Soziale Insekten bilden Männerpaare als alternative Überlebensstrategie Schwule Männchen gibt es auch bei Termiten - scinexx | Das Wissensmagazin
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Soziale Insekten bilden Männerpaare als alternative Überlebensstrategie

Schwule Männchen gibt es auch bei Termiten

Ein männliches Termitenpaar in ihrem gemeinsamen Nest © Nobuaki Mizumoto

Schwul als Chance: Bei japanischen Termiten gibt es homosexuelle Paare aus zwei Männchen, wie Biologen entdeckt haben. Diese Männchen bauen gemeinsam ein Nest und paaren sich auch miteinander. Zwar können sie mangels Nachkommen keine Kolonie gründen, aber sie überleben immerhin länger als die reinen Junggesellen, wie die Forscher berichten. Allerdings: Bekommen sie die Chance, entern diese Paare benachbarte Jungkolonien und einer der beiden wird neuer König.

Normalerweise kennen wir Termiten als soziale Insekten und begabte Baumeister: Ihre komplexen, in Gemeinschaftsarbeit errichteten Nestbauten zeugen davon. Typischerweise sind alle Arbeiter einer Termitenkolonie Geschwister, sie alle sind Nachkommen einer Königin, die mit ihrem sehr viel kleineren Männchen in einer speziellen Brutkammer des Baus lebt.

Ein Nest für zwei Männchen

Doch wie Nobuaki Mizumoto und seine Kollegen von der Universität Kyoto entdeckten, gibt es auch Termiten, die zumindest vorübergehend einen alternativen Lebensstil pflegen. „Normalerweise beginnen japanische Termiten als monogames, heterosexuelles Paar mit dem Nestbau“, berichten die Forscher. „Wir haben aber häufiger beobachtet, dass Paare aus zwei jungen Männchen aufhörten, nach Weibchen zu suchen und stattdessen gemeinsam ein Nest bauten.“

Das Männerpaar richtet nicht nur zusammen ein Nest ein, die beiden Termitenpartner zeigen auch homosexuelles Verhalten: Sie paaren sich auch miteinander. Wie Mizumoto betont, liegt dies keineswegs daran, dass diese Termitenmännchen einer Verwechselung aufsitzen. Denn bei einer Paarung mit einem Geschlechtsgenossen verhalten sich diese Männchen deutlich anders als gegenüber einer weiblichen Termite.

Warum lohnt sich die Homosexualität?

Auf lange Sicht scheint das Pärchenidyll der beiden Termitenmännchen eher eine Sackgasse: Weil sie keine Nachkommen produzieren, können sie ihre Gene nicht weitergeben. Aus evolutionsbiologischer Sicht dürfte sich daher diese Strategie eigentlich nicht lohnen und schon gar nicht lange halten. Zudem können diese Männchen keine Kolonie gründen und das schmälert ihre Überlebenschancen beträchtlich, wie die Forscher erklären.

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Warum aber gibt es bei diesen Termiten trotzdem diese homosexuellen Pärchen? Einen der Gründe konnten Mizumoto und seine Kollegen beobachten: Die Termiten-Männerpaare überlebten immerhin länger als Junggesellen. „Männliche Termiten, die kein Weibchen gefunden haben, können auf sich allein gestellt nicht überleben“, erklärt der Biologe. „Diejenigen, die ein Nest mit einem anderen Männchen bauen, überleben dagegen sehr viel länger.“

Königsmord in der Nachbarkolonie

Der Männerbund hat aber noch einen weiteren Vorteil, wie die Wissenschaftler entdeckten. Er tritt zutage, wenn ein heterosexuelles Termitenpaar in der Nähe eines Männerpaares eine Kolonie gründet. Sobald die ersten Arbeiter Gänge von der Brutkammer nach außen graben, wird das Männerpaar aktiv: Sie dringen durch den Tunnel in die Kolonie ein, kämpfen sich gemeinsam bis zum Königspaar vor und töten das Königsmännchen.

Dann nimmt eines der beiden bisher homosexuellen Termitenmännchen die Rolle des Königs ein und paart sich mit der „Witwe“. Genetische Analysen ergaben, dass dabei tatsächlich nur einer der beiden Männchen zum neuen König wird. Nur seine DNA fand sich in der neuen Generation von Arbeiterinnen dieser Kolonie. Der andere geht offenbar leer aus.

„Die Paarung mit einem anderen Männchen ist offensichtlich nicht die beste Option, aber sie gibt Männchen eine Chance, länger zu überleben“, sagt Mizumoto. „Es scheint klar, dass die Paarbildung unter Männchen in diesem Falle eine Überlebensstrategie darstellt. Ist demnach kein Weibchen verfügbar, ist ein männlicher Partner für die Termitenmännchen besser als gar kein Partner. (Animal Behaviour, 2016; doi: 10.1016/j.anbehav.2016.07.007)

(Kyoto University, 22.08.2016 – NPO)

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