscher die nächtlichen Rufe der Zugvögel auf. © C. Sanders

Für ihre Studie beobachteten die Forscher im Herbst 2013 Zugvögel, die auf ihrer Route den Süden der kanadischen Provinz Ontario überflogen. Dabei verglichen sie Orte mit und ohne künstliche Lichter in Bodennähe und nahmen dort die Rufe auf, die die Tiere von sich gaben. „Richten wir Mikrophone dem Nachthimmel entgegen, können wir anhand der leisen Geräusche der vorbeikommenden Zugvögel einiges herausfinden“, sagt Mennill. Mit dieser simplen Methode ließen sich sogar einzelne Arten oder zumindest Artengruppen unterscheiden.

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Mehr Flugrufe im Hellen

Bei der Auswertung der 352 aufgezeichneten Stunden Material identifizierten die Forscher insgesamt mindestens fünfzehn verschiedene Vogelarten – und sie stellten fest, dass das Streulicht am Boden einen entscheidenden Unterschied für deren Verhalten macht: Die Wissenschaftler registrierten an hellen Orten deutlich häufiger Flugrufe – spezielle Laute, die Vögel im Flug von sich geben und zur Kommunikation mit Artgenossen nutzen.

Mennill und seine Kollegen haben zwei mögliche Erklärungen für dieses Phänomen: Entweder, so die erste Vermutung, verwirrt das Licht die Vögel. In diesem Fall würden sie vermehrt rufen, um sich mithilfe ihrer Artgenossen neu zu orientieren. „Oder sie fliegen niedriger, um wieder auf Kurs zu kommen, sodass wir mehr Rufe aufzeichnen“, schreibt das Team.

Die zweite Möglichkeit: Das Licht könnte mehr Vögel anlocken – und mehr Vögel bedeuten mehr Rufe. Es ist bereits bekannt, dass Lichter in größeren Höhen einen solchen Effekt haben und Tiere zu Umwegen verleiten. In beiden Fällen würden die künstlichen Lichter die Zugvögel jedoch dazu verleiten, Energie zu verschwenden – und das könnte womöglich ihre Überlebenschancen beeinträchtigen, schließen die Forscher. (The Condor Ornithological Applications, 2016; doi: 10.1650/CONDOR-15-136.1)

(Central Ornithology Publication Office, 14.04.2016 – DAL)

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