Forscher entwickeln neues Verfahren Schaufensterkrankheit risikolos diagnostizierbar - scinexx | Das Wissensmagazin
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Forscher entwickeln neues Verfahren

Schaufensterkrankheit risikolos diagnostizierbar

Verengungen der Beinarterien können unbehandelt schwere Folgen haben. Deshalb ist es wichtig, die Krankheit – im Volksmund auch unter dem Namen „Schaufensterkrankheit“ bekannt – schnell und präzise zu diagnostizieren. Das bislang beste Verfahren ist aber nicht ungefährlich. Bonner Mediziner haben nun in der Fachzeitschrift „Radiology“ eine Alternative vorgestellt. Die neue Methode ist weniger riskant, scheint aber ebenso sichere Ergebnisse zu liefern.

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Die Durchblutungsstörung äußert sich zunächst oft ganz unspektakulär mit kalten Füßen. Später kommen bei längeren Wanderungen krampfartige Schmerzen hinzu. Schließlich treten die Beschwerden schon bei kurzen Spaziergängen auf. Die Betroffenen müssen dann anhalten, bis die Schmerzen abgeklungen sind. Aus Scham oder zur Ablenkung erfolgen diese Stopps häufig an Schaufenstern, daher der Name „Schaufensterkrankheit“.

Verengungen der Beinarterien als Ursache

Ursache sind oft Verengungen der Beinarterien. Sie schränken die Blutversorgung der Muskulatur drastisch ein. Durch radiologische Verfahren lassen sich diese Blockaden sichtbar machen. „Methode der Wahl ist dabei die digitale Substraktions-Angiographie, abgekürzt DAS“, erklärt der Dr. Winfried A. Willinek von der Universität Bonn.

Dabei machen die Ärzte in der Leiste einen kleinen Einschnitt. Durch diese Öffnung schieben sie einen Katheter in die betroffene Beinarterie, bis sie die mutmaßliche Stelle des Engpasses erreichen. Indem sie nun über den Katheter ein spezielles Kontrastmittel geben, können sie Lage und Ausmaß der Verengung im Röntgenbild sichtbar machen.

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Lebensgefährliche Embolien

Das Problem dabei: „Die Methode ist nicht ganz ungefährlich“, betont Willinek. „Beispielsweise kann der Katheter Ablagerungen von der Arterienwand schaben. Diese können dann mit dem Blutstrom in andere Gefäße gelangen und sie verschließen. Eine derartige Embolie kann lebensgefährlich werden.“

Als Alternative bietet sich die Injektion des Kontrastmittels in die Vene an. Dabei kann auf einen Katheter verzichtet werden. Außerdem besteht nicht die Gefahr unangenehmer Blutungen aus der punktierten Beinarterie. Der Blutstrom schwemmt das gegebene Mittel in kurzer Zeit zur betroffenen Arterie. Wenn es dort die Engstelle passiert, wird diese im Kernspin-Tomographen sichtbar.

Verwaschene Bilder

Allerdings verdünnt sich das Kontrastmittel bei seiner Reise durch den Körper. Die Bilder wirken „verwaschen“, sie erlauben daher keinen so genauen Aufschluss über Ausmaß und Lage der Blockade. „Dazu kommt, dass die Nieren das Kontrastmittel schnell wieder herausfiltern“, ergänzt Willinek. „Nur bei der ersten Passage des Mittels durch den Engpass entstehen brauchbare Aufnahmen.“

Der an der Bonner Radiologischen Klinik tätige Forscher hat daher zusammen mit Kollegen aus der Gefäßchirurgie ein neuartiges Kontrastmittel erprobt. Die Substanz bindet reversibel an das Blutprotein Albumin und bleibt so weitaus länger im Körper, bevor es von den Nieren herausgefischt wird. Auf diese Weise werden gewissermaßen längere „Belichtungszeiten“ möglich. Die so erzielbaren Aufnahmen sind somit weitaus kontrastreicher.

Genauigkeit: 100 Prozent

Die Bonner Gefäßspezialisten haben das neue Kontrastmittel an 27 Patienten erprobt. Dabei untersuchten sie insgesamt 334 arterielle Segmente. „In jedem einzelnen Fall kamen wir dabei mit der neuen Methode zum selben Ergebnis wie mit der DAS“, resümiert der Radiologe. Zum Vergleich testeten die Ärzte auch das herkömmliche Verfahren mit venöser Kontrastmittelgabe. Hier betrug die Übereinstimmung mit der DSA nur 87 Prozent. „Möglicherweise kann das neue komplikationsarme Verfahren die riskantere DSA daher in einem Teil der Fälle ersetzen“, erklärt Willinek.

Gute Therapieerfolge

In Deutschland leiden nach Schätzungen bis zu zehn Millionen Menschen unter der Schaufensterkrankheit. Unbehandelt führt das Leiden letztlich zur Amputation. Allein hierzulande ist das jährlich bei etwa 30.000 Betroffenen der Fall. Dabei lässt sich die Erkrankung bei frühzeitiger und korrekter Diagnose gut therapieren – beispielsweise durch gezieltes Gehtraining, eine cholesterinarme Diät, strikten Verzicht auf Zigaretten oder auch durchblutungsfördernde Medikamente.

In schweren Fällen können Ärzte zudem eine Gefäßstütze einsetzen oder die Ader mit einem Ballon aufweiten. Alternativ besteht auch die Möglichkeit, die betroffene Stelle mit einem Bypass zu umgehen. Rund 80 Prozent aller Amputationen ließen sich mit derartigen Methoden vermeiden.

(idw – Universität Bonn, 19.01.2009 – DLO)

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