Die Empfindlichkeit gegen Schmerzen hängt von Lernprozessen ab Schmerz ist verlernbar - scinexx | Das Wissensmagazin
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Die Empfindlichkeit gegen Schmerzen hängt von Lernprozessen ab

Schmerz ist verlernbar

Bei der Entstehung von Schmerzkrankheiten spielen Lerneffekte eine wichtige Rolle. Dass dies völlig unbemerkt von den Betroffenen ablaufen kann, konnte nun erstmals in einer Studie nachgewiesen werden. So ließ sich die Schmerzempfindlichkeit von gesunden Studienteilnehmern erheblich steigern, ohne dass sie sich dessen bewusst wurden. Umgekehrt war auf die gleiche Weise die Empfindlichkeit zu senken, je nachdem, welche Konsequenzen auf die Wahrnehmungsreaktionen folgten. Diese Ergebnisse könnten neue Ansatzpunkte in der Erforschung chronischer Schmerzkrankheiten liefern.

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Den Studienteilnehmern wurden über eine so genannte Thermode Hitzereize auf die Hand gegeben, wobei sie selbst die Möglichkeit hatten die Temperatur zu regulieren. Ihre Aufgabe lautete, die gefühlte Reizstärke konstant zu halten. „Bei gesunden Probanden stellte sich bei gerade schmerzhaften Reizen normalerweise Gewöhnung ein, dass heißt sie regelten die Temperatur mit der Zeit höher um die Empfindung gleich zu halten“, erklärt Dr. Dieter Kleinböhl von der Universität Mannheim. „Bei chronischen Schmerzleiden, wie beim Rückenschmerz, findet man dagegen keine Gewöhnung an solche Reize – hier tritt Sensibilisierung auf, dass heißt eine Zunahme der subjektiven Schmerzempfindung bei gleich bleibenden oder abnehmenden objektiven Reizstärken. Wir haben uns gefragt, ob eine solche veränderte Schmerzwahrnehmung durch unbewusste Lernprozesse entstehen kann.“

Können Sensibilisierung oder Gewöhnung erlernt sein?

Um das herauszufinden, untersuchten die Forscher Gesunde unter zwei Bedingungen, wobei die Aufgabe, die Empfindungsstärke der Hitzereize konstant zu halten, blieb. In einer Gruppe wurde eine Sensibilisierungsreaktion durch eine anschließende weitere Temperaturabsenkung „verstärkt“, wohingegen Gewöhnungsreaktionen durch eine anschließende Temperaturerhöhnung „bestraft“ wurde. In der zweiten Gruppe verhielt es sich umgekehrt: hier wurde Gewöhnung verstärkt und Sensibilisierung bestraft. „Wir nennen dieses Lernen durch die Konsequenzen des Verhaltens operantes Lernen“, erklärt Kleinböhl.

Unbewusstes Lernen

Nach anderthalbstündigem Training zeigte sich, dass in der Gruppe, in der Sensibilisierung verstärkt wurde, vermehrt Sensibilisierungsreaktionen gegenüber Hitzereizen auftraten, während in der anderen Gruppe vermehrt Gewöhnungsreaktionen gefunden wurden. In der Gruppe mit erlernter Sensibilisierung wurde außerdem nachgewiesen, dass bei objektiv abnehmenden Reizstärken die subjektive Empfindungsstärke gleich blieb. Die Studienteilnehmer waren sich dieser im Verlauf des Experiments allmählich zunehmenden erhöhten Schmerzempfindlichkeit nicht bewusst. „Damit konnten wir zum ersten Mal nachweisen, dass Schmerzwahrnehmung durch unbewusstes operantes Lernen schleichend verändert werden kann, ohne dass der Betroffene davon etwas bemerkt“, so Kleinböhl. „Solche unbemerkten Lernprozesse könnten bei der Entstehung erhöhter Schmerzempfindlichkeit sowie in der Chronifizierung von Schmerzen eine wichtige Rolle spielen.“ ist Kleinböhl überzeugt.

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Für ihre durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft geförderte Studie wurden die Forscher beim Deutschen Schmerzkongress in Berlin mit dem mit 3500 Euro dotierten zweiten Preis der Kategorie Grundlagenforschung des Förderpreises für Schmerzforschung 2006 ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich vergeben von der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. Stifterin ist die Grünenthal GmbH (Aachen).

(idw – Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS), 13.10.2006 – AHE)

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