Rotes Ordensband leidet unter dem Verschwinden der Auwälder Schmetterling des Jahres 2015 gekürt - scinexx | Das Wissensmagazin
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Rotes Ordensband leidet unter dem Verschwinden der Auwälder

Schmetterling des Jahres 2015 gekürt

Das Rote Ordensband ist Schmetterling des Jahres 2015 © Mathias Hofmann/ BUND

Gut getarnt mit Schockeffekt: Das Rote Ordensband (Catocala nupta) ist der Schmetterling des Jahres 2015. Dieser relativ große Nachtfalter fällt nur dann auf, wenn er seine Hinterflügel zeigt: Sie sind grellrot-schwarz gemustert. Der Bestand dieser Schmetterlinge geht in vielen Gegenden Deutschlands stark zurück. Die offizielle Einstufung des Roten Ordensbandes auf der Roten Liste als gefährdet ist daher nach Einschätzung von Naturschützern nur eine Frage der Zeit.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die BUND-NRW-Naturschutzstiftung küren seit 2003 den Schmetterling des Jahres, um auf die Bedeutung und Bedrohung der bunten Flugkünstler und den Verlust der biologischen Vielfalt aufmerksam zu machen. Denn die beliebten, oft so farbenprächtigen Insekten sind in Gefahr. Nur einem Fünftel unserer Tagfalterarten geht es noch richtig gut.

Schockeffekt mit Warntracht

Der Schmetterling des Jahres 2015 ist auf den ersten Blick eher unauffällig: Dunkel-graubraun ähnelt der Nachtfalter eher einer simplen Motte als einem prachtvollen Falter. Doch das täuscht. Die unscheinbaren Vorderflügel dienen ihm nur zur Tarnung, wenn er auf Baumrinde sitzt – er ist dann trotz seiner stattlichen Größe von rund acht Zentimetern Flügelspannweite kaum mehr zu erkennen.

Doch nähert sich ein Feind, dann zieht der Schmetterling blitzschnell seine Vorderflügel weg. Darunter werden die knallroten, mit schwarz abgesetzt Hinterflügel sichtbar. Diese grelle Warntracht schockt den Angreifer und gibt dem Schmetterling wertvolle Zeit, um zu fliehen. Die Nachtfalter sind meist Mitte Juli bis Anfang Oktober unterwegs, oft werden sie von Lampen angelockt, die sie dann gemeinsam mit anderen Insekten umflattern.

Mit zusammengelegten Flügeln ist der Nachtfalter gut getarnt © Opuntia/CC-by-sa 3.0

Faules Obst zur Falterzählung

Das nächtliche Leben des Falters macht es allerdings auch Forschern schwer, mehr über das Rote Ordensband und seine Verbreitung zu erfahren. Doch Schmetterlingsexperten haben einen Trick entwickelt, der die Vorliebe der ausgewachsenen Schmetterlinge für faules Obst nutzt. Sie kochen aus Birnen oder Äpfeln, Honig und Bier ein Mus, dem sie Hefe, Obstschnaps oder Rotwein beimischen. Diesen Obstköder streichen sie an die windgeschützte Seite von Bäumen. Nach Einbruch der Dunkelheit kontrollieren sie mit einer Taschenlampe vorsichtig die Köderstellen.

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So gewinnen Biologen Erkenntnisse über die Verbreitung dieser Art. Untersuchungen zeigen, dass das Rote Ordensband in den letzten Jahren regional stark zurückgegangen ist. Der Hauptgrund dafür ist der Verlust geeigneter Nahrungspflanzen für die Schmetterlingsraupen. Denn diese ernähren sich von Weiden- und Pappelblättern – Bäumen, die vor allem in Auenwäldern sowie feuchten Laub- und Mischwäldern vorkommen und damit in Lebensräumen, die bei uns immer seltener werden.

(BUND, 28.11.2014 – NPO)

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