Weibchen legen bei der Partnersuche weite Distanzen zurück Pandadamen sind doch keine Stubenhocker - scinexx | Das Wissensmagazin
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Weibchen legen bei der Partnersuche weite Distanzen zurück

Pandadamen sind doch keine Stubenhocker

Pandadame Mei Mei mit ihrem Jungen im Wolong Naturreservat. © Michigan State University Center for Systems Integration and Sustainability

Emanzipierte Weibchen: Wie ihre männlichen Artgenossen auch streunen weibliche Pandas in der Paarungszeit viel umher und begeben sich aktiv auf Partnersuche. Das Klischee vom weiblichen Stubenhocker wird den Bären deshalb wohl nicht gerecht, wie Forscher berichten. Sie entdeckten das für Säugetiere ungewöhnliche Verhalten bei der Auswertung von GPS-Daten. Demnach sind heranwachsende Pandadamen bei der Wanderschaft besonders ausdauernd. Sie legen sogar weitere Distanzen zurück als junge Männchen.

Wenn Säugetiere heranwachsen, kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem sie selbständig werden müssen. Vor allem junge Männchen entfernen sich mit dem Erreichen der Geschlechtsreife in der Regel weit vom heimischen Territorium. Sie beginnen umherzuziehen – immer auf der Suche nach einem fortpflanzungswilligen Partner. Die Weibchen dagegen bleiben oftmals in der Nähe ihres Heimatreviers.

Doch Pandadamen machen da offensichtlich eine Ausnahme, wie Wissenschaftler um Thomas Connor von der Michigan State University herausgefunden haben. Vor einigen Jahren durften die Forscher erstmals mehrere Pandabären mit GPS-Halsbändern ausstatten, um die akut vom Aussterben bedrohten und deshalb streng geschützten Tiere in ihrer chinesischen Heimat zu beobachten. Eine Auswertung der so gewonnenen Daten offenbarte nun Erstaunliches.

Streunende Weibchen

Connor und seine Kollegen analysierten für ihre Untersuchung gleich fünf Studien, die die scheuen schwarz-weißen Bären mithilfe von telemetrischen Methoden beobachtet hatten. Der Gedanke: Eine einzelne Studie betrachtet oft nur wenige Tiere auf einmal. Mehrere Studien zusammengefasst könnten deshalb Verhaltensmuster erkennen lassen, die in einer kleineren Stichprobe verborgen bleiben.

Tatsächlich machten die Forscher eine überraschende Entdeckung: In der Paarungszeit wandern Pandaweibchen genauso viel umher wie ihre männlichen Artgenossen – und entfernen sich dabei ähnlich weit von ihrem heimischen Revier. Anders als bisher angenommen sind sie demnach alles andere als Stubenhocker. Sie warten nicht darauf, dass ein männlicher Bewerber vorbeikommt, sondern begeben sich mitunter selbst auf die Suche.

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Heranwachsende Pandamädchen gehen dabei sogar noch weiter: Sie scheinen im Vergleich zu den jungen Männchen weiter von ihrem Geburtsort wegzuziehen. „So ein Verhalten ist ungewöhnlich für Säugetiere. Wir kennen das von keiner anderen Bärenart“, sagt Connor. Allerdings kehrten die Weibchen oft wieder in die Heimat zurück, um Junge zu gebären und den Nachwuchs großzuziehen.

Promiskuitive Bären?

Die Auswertung gewährt noch weitere interessante Einblicke: So fand Connor Hinweise darauf, dass sich die Bären promiskuitiv verhalten und mit mehr als einem Verehrer turteln. Ob seine Beobachtung allerdings eine Ausnahme oder die Regel ist, weiß er nicht.

Zudem klären Connors Analysen eine seit langem diskutierte Frage. Die Pandas der fünf Studien leben in zwei Gebirgszügen – den Qionglai-Bergen, in denen das Wolong Naturreservat liegt, und dem weiter nördlich gelegenen Qinling-Gebirge. Und: Sie unterscheiden sich auch optisch: Die Qinling-Bären haben eine bräunliche Färbung, während die Qionglai-Bären eher das typische Schwarz aufweisen. Experten stritten lange darüber, welche der beiden Gruppen größere Territorien hat. Connor sagt: „Es gibt keinen Unterschied. Die Pandas nutzen in beiden Gebieten ähnlich große Reviere.“

Viele Fragen über das Leben der Pandabären sind aber nach wie vor ungeklärt. Auch in Zukunft wollen die Forscher die bedrohten Tiere deshalb genauer studieren. Denn zu wissen, wie die Tiere leben, kann ihrem Schutz dienen – und den haben sie in Zeiten des Klimawandels und der Fragmentierung ihrer natürlichen Lebensräume nötiger denn je. (Integrative Zoology, 2016; doi: 10.1111/1749-4877.12197)

(Michigan State University, 16.03.2016 – DAL)

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