Exotische Mondfische gelangten mit Nordsee-Salzwasser in die Ostsee Ostsee: Bizarre Hochseefische eingeschwemmt - scinexx | Das Wissensmagazin
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Ostsee: Bizarre Hochseefische eingeschwemmt

Exotische Mondfische gelangten mit Nordsee-Salzwasser in die Ostsee

Ein Mondfisch (Mola mola) kann bis zu drei Meter groß werden. © Per-Ola Norman/ gemeinfrei

Exotischer Gast: In der Ostsee tauchen momentan ungewöhnliche Fische auf. Sie sind ziemlich groß und rund wie ein bizarres Mondgesicht – was ihnen den Namen Mondfisch gab. Normalerweise ist dieser Hochseefisch in warmen Wassern des Atlantik beheimatet, doch mit einem Salzwasser-Einstrom aus der Nordsee werden Jungfische dieser Art nun auch in die Ostsee eingeschwemmt. Forscher bitten um Mithilfe beim Überwachen und Kartieren von Funden.

Ein skurriler Anblick: Mondfische (Mola mola) sind nicht stromlinienförmig und langgestreckt wie die meisten anderen Fische, sondern sehen von der Seite fast kreisrund aus. Und sie sind enorm groß: Bis zu drei Meter groß und zwei Tonnen schwer kann ein ausgewachsener Mondfisch werden. Sie gelten damit als die schwersten Knochenfische der Welt. Normalerweise ist der Mondfisch eine Hochseeart, die in allen tropischen und subtropischen Meeren der Erde vorkommt. Mit dem Golfstrom gelangen die Tiere aber auch bis in die Nordsee.

Aus der Nordsee eingeschwemmt

Fischer haben nun jedoch auch in der Ostsee solche Mondfische gesichtet: Am letzten Wochenende wurden zwei tote Exemplare vor Rostock und in der Mecklenburger Buch gefunden. Mit nur rund 60 Zentimeter Durchmesser und knapp zehn Kilogramm Gewicht handelt sich bei diesen Exemplaren noch um Jungfische. Weil Mondfische nur träge Schwimmer sind, sind sie wahrscheinlich nicht selbst in die Ostsee geschwommen.

Forscher vermuten stattdessen, dass die Mondfische mit einem Einstrom von frischem Salzwasser aus der Nordsee in die Ostsee gelangten. „Die Tiere wurden wahrscheinlich mit dem Einstromwasser im November aus dem südlichen Kattegat durch den Großen Belt in die Mecklenburger Bucht gespült“, vermutet Uwe Krumme, stellvertretender Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei. „Hier können die Tiere kurze Zeit überleben, aber dann setzen ihnen Nahrungsmangel, verringerter Salzgehalt und die niedrigen Temperaturen zu.“

Blick über die Ostsee: Nur durch eine schmale Verbindung zur Nordsee kann sauerstoffreiches Tiefenwasser einströmen. © SeaWiFS Project, NASA/Goddard Space Flight Center, ORBIMAGE

Lebenswichtiger Frischwasser-Zustrom

Solche Salzwasser-Einströme sind für die Ostsee überlebenswichtig. Denn sie bringen salz- und sauerstoffreiches Frischwasser in das größte Brackwassermeer der Erde. Dies jedoch ist nur selten möglich: Nur, wenn auf starken Ostwind ein starker Westwind folgt, kann das Nordseewasser die Flachwassergebiete des dänischen Insel-Archipels überwinden. Im Dezember 2014war dies zuletzt der Fall, damals ereignete sich der größte Salzwassereinstrom der letzten 60 Jahre.

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Der diesjährige November-Einstrom ist laut ersten Abschätzungen des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung (IOW) ungefähr halb so stark wie der letztjährige und wird den Zustand der Ostsee weiter verbessern. Neben den jungen Mondfischen treibt das Frischwasser auch andere Hochseefische in die Ostsee, bisher gingen bereits ein Thunfisch-Verwandter und ein Schwertfisch in die Netze der Fischer.

Junger Mondfisch aus der Mecklenburger Bucht © Annemarie Schütz/ Thünen-Institut

Seltener Fischfund? Bitte melden!

Das Thünen-Institut für Ostseefischerei ruft Fischer, Angler und Strandbesucher zur Mitarbeit bei dem Nachweis weiterer seltener Fischarten der Ostsee auf. Wer einen Exoten fängt oder findet, soll dies beim Institut melden. Benötigt werden Informationen zu Fangort, Fangdatum und Fanggerät sowie am besten der ganze Fisch zur eindeutigen Artbestimmung. Fotos sollten eine Größenreferenz enthalten sowie den Fisch von möglichst vielen verschiedenen Perspektiven zeigen.

Mondfische treiben mit den Strömungen unterhalb der Wasseroberfläche, tauchen aber auch regelmäßig mehrere hundert Meter in die Tiefe. Mit ihrem schildkrötenartigen Schnabel fressen sie hauptsächlich Flügelschnecken oder Quallen, aber auch Tintenfische und kleinere Fische. Ein Weibchen legt bis zu 300 Millionen Eier. Die Fische besitzen ein stark verknorpeltes Skelett als gewichtssparende Anpassung an ein Leben im ozeanischen Freiwasser.

(Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, 11.12.2015 – NPO)

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