Anpassung des Speiseplans an den Klimawandel setzt ostgrönländische Bären verstärkt Giftstoffen aus Organische Schadstoffe verseuchen Eisbären - scinexx | Das Wissensmagazin
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Anpassung des Speiseplans an den Klimawandel setzt ostgrönländische Bären verstärkt Giftstoffen aus

Organische Schadstoffe verseuchen Eisbären

Eisbär frisst Klappmütze © Rune Dietz/ Aarhus University

Eisbären sind vielleicht die prominentesten Leidtragenden des Klimawandels: Mit dem schwindenden Meereis gehen ihnen auch ihre Jagdgründe verloren. Im Osten Grönlands haben die Bären bereits reagiert und ihre Nahrung umgestellt: auf zwei subarktische Seerobben-Arten. Das Problem dabei: Diese Robben sind deutlich stärker mit giftigen organischen Schadstoffen belastet – die Eisbären überleben zwar, verseuchen sich aber schleichend, wie ein internationales Forscherteam im Fachmagazin „Global Change Biology“ berichtet.

Die Arktis erwärmt sich im Zuge des Klimawandels mehr und mehr. Schon jetzt haben daher viele Eisbären das Problem, dass ihnen ihr Lebensraum – das Meereis – buchstäblich unter den Füßen wegschmilzt. Ostgrönland galt in dieser Beziehung noch als ein Refugium für die weißen Riesen. Denn hier hielt sich das Meereis noch relativ gut. Allerdings: inzwischen schrumpft seine Fläche selbst dort um rund einen Prozent pro Jahr. Wie kommen die Eisbären damit klar? Das hat jetzt ein internationales Forscherteam um Melissa McKinney von der Dalhousie University im kanadischen Halifax untersucht.

Für ihre Studie analysierten die Forscher Gewebeproben von 310 Eisbären, die in der Zeit zwischen 1984 und 2011 von ostgrönländischen Inuit gejagt worden waren. Besonderes Augenmerk galt dabei der Zusammensetzung der Fettsäuren in den Fettpolstern der Bären, denn diese spiegelt die Fettsäure-Verteilung ihrer Beute wieder und erlaubt damit Rückschlüsse darauf, von welchen Tieren sich die Bären ernährt haben.

Nahrung erfolgreich umgestellt

Das Ergebnis: Die Eisbären Ostgrönlands fressen vor allem drei Robbenarten: die in der hohen Arktis verbreitete Ringelrobbe (Pusa hispida), sowie die eher weiter im Süden in subarktischen Regionen lebenden Sattelrobben (Pagophilus groenlandicus) und Klappmützen (Cystophora cristata). Der Vergleich der Gewebeproben ergab jedoch, dass sich im Laufe der letzten 30 Jahre der Anteil dieser drei Robbenarten im Speiseplan der Eisbären stark verschoben hat: Der Anteil der Ringelrobben ging um 42 Prozent zurück, dafür waren die beiden subarktischen Arten stärker vertreten.

Sattelrobbe mit Jungem © Rune Dietz/ Aarhus University

Auf den ersten Blick ist das eine gute Nachricht. Denn sie zeigt, dass sich die Eisbären an das milder werdende Klima angepasst haben und auf Beutetiere umgestiegen sind, die unter den neuen Bedingungen häufiger vorkommen. Tatsächlich sind die Eisbären Ostgrönlands – vermutlich deshalb – weniger unterernährt als die in anderen arktischen Regionen.

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Mit Schadstoffen verseucht

Aber das Ganze hat leider einen Haken, wie die Forscher berichten: Das Fleisch der beiden subarktischen Robbenarten enthält deutlich mehr persistente organische Schadstoffe – gesundheitsschädliche Chemikalien, die die Fortpflanzung der Tiere stören und ihre Gesundheit unterminieren. „Diese Robben haben einen höheren Schadstoffgehalt, weil sie näher an der industrialisierten Welt leben und weiter oben in der Nahrungskette stehen“, erklärt Koautor Rune Dietz von der Universität Aarhus. Dadurch reichern sich die organischen Schadstoffe in diesen beiden Robbenarten stärker an.

Obwohl die Produktion und Freisetzung einiger dieser Stoffe inzwischen reglementiert ist, sind sie gerade in der Arktis noch immer in der Nahrungskette vorhanden. Für die Eisbären könnte sich die erfolgreiche Umstellung ihrer Nahrung daher als zweischneidiges Schwert erweisen. Zumal auch das Ausweichen auf Sattelrobbe und Klappmütze nach Einschätzungen der Forscher nur eine temporäre Lösung ist. Denn steigen die Temperaturen weiter an, werden auch sie aus Mangel an Meereis weniger werden. (Global Change Biology, 2013; doi: 10.1111/gcb.12241)

(Aarhus Universität, 20.09.2013 – NPO)

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