Auch Honigbienen können den Rückgang von wilden Bestäuber-Insekten nicht ausgleichen Ohne Wildbienen kein Obst und Gemüse - scinexx | Das Wissensmagazin
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Auch Honigbienen können den Rückgang von wilden Bestäuber-Insekten nicht ausgleichen

Ohne Wildbienen kein Obst und Gemüse

Wildbiene an einer Blaubeer-Blüte © Rufus Isaacs

Wilde Bienen und andere Insekten sind für die Bestäubung der meisten Nutzpflanzen extrem wichtig, fehlen sie, tragen Apfelbaum, Erdbeere, Tomate, Kaffeebaum und andere keine Frucht. Doch genau diese Insekten gehen weltweit rapide zurück, weil Pestizide und Monokulturen ihre Lebensgrundlage zerstören. Forscher warnen jetzt in „Science“, dass die Folgen dieses Rückgangs für Landwirtschaft und Natur dramatisch sein könnten – und auch durch Honigbienen nicht ausgeglichen werden können.

Bisher galten vor allen die vom Menschen gehaltenen Honigbienen als die Problemkinder unter den Bestäubern: Sie werden immer häufiger krank, ganze Stöcke sterben aus und auch die Zahl der Imker geht zurück. Doch schon länger ist bekannt, dass die meisten unserer Nahrungspflanzen, darunter vor allem Obst- und Gemüselieferanten, davon abhängig sind, dass ihre Blüten von Insekten besucht werden und so Pollen erhalten. Die sinken Bienenzahlen haben daher Sorge geweckt, es könnte sich eine globale „Bestäubungskrise“ anbahnen. Gleich zwei aktuelle Studien zeigen nun, dass tatsächlich Gefahr besteht – allerdings aus bisher unerwarteter Richtung. Denn nicht die Honigbienen sind das Problem, sondern die wilden Bienenarten. Sie gehen rapide zurück und verursachen bereits jetzt dadurch messbare Einbußen in den Ernteerträgen.

Wo Wildbienen fehlen, sinken die Erträge

Für die erste Studie untersuchten die Forscher die Bestäubung und Erträge von 41 Nutzpflanzen auf sechs Kontinenten, darunter Obst, Nüsse und auch Kaffee. Sie stellten fest, dass an den Orten, an denen es nur wenige wilde Bienen und andere Bestäuber-Insekten gab, auch die Produktivität dieser Pflanzen deutlich verringert war – und dies selbst dann, wenn zum Ausgleich Bienenstöcke aufgestellt worden waren. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass viele Pflanzen, die unsere Nahrung reichhaltig machen wie Tomaten, Kaffee oder Wassermelonen, nicht mehr ausreichend bestäubt werden“, erklärt Lawrence Harder von der University of Calgary. Die Auswertung ergebe auch, dass es nicht ausreiche, einfach mehr Honigbienen in diese Gebiet zu bringe, da sie die Defizite nicht ausgleichen können.

Die zweite Studie brachte mehr Aufschluss darüber, warum Honigbienen allein nicht ausreichen. Für sie hatten Forscher die Wechselbeziehung von Bestäubern und Blüten für das Jahr 1800, 1970 und 2009/2010 in einem Gebiet im US-amerikanischen Illinois untersucht und verglichen. Ihr Ergebnis: Sowohl die Qualität als auch die Quantität der Bestäubung hat im Laufe der Zeit deutlich abgenommen – unter anderem weil in dieser Zeit rund die Hälfte der ursprünglich in diesem Gebiet vorkommenden Wildbienenarten ausgerottet wurde.

Auch Hummeln sind wichtige Bestäuber - und gehören zu den Wildbienen. © Maj Rundlöf

Lücken im Bestäubernetz

Weil normalerweise jede Art zu einer andern Zeit aktiv ist und damit auch jede Pflanze genau zu ihrer Blütezeit einen Bestäuber hat, beeinträchtigen die Lücken in der Bienenvielfalt auch die Bestäubung: Zu bestimmten Zeiten fehlen schlicht die Bestäuber. Der Klimawandel, so zeigte die Studie, verstärkt diese Lücken noch, denn durch ihn verschieben sich die Blütezeiten der Pflanzen in einem anderen Tempo als die Aktivitätsperioden der Bestäuber-Insekten. Umso wichtiger sei es, eine möglichst große Vielfalt dieser Insekten zu haben, sagen die Wissenschaftler.

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„Wenn wir keine Schritte unternehmen, die wilden Insektenarten und ihre Lebensräume zu schützen, wird ihr fortlaufender Verlust die landwirtschaftlichen Erträge weltweit dezimieren“, waren die Forscher. Man könne diese Netzwerke von Bestäubern und Pflanzen nicht immer weiter strapazieren und erwarten, dass alles ewig weiter gut funktioniere. (Science, 2013; doi:

10.1126/science.123020; ; doi: 10.1126/science.1232728)

(Science, 01.03.2013 – NPO)

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