Studie enthüllt „Anatomie des Sarkasmus“ Sarkasmus sitzt hinter der Stirn - scinexx | Das Wissensmagazin
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Studie enthüllt „Anatomie des Sarkasmus“

Sarkasmus sitzt hinter der Stirn

Wie unterscheidet unser Gehirn sarkastische Aussprüche von ernst gemeinten? Neuropsychologen haben jetzt Details einer „Anatomie des Sarkasmus“ erforscht. Demnach basiert die Fähigkeit, Sarkasmus zu verstehen, auf einer fein abgestimmten Sequenz von mehreren kognitiven Leistungen, die in jeweils spezifischen Gehirnbereichen ablaufen.

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Um Sarkasmus zu erkennen, muss der Zuhörer im jeweiligen Kontext die Intention des Sprechers begreifen. Doch das erfordert ausgeprägtes soziales Denken und die Fähigkeit zu verstehen, dass jeder Mensch anders denkt. Autistischen Kindern fehlt diese Fähigkeit häufig, daher haben sie Probleme, Ironie und Sarkasmus zu interpretieren.

Sarkastisch oder neutral?

Simone Shamay-Tsoory und ihre Kollegen vom Rambam Medical Center und von der Universität von Haifa untersuchten die „Anatomie des Sarkasmus“ an Menschen mit Schäden in bestimmten Gehirnregionen im Vergleich zu gesunden Versuchsteilnehmern. 25 Probanden hatten Schäden im vorderen Bereich des Gehirns, 16 Probanden am Hinterhauptslappen, 17 dienten als gesunde Kontrolle.

Alle Versuchsteilnehmer bekamen eine Reihe kurzer, sarkastischer oder neutraler Geschichten zu hören, die von Schauspielern in entsprechender Weise eingesprochen worden waren. Ein Beispiel für eine sarkastische Geschichte: „Joe kam zur Arbeit und anstatt mit der Arbeit zu beginnen, setzte er sich hin und ruhte sich aus. Sein Chef bemerkte sein Verhalten und sagte: ‚Joe, überarbeite Dich nicht.’“ In einer neutralen Fassung dagegen heißt es: „Joe kam zur Arbeit und begann sofort zu arbeiten. Sein Chef bemerkte sein Verhalten und sagte: ’Joe, überarbeite Dich nicht.’“

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Nach jeder Geschichte stellten die Wissenschaftler eine inhaltliche Frage, um das Verständnis der Geschichte zu kontrollieren und eine Frage, die auf die Interpretation des geschilderten Verhaltens abzielte. Beantworteten die Probanden die Inhaltsfrage richtig, interpretierten aber das Verhalten falsch, wurde dies als Fehler bei der Identifikation von Sarkasmus gewertet.

Stirnhirn entscheidend

Die Auswertung zeigte, dass Teilnehmer mit Schäden am Stirnlappen Schwierigkeiten hatten, Sarkasmus zu erkennen, während dies für die beiden anderen Versuchsgruppen kein Problem darstellte. Besonders die Probanden, bei denen der rechte, tiefer liegende, so genannte ventromediale Bereich des Stirnlappens nicht funktionsfähig war, lagen in ihren Einschätzungen nahezu durchgängig falsch.

Nach Ansicht der Forscher sind drei Schritte für die Interpretation des Sarkasmus notwendig: Zuerst interpretieren die Sprachzentren der linken Gehirnhälfte die wortwörtliche Bedeutung einer gehörten Aussage. Dann analysieren die Stirnlappen der rechten und linken Hemisphäre den sozialen und emotionalen Zusammenhang der Aussage und identifizieren damit etwaige Widersprüche zwischen der wörtlichen Bedeutung und dem sozial-emotionalen Kontext. Der rechte ventromediale präfrontale Kortex schließlich verbindet dies mit der Einschätzung der Situation und den Erfahrungen aus bereits zuvor erlebten ähnlichen Situationen und erlaubt es dem Hörenden, die eigentliche Bedeutung des Gehörten zu erkennen.

Shamay-Tsoory erklärt: „Eine Verletzung in jeder Region dieses Netzwerks kann Sarkasmus blockieren, denn wenn jemand ein Problem damit hat, soziale Situationen zu verstehen, kann er oder sie auch die Bedeutung der Sprache falsch verstehen. Damit trägt diese Studie zu unserem Verständnis der Beziehung zwischen Sprache und sozialer Kognition bei.“

(American Psychological Association, 24.05.2005 – NPO)

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