Geruchssinn spielt bei der Unterscheidung von „Freund“ und „Feind“ entscheidende Rolle Pferde erkennen Konkurrenten am Mist - scinexx | Das Wissensmagazin
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Geruchssinn spielt bei der Unterscheidung von „Freund“ und „Feind“ entscheidende Rolle

Pferde erkennen Konkurrenten am Mist

Pferde © Uwe Horst Friese / GFDL

Pferde erkennen ihre Konkurrenten und Widersacher am Kotgeruch: Dies haben Regensburger Forscher jetzt in einer neuen Studie nachgewiesen, über die sie in der Fachzeitschrift „Animal Cognition“ ausführlich berichten.

Tiere, die in größeren Verbänden zusammen leben, sind darauf angewiesen, innerhalb der eigenen Gruppe „Freund“ von „Feind“ zu unterscheiden. Für viele Tiere scheint dabei die olfaktorische Wahrnehmung beziehungsweise der Geruchssinn eine wesentliche Rolle zu spielen. So haben Wissenschaftler in diesem Zusammenhang längst die zentrale Bedeutung des Geruchssinns für Ameisen, Honigbienen, Eichhörnchen, Lemuren, Ratten oder Mäuse belegt.

Pferde mit gutem Geruchssinn

Die Forscher der Universität Regensburg um Konstanze Krüger vom Institut für Zoologie fanden nun heraus, dass auch Pferde ihre Widersacher und Konkurrenten innerhalb der eigenen Gruppe unter anderem am Geruch des jeweiligen Kots identifizieren können.

Pferde haben ausgezeichnete körperliche Voraussetzungen für die Wahrnehmung mit dem Geruchssinn. Über ihre Nase können sie schon durch einen einzigen Atemzug große Mengen an Luft inhalieren. Darüber hinaus sind ihre Nasenlöcher voneinander getrennt und zeigen in verschiedene Richtungen, was den Geruchssinn noch verbessert. Dennoch wurde die olfaktorische Wahrnehmung bei Pferden bislang nur unzureichend untersucht.

Zwei Experimente

Im Rahmen ihrer Analyse führten die Regensburger Zoologen zwei verschiedene Experimente durch. Während des ersten Versuchs gingen die Wissenschaftler der Frage nach, ob Pferde die genaue Gruppenzugehörigkeit anderer Pferde durch den Geruch des Kots ausmachen können. Dafür wurden den Versuchstieren unterschiedliche Kotproben vorgelegt: der eigene Kot, die Exkremente anderer Pferde der eigenen Gruppe, der Kot von fremden Stuten und schließlich die Proben von fremden kastrierten männlichen Tieren – so genannten Wallachen.

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In einem zweiten Experiment untersuchten die Forscher dann, ob Pferde ihre Gruppenmitglieder über die jeweiligen Kotproben zuordnen können. Dafür wurden Versuchstiere aus zwei Pferdegruppen mit dem Kot ihrer Gefährten nach dem Zufallsprinzip konfrontiert.

Pferde erkennen den eigenen Kot

Im ersten Experiment fanden die Zoologen heraus, dass die Versuchstiere den eigenen Kot von dem ihrer Gruppenmitglieder unterscheiden konnten. Allerdings machten sie keine Unterscheidung, was Geschlecht oder Gruppenzugehörigkeit betrifft. Im Rahmen des zweiten Experiments beobachteten die Zoologen, dass die Pferde beider Gruppen gerade den Kotproben derjenigen Pferde die meiste Aufmerksamkeit widmeten, die den Versuchstieren im Vorfeld aggressiv gegenübergetreten waren.

Die Ergebnisse beider Experimente legen daher den Wissenschaftlern zufolge den Schluss nahe, dass auch Pferde einzelne Konkurrenten innerhalb der eigenen Gruppe über den Kot identifizieren können.

Hierarchie bildet sich in wenigen Tagen

Für ihre Arbeit konzentrierten sich die Regensburger Forscher auf die olfaktorische Wahrnehmung von Stuten und Wallachen. Die einzelnen Versuchstiere hatten zum Zeitpunkt der Experimente schon mindestens sechs Monate in stabilen Gruppen zusammen gelebt. Die Hierarchie innerhalb einer solchen Gruppe bildet sich bei Pferden schon nach wenigen Tagen heraus.

Pferde leben in relativ stabilen Verbänden aus bis zu 25 Tieren. Diese bestehen aus ein bis fünf Hengsten und mehreren Stuten sowie deren Nachkommen. Das mitunter komplexe Sozialsystem erfordert von den Tieren die Fähigkeiten, sich an vergangene Erfahrungen in der Gruppe zu erinnern, Bekanntes von Unbekanntem zu unterscheiden und andere Gruppenmitglieder zu erkennen sowie deren sozialen Status zuzuordnen. (Animal Cognition, 2011; doi:10.1007/s10071-010-0358-1)

(Universität Regensburg, 02.03.2011 – DLO)

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