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Sechs Vögel für jeden Menschen

Bislang umfangreichste Bilanz kommt auf 50 Milliarden Vögel weltweit

Starenschwarm
Was hier aussieht wie Rauch, ist ein riesiger Schwarm Stare. Sie gehören zu den Top Vier der weltweit häufigsten Vogelarten. © georgeclerk/ Getty images

Gefiederte Volkszählung: Weltweit gibt es rund 50 Milliarden Vögel – das entspricht rund sechs Exemplaren für jeden Menschen auf der Erde, wie die bislang umfangreichste Zählung von 92 Prozent aller Vogelarten ergeben hat. Dabei schaffen es aber nur vier Arten in den „Milliardärs-Club“: Spatz, Star, Rauchschwalbe und die nordamerikanische Ringschnabelmöwe sind die einzigen Vogelspezies, die mehr als eine Milliarde Exemplare umfassen.

Vögel sind allgegenwärtig und ihr Gezwitscher begleitet uns selbst in der Großstadt. Aber wie viele von ihnen es weltweit gibt, ist bislang nur in Teilen bekannt. So gibt es zwar regionale Vogelzählaktionen und Erhebungsstudien – sie haben unter anderem enthüllt, dass in Europa inzwischen schon rund die Hälfte aller Feldvögel verschwunden ist. Aber auf globaler Ebene und für alle Vogelarten ließ sich die Häufigkeitsverteilung nur grob schätzen.

Wie viele Vögel gibt es weltweit?

Doch jetzt gibt es genauerer Daten. Ein Team um Corey Callaghan von der University of New South Wales in Sydney hat mehrere Methoden kombiniert, um die bisher umfassendste Bestandsaufnahme der globalen Vogelwelt zu erstellen. Als Basis nutzten sie Daten aus dem Citizen-Science-Projekt eBird, einer globalen Datenbank, in der mehr als 600.000 Vogelbeobachter aus aller Welt fast eine Milliarde Vogelsichtungen zusammengetragen haben.

Diese Daten glichen die Forscher mit den Ergebnissen von wissenschaftlichen Studien für 724 Vogelarten ab. Dadurch konnten sie ermitteln, in welchem Maße die leichte Sichtbarkeit einer Vogelart die Zählwerte verfälscht. „Dafür berücksichtigten wir Merkmale wie die Körpergröße, die Farbe, den Bedrohungsstatus oder die Schwarmgröße, die die Detektabilität einer Art beeinflussen“, erklären die Wissenschaftler.

Aus den Ergebnissen entwickelten sie einen Algorithmus, der auf Basis der eBird-Daten und dieser Unsicherheitsfaktoren die Vogelzahlen für 9.700 Spezies ermittelte – das entspricht 92 Prozent der bekannten Vogelarten und lässt nur einige extrem seltene Spezies außen vor.

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50 Milliarden Vögel

Das Ergebnis: „Wir haben ermittelt, dass es momentan wahrscheinlich rund 50 Milliarden Vögel auf der Welt gibt – rund sechs Exemplare für jeden Menschen auf dem Planeten“, berichten Callaghan und sein Team. Ihre Daten verraten aber auch, welche Vogelarten wie häufig sind und wo besonders viele Vögel leben. Damit liefern die Ergebnisse auch wertvolle Informationen über ökologische und evolutionsbiologische Muster.

So ergab die Zählung beispielsweise, dass sich die meisten Vögel in den subtropischen bis arktischen Breiten der Nordhalbkugel tummeln – allein in dieser Region leben insgesamt rund 34 Milliarden Vögel. Zudem machen Insektenfresser und Allesfresser mit zusammen 28 Milliarden Exemplaren den Löwenanteil aller gezählten Vögel aus, während Aasfresser mit 194 Millionen und Nektarfresser mit 479 Millionen deutlich weniger zahlreich sind.

Nur vier Arten im „Milliardärs-Club“

Zwischen den verschiedenen Vogelarten gibt es dabei große Häufigkeitsunterschiede. „Es gibt auf globaler Ebene sehr wenige häufige Arten und viele seltene Spezies“, erklären die Forscher. So sind 1.180 Vogelarten – zwölf Prozent der Spezies – mit jeweils weniger als 5000 Exemplaren vertreten. „Das sind rund 200 seltene Spezies mehr als erwartet“, so die Wissenschaftler. Zu den besonders häufigen Vogelgruppen gehören dagegen die Sperlingsvögel mit 28 Milliarden Exemplaren, gefolgt von Wat- und Wasservögeln.

Spatz
1,6 Milliarden Haussperlinge gibt es weltweit – der Spatz ist damit der häufigste Vogel überhaupt. © Corey T. Callaghan

Vier Vogelspezies schaffen sogar den Sprung in den „Milliardärs-Club“: Der Hausperling mit 1,6 Milliarden Exemplaren, der Star mit 1,3 MiIliarden, die in Nordamerika beheimatete Ringschnabelmöwe (Larus delawarensis) mit 1,2 Milliarden und die Rauchschwalbe mit 1,1 Milliarden Exemplaren. „Es war überraschend, dass so wenige Arten die Vogelzahlen so dominieren“, sagt Callaghan. Das wecke die Frage, was an diesen Spezies evolutionär so besonders sei, dass sie so hyper-erfolgreich wurden.

Hilfreich auch für den Artenschutz

Nach Ansicht der Forscher eignet sich ihre Methode nicht nur für Vögel, sondern könnte auch auf andere Tiergruppen übertragen werden. „Unsere großskalige Datenintegration kann als Blaupause dienen, um artspezifische Häufigkeiten auch für sie zu errechnen“, so Callaghan. Das könnte dabei helfen, einige grundlegende Fragen der Ökologie und Evolutionsbiologie zu klären, aber auch dem Artenschutz helfen.

„Die Häufigkeit einer Spezies zu quantifizieren, ist ein entscheidender erster Schritt im Artenschutz“, sagt Callaghan. „Indem wir zählen, was es dort draußen gibt, erfahren wir, welche Spezies gefährdet sind und können verfolgen, wie sich dies im Laufe der Zeit verändert.“ (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2021; doi: 10.1073/pnas.2023170118)

Quelle: University of New South Wales

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