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Säugetier-Urahn lebte wie ein Nilpferd

265 Millionen Jahre Fossilien stammen von einem der ersten großen Pflanzenfresser in Europa

Lalieudorhynchus
Der vor 265 Millionen Jahren lebende Säugetier-Urahn Lalieudorhynchus könnte wie ein Flusspferd teilweise im Wasser gelebt haben. © Frederik Spindler

Winziger Kopf, fassförmiger Körper: Einige der ersten großen Pflanzenfresser unseres Planeten könnte wie ein Flusspferde semi-aquatisch gelebt haben. Darauf deutet das in Frankreich entdeckte, 265 Millionen Jahre alte Fossil eines dieser Caseiden hin. Dieser frühe Vorfahre der Säugetiere war gut 3,50 Meter groß und besaß auffallend poröse Knochen. Die Paläontologen vermuten daher, dass sich dieses Tier – wie heute die Flusspferde – vorwiegend im Wasser aufhielt, aber an Land Futter suchte.

Im Perm-Zeitalter, lange vor den Dinosauriern und anderen Echsenarten, lebten Pelycosaurier auf dem Urkontinent Pangäa. Zu diesen gehörten saurierartige Vertreter mit großem Rückensegel wie Dimetrodon und Edaphosaurus, aber auch Arten, die schon säugetierähnliche Merkmale besaßen. Zu dieser Gruppe gehörten auch die Caseiden – massige Tiere mit einem plumpen, fassförmigen Rumpf, Die bis zu vier Meter großen Wesen waren die ersten großen Pflanzenfresser unseres Planeten und eng verwandt mit den Pelycosauriern, aus denen sich dann säugetierartige Reptilien und Säugetiere entwickelten.

Knochen
Fossile Rippe und Oberschenkelknochen von Lalieudorhynchus. © Ralf Werneburg

3,60 Meter großes Wesen aus dem Perm

Einen neuen Vertreter der Caseiden haben Ralf Werneburg vom Naturhistorischen Museum Schloss Bertholdsburg und seine Kollegen in Südfrankreich entdeckt. Bei Ausgrabungen in dortigen Lodève-Becken stieß das Team in einer rund 265 Millionen Jahre alten Gesteinsformation auf mehrere auffallend große Knochen, darunter eine 60 Zentimeter lange Rippe, einen Wirbel, ein 50 Zentimeter hohes Schulterblatt und einen dicken Oberschenkelknochen. Insgesamt förderten die Paläontologen 50 Skelettteile dieses Fossils zutage.

Vergleichende Analysen ergaben, dass die Knochen von einem rund 3,60 Meter großen, noch unbekannten Caseiden stammte – einer neuen Gattung. Überraschend jedoch: Das Lalieudorhynchus gandi getaufte Fossil war am engsten mit der nur aus Nordamerika bekannten Caseiden-Gattung Cotylorhynchus verwandt. Mit einigen schon zuvor in Südfrankreich entdeckten Caseiden zeigt die neuentdeckte Art hingegen nur eine entfernte Ähnlichkeit, wie die Paläontologen berichten.

Einziger großer Pflanzenfresser Ur-Europas

Interessant auch: Lalieudorhynchus ist einer der jüngsten bekannten Caseiden. Mit seinem Alter von knapp 265 Millionen Jahren bestätigt das Fossil, dass zumindest einige Linien dieser Pelycosaurier das sogenannte Olson-Massenaussterben im mittleren Perm überlebt haben. „Abgesehen von den deutlich kleineren Captorhinidae und bolosauriden Parareptilien sind die Caseiden die einzigen pflanzenfressenden Landwirbeltiere, die dieses Aussterben überlebten“, schreiben die Forscher.

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Der Fund des Lalieudorhynchus bestätigt nun, dass die großen Caseiden auch nach dem Aussterbe-Ereignis in Europa vorkamen. „Dort repräsentierten sie die einzigen Mega-Herbivoren dieser Zeit“, erklären Werneburg und seine Kollegen.

KÖrperform
Körperform und gefundene Skelettteile von Lalieudorhynchus. © Frederik Spindler

Lebensweise wie ein Nilpferd

Der neuentdeckte Säugetier-Urahn lebte in einer von einigen großen Flüssen durchzogenen Landschaft, die von einem tropischen Klima und ausgedehnten flachen Tümpeln geprägt war. In diesem permzeitlichen Becken kam es immer wieder zu Überschwemmungen, auf die längere Trockenperioden folgten. Aus der Lage der Knochen und den mit diesen erhaltenen Pflanzenresten schließen die Forscher, dass sich Lalieudorhynchus wahrscheinlich von den entlang der Gewässern wachsenden Pflanzen ernährt hat.

Trotzdem muss dieser Caseid relativ viel Zeit im Wasser verbracht haben: Analysen seiner Knochen zeigen, dass diese eine poröse Struktur aufweisen, wie sie für aquatisch lebende Tiere typisch sind. „Die osteohistologische Daten stützen die Hypothese, dass zumindest einige Vertreter der großen Caseiden einen semi-aquaotsichen Lebensstil hatten“, schreiben Werneburg und seine Kollegen. Lalieudorhynchus könnte sich demnach den größten Teil des Tages in den flachen Gewässern seines Lebensraums aufgehalten haben.

„Man kann darüber spekulieren, ob das Tier bei seinem Wechsel vom Wasser aufs Land einem bestimmten Tagesrhythmus folgte – ähnlich wie heutige Flusspferde“, so die Paläontologen. Sie vermuten, dass diese Lebensweise eine ökologische Nische darstellte, die die Caseiden vor Konkurrenz durch andere Pflanzenfresser ihrer Zeit bewahrte. (Palaeovertebrata, 2022; doi: 10.18563/pv.45.2.e2)

Quelle: Dinosaurier-Museum Altmühltal

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