Erster Beleg für ein artübergreifendes Mimik-Verständnis auch beim Pferd Pferde erkennen unseren Gesichtsausdruck - scinexx | Das Wissensmagazin
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Erster Beleg für ein artübergreifendes Mimik-Verständnis auch beim Pferd

Pferde erkennen unseren Gesichtsausdruck

Das Pferd beobachtet unseren Gesichtsausdruck sehr genau - und versteht, was er bedeutet. © Mike Watson/ thinkstock

Auge in Auge: Pferde können erkennen, ob wir sie anlächeln oder grimmig dreinschauen. Diese Fähigkeit zum artübergreifenden Verstehen von Mimik belegt nun erstmals ein Experiment britischer Forscher. Sehen die Pferde das Foto eines wütenden Gesichts, reagieren sie prompt: Ihr Herzschlag beschleunigt sich und sie wenden den Kopf nach rechts ab – eine typische Reaktion der Huftiere auf negative Reize.

Unser Gesichtsausdruck verrät viel über unsere Stimmung – entsprechend genau achten wir auf die Mimik unserer Mitmenschen. Und auch die Mimik und Körpersprache unserer Haus- und Nutztiere haben wir im Laufe unserer Evolution gelernt, zu interpretieren. Aber wie ist es umgekehrt? Bisher weiß man nur von Hunden, dass sie nach ein wenig Training das Lächeln ihrer Besitzer von einem neutralen oder bösen Gesichtsausdruck unterscheiden können.

Fotostunde für Reitpferde

Ob jedoch Pferde ebenfalls dazu fähig sind, in unseren Gesichtern zu lesen, war bisher unbekannt. Deshalb haben Amy Smith und ihre Kolleginnen von der University of Sussex in Brighton dies in einem Experiment mit 28 Pferden aus verschiedenen Reitställen untersucht. Die Pferde wurden dafür am Führseil in die Reithalle geführt.

Dort zeigte man ihnen entweder ein Foto eines ihnen unbekannten lächelnden menschlichen Gesichts oder eines der gleichen Person mit grimmigem, zähnefletschenden Ausdruck. Die Wissenschaftlerinnen beobachteten die Reaktion der Pferde und maßen ihren Herzschlag. Sie konnten dabei nicht erkennen, welches Gesicht das Pferd gerade sah.

Das linke Auge ist für Gefahren

Das Ergebnis: „Die Reaktion auf die wütenden Gesichtsausdrücke waren besonders deutlich“, berichtet Smith. „Es gab einen Anstieg des Pulses und die Pferde bewegten ihren Kopf, um die wütenden Gesichter mit ihrem linken Auge zu mustern.“ Ähnlich wie Hunde neigen Pferde dazu, negative, potenziell bedrohliche Reize verstärkt mit ihrem linken Auge zu beobachten. Die darüber aufgenommene Information gelangt direkt in die rechte Hirnhälfte und wird dort verarbeitet, wie die Forscherinnen erklären. Auf die freundlichen Gesichter reagierten die Pferde dagegen kaum.

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„Eine Erklärung dafür könnte sein, dass es für Tiere wichtiger ist, potenzielle Bedrohungen in ihrer Umwelt zu erkennen“, sagt Smith. „In diesem Zusammenhang ist das Erkennen von wütenden Gesichtern eine Art Warnsystem, das die Pferde darauf vorbereitet, negatives Verhalten von dem Menschen zu erwarten, wie beispielsweise ein grober Umgang.“

Artübergreifendes Erkennen

Die Reaktion der Pferde belegt, dass diese Tiere auch über die Artgrenze hinaus Emotionen erkennen können, so die Forscherin. „Wir wissen schon seit langem, dass Pferde über ein komplexes Sozialverhalten verfügen“, erklärt Smith. „Aber dies ist der erste Nachweis, dass sie auch zwischen positiven und negativen menschlichen Gesichtsausdrücken unterscheiden können.“ Dies sei auch deshalb beachtlich, weil die Morphologie der Gesichter von Mensch und Pferd ziemlich verschieden sei.

Warum die Pferde unsere Mimik verstehen, ist noch nicht eindeutig geklärt. Eine Möglichkeit wäre, dass Pferde von vornherein ein gutes Mimikverständnis für ihre Artgenossen besitzen und diese Fähigkeit dann bei ihrer Domestikation auf den Menschen übertragen haben. „Es kann aber auch sein, dass die Pferde im Laufe ihres Lebens und durch eigene Erfahrungen gelernt haben, die Gesichtsausdrücke des Menschen zu interpretieren“, meint Seniorautorin Karen McComb. Bei Hunden ist bereits bekannt, dass solche Erfahrungen eine Rolle für die Mimikerkennung spielen. (Biology Letters, 2016; doi: 10.1098/rsbl.2015.0907)

(University of Sussex, 10.02.2016 – NPO)

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