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Schlange weidet ihre Beute lebendig aus

Thailändische Schlangenart zeigt eine einzigartige und blutige Fressstrategie

Kukri-Schlange
Diese schmal-bandige Kukri-Schlange weidet die Organe einer noch lebendigen Kröte aus. © Winai Suthanthangjai CC-BY 4.0

Gruseliges Mahl: Eine in Thailand heimische Schlangenart verschlingt Kröten nicht ganz, sondern weidet die noch lebenden Tiere aus – eine für Schlangen ungewöhnliche Strategie. Wie Forscher beobachtet haben, schlitzt die schmal-bandige Kukri-Schlange dazu den Bauch ihrer Beute auf und steckt ihren Kopf in die Bauchhöhle. Dann entnimmt sie dem noch lebenden Tier einzeln die Organe. Der Grund für dieses Verhalten ist noch unklar.

Die meisten Schlangen verschlingen ihre Beutetiere im Ganzen und schnappen dabei teilweise schneller zu, als wir blinzeln können. Ihre langen Fangzähne sind nicht zum Kauen bestimmt, sondern dienen nur dem Festhalten oder dem Betäuben der Beute. Da diese Zähne nach hinten gebogen sind, scheitern Fluchtversuche der Beutetiere meistens, weil sich die Schlangenzähne nur noch tiefer in den Körper ihrer Opfer bohren.

Schlange mit Kröte
Die Forscher beobachteten außerdem, dass eine Schlange den gesamten Körper einer jungen Kröte auf einmal verschlang. © Kanjana Nimnuam CC-BY 4.0

Blutiger Kampf

Ganz anders ist dagegen die Fressmethode der schmal-bandigen Kukri-Schlange (Oligodon fasciolatus), wie ein Forscherteam um den dänischen Herpetologen Henrik Bringsøe entdeckt hat: Sie beobachteten in Thailand drei Fälle, in denen diese Schlangenart mit ihren vergrößerten, hinteren Oberkieferzähnen den Bauch einer giftigen Kröte aufschlitzte, ihren gesamten Kopf in das Opfer einführte und die Organe eines nach dem anderen herauszog – und das, während die Beute noch am Leben war.

Bei dieser blutigen Attacke kämpften die Kröten energisch darum, zu entkommen und nicht lebendig ausgeweidet zu werden – in allen Fällen vergeblich. In einem Fall sprang die schwer verletzte Kröte sogar in einem Tümpel und versteckte sich 30 Minuten lang, bevor die Schlange sie wiederfand und weiterfraß. Die Angriffe dauerten bis zu einigen Stunden dauern, je nachdem, welche Organe die Schlange zuerst herauszog. „Es sind die ersten bekannten Fälle von Schlangen, die ihre Köpfe in ihre Beutetiere stecken und anschließend die Organe entnehmen, essen und dann den Rest der Beute zurücklassen“, sagen die Forscher.

Zum Schutz vor dem Krötengift?

Doch warum haben die Schlangen diese ungewöhnliche und blutige Fressstrategie entwickelt? Eine Erklärung wäre die Wehrhaftigkeit ihrer Beute, der Asiatischen Schwarzpunktkröte (Duttaphrynus melanostictus). Diese Art sondert aus ihren hervorstehenden Drüsen am Hals und auf dem Rücken ein starkes Gift ab.

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Auch beim Angriff der Schlangen wehrten sich die beobachteten Kröten auf diese Weise: „Die Kröte wurde beobachtet, wie sie ihr Gift wie einen feinen Nebel versprühte, von dem einiges den Kopf der Schlange traf. Außerdem tropfte etwas Flüssigkeit von dem Rücken der Kröte herunter und bedeckte den Kopf und die Augen der Schlange“ , berichten Bringsøe und sein Team. Als Reaktion auf diese Giftdusche rieb die Schlange ihren Kopf und ihre Augen am Boden und zog sich in einem Fall sogar einige Minuten zurück.

Diese Beobachtungen wecken die Vermutung, dass die Schlangen ihre Angriffe auf der Bauchseite ihrer Opfer nutzen, um sich zumindest zum Teil vor dem Kontakt mit besonders giftreichen Krötenrücken zu schützen.

Oder sind die Kröten schlicht zu groß?

Eine weitere Beobachtung deutet auf eine andere mögliche Erklärung hin: In diesem Fall griff eine erwachsene Kukri-Schlange eine kleinere, noch junge Kröte an. Dieses Mal verschluckte die Schlange die gesamte Kröte. Offenbar passte die Schlange ihre Fressstrategie an ihre Beute an.

Möglich wäre demnach, dass kleinere Kröten weniger giftig sein könnten als die ausgewachsenen Individuen, wie die Forscher erklären. Denkbar wäre aber auch, dass die makabre Fressgewohnheit der Schlangen von der Größe der Beutetiere – und nicht von den Giftdrüsen am Krötenrücken – abhängig ist: In den ersten drei Beobachtungen waren die erwachsenen Kröten demnach zu groß, um als Ganzes verschluckt zu werden.

Biss auch für den Menschen unangenehm

Welche der Hypothesen stimmt, wissen auch die Forscher noch nicht: „Zurzeit können wir keine dieser Fragen beantworten“, sagt Bringsøe. „Aber wir werden diese faszinierenden Schlangen weiterhin beobachten und über sie berichten, in der Hoffnung, dass wir weitere interessante Aspekte ihrer Biologie aufdecken werden.“

Immerhin: Für den Menschen sind diese Schlangen keine große Gefahr, wenn auch unangenehm: „Ich würde nicht empfehlen, von einer dieser Schlangen gebissen zu werden“, sagt Bringsøe. Denn die Kukri-Schlangen injizieren ihrem Opfer beim Beißen ein gerinnungshemmendes Toxin. „Ihre Zähne sind zudem so konstruiert, dass sie keine Einstiche, sondern Schnitte zufügen“, so der Forscher. Dadurch können die Schlangen große Wunden zufügen, die stundenlang bluten. (Herpetozoa, 2020; doi: 10.3897/herpetozoa.33.e57096)

Quelle: Pensoft Publishers

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