Spülhände helfen durch ihr Profil beim Greifen nasser Objekte Runzlige Finger geben "Grip" - scinexx | Das Wissensmagazin
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Spülhände helfen durch ihr Profil beim Greifen nasser Objekte

Runzlige Finger geben „Grip“

Runzliger Finger nach dem Baden © Fir0002/Flagstaffotos/ GFDL 1.2

Dass Spülhände mehr als nur unschön und lästig sind, haben britische Forscher jetzt herausgefunden. In einem Experiment belegten sie, dass die Runzeln an nassen Fingern einen sehr praktischen Nutzen haben: Sie helfen uns dabei, nasse, glatte Objekte festzuhalten. Die Runzeln wirken dabei ähnlich wie das Profil im Autoreifen und verhindern ein Abrutschen auf dem glitschigen Wasserfilm, wie die Forscher im Fachmagazin „Biology Letters“ berichten.

Lange Zeit hielt man das Runzeln der Finger nach dem Spülen oder Baden für einen passiven Effekt. Doch inzwischen weiß man, dass sich dabei die feinen Blutgefäße in den fleischigen Fingerbeeren altiv zusammenziehen. Gesteuert wird dieser Prozess vom autonomen Nervensystem, das auch für Vorgänge wie das Atmen oder den Herzschlag zuständig ist. Das aber stellt die Frage, wozu unser Organismus diesen aktiven Prozess überhaupt entwickelt und in der Evolution offenbar beibehalten hat.

Der Theorie des US-Neurobiologen Mark Changizi nach könnten die Runzeln dem gleichen Zweck dienen, wie das Profil eines Autoreifens: Greift man nach einem nassen Gegenstand, bildet das Wasser zwischen Fingerkuppe und Objektoberfläche normalerweise einen Film, der die Reibung verringert und damit das Festhalten erschwert. Die Runzeln wirken dagegen wie kleine Kanäle, durch die das Wasser abfließen kann, während die erhabenen Stellen einen guten Kontakt zur Oberfläche bekommen. Changizi konnte seine These zwar nicht beweisen, er stelle aber fest, dass die Runzelkanäle tatsächlich alle von der Fingerspitze weg führen und unverzweigte, lange Kanälchen bilden – optimal für das Ableiten von Wasser.

Nasse Murmeln für den experimentellen Beleg

Dass das System wirklich wie gedacht funktioniert, haben erst jetzt Kyriacos Kareklar, Daniel Nettle und Tom Smulders von der Newcastle University nachgewiesen. Für ihr Experiment rekrutierten sie 20 Freiwillige und ließen diese einmal mit runzligen und einmal mit glatten Händen Objekte von einem Behälter in einen anderen legen.

Konkret sah die Aufgabe so aus: Jeder Proband sollte 39 Glasmurmeln und sechs Angelbleigewichte nacheinander mit der rechten Hand aus einen Gefäß nehmen, sie jeweils durch eine fünf Zentimeter große Öffnung in einer Pappabtrennung an die linke Hand übergeben und sie dann in einen zweiten Behälter legen. Dabei wurde die Zeit gestoppt. In der Hälfte der Tests lagen die Gegenstände im Wasser, in der anderen Hälfte waren sie trocken. Alle Teilnehmer führten die Aufgaben durch, nachdem sie beide Hände eine halbe Stunde lang in 40 Grad warmes Wasser getaucht hatten, und wiederholten sie eine halbe Stunde später, wenn die Runzeln auf den Fingerspitzen wieder verschwunden waren.

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Vorsprung für die Schrumpelfinger

Das Ergebnis: Mit schrumpeligen Fingerspitzen brauchten die Probanden im Schnitt 12 Prozent weniger Zeit, um die nassen Gegenstände zu transferieren, als mit glatten Fingerkuppen. Bei den trockenen Objekten machte es dagegen keinen Unterschied, ob die Finger Runzeln trugen oder nicht. Die Rillen verbesserten also eindeutig die Griffigkeit im Nassen, resümieren die Forscher.

Zwei Fragen können sie allerdings noch nicht beantworten. Erstens: Was ist es, das die Runzeln besser zupacken lässt? Ist es wirklich der Reifenprofil-Effekt? Oder verändern sich im Wasser eher bestimmte Eigenschaften der Haut wie ihre Flexibilität oder ihr Reibungskoeffizient? Und zweitens: Wenn man mit Schrumpelfingern besser greifen und mit runzeligen Zehen besser laufen kann, warum hat man sie dann nicht ständig? Möglicherweise sind Finger- und Zehenspitzen mit Runzeln nicht ganz so empfindsam wie glatte, spekulieren die Forscher. Alternativ bleibt man mit runzeligen Fingern und Zehen vielleicht auch einfach häufiger irgendwo hängen und erhöht damit seine Verletzungsgefahr. Was stimmt, sollen nun weitere Untersuchungen zeigen. ( Biology Letters, 2013; doi: 10.1098/rsbl.2012.0999)

(Royal Society, 09.01.2013 – ILB)

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