Forscher weisen erstmals tödliche Influenza-Infektion bei den bedrohten Greifvögeln nach Norddeutschland: Vogelgrippe befällt Seeadler - scinexx | Das Wissensmagazin
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Forscher weisen erstmals tödliche Influenza-Infektion bei den bedrohten Greifvögeln nach

Norddeutschland: Vogelgrippe befällt Seeadler

Seeadler gehören in Deutschland zu den bedrohten Arten. Jetzt sind einige von ihnen an Vogelgrippe gestorben. © Ekaterina Vasyagina / CC-by-sa 4.0

Die Vogelgrippe trifft nun auch Seeadler – eine in Deutschland bedrohte Greifvogelart. Forscher haben in Norddeutschland 17 Seeadler gefunden, die mit einem aggressiven Stamm des Vogelgrippe-Virus H5N8 infiziert waren. Es sind die ersten bekannte Fälle einer Vogelgrippe-Infektion bei diesen Greifvögeln und stellt ihren Schutz vor neue Herausforderungen. 14 der 17 vorwiegend jungen Tiere waren an der Infektion gestorben, wie die Forscher berichten.

Schon seit Jahren kommt es immer wieder zu Vogelgrippe-Epidemien bei Wildvögeln und Hausgeflügel. 2007 mussten wegen Befalls mit dem H5N1-Virus tausende von Vögeln getötet werden, 2014 breitete sich in China das Virus H7N9 aus und wurde auch auf Menschen übertragen. Der Anfang 29014 in Korea aufgetauchte Influenza-Typ H5N8 grassiert seit 2016 auch in Europa.

17 infizierte Seeadler identifiziert

Jetzt zeigt sich, dass H5N8 offenbar nicht nur Wasservögel und Hühner, sondern auch Greifvögel wie den Seeadler infizieren kann. Entdeckt haben dies Oliver Krone vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung und seine Kollegen, als sie eine Häufung bislang rätselhafter Todesfälle unter Seeadlern (Haliaeetus albicilla) im Winter 2016/2017 näher untersuchten. Von dem bedrohten Greifvogel gibt es in Deutschland noch rund 750 Brutpaare, die meisten davon in Norddeutschland.

14 tote Seeadler und drei offensichtliche erkrankte Tiere waren in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg aufgefunden worden. Eine virologische Analyse hat nun ergeben, dass diese Greifvögel mit einem besonders aggressiven Stamm des Vogelgrippevirus H5N8 infiziert waren. Das Virus kann in den Tieren eine tödliche Gehirnentzündung auslösen, wie die Forscher berichten.

Ein mit dem H5N8-Virus infizierter Seeadler. © Oliver Krone/ Leibniz-IZW

Besonders aggressiver Virenstamm

Die jetzt nachgewiesenen H5N8- Infektionen sind die ersten Vogelgrippe-Fälle bei Seeadlern. Gegen andere Influenzavarianten hatten sich diese Greifvögel bisher als immun erwiesen. „Es könnte sein, dass die Unterschiede zwischen den Virenstämmen entscheidend sind. Der Virenstamm 2.3.4.4b scheint deutlich aggressiver für viele Vogelarten zu sein als früher aufgetretene Stämme, weshalb es jetzt möglicherweise auch die großen Seeadler getroffen hat“, erklärt Franz Conraths vom Friedrich-Loeffler-Institut.

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Infiziert haben sich die Seeadler höchstwahrscheinlich über ihre Nahrung: „Seeadler ernähren sich vor allem im Winter von Aas und, wenn verfügbar, auch von Wasservögeln“, sagt Krone. „Natürlich sind kranke und schwache Tiere eine leichte Beute für den Seeadler. Das führt dazu, dass sich diese Greifvögel immer wieder Viren und anderen Krankheitserregern aussetzen.“

Vor alle Jungtiere betroffen

Noch ist unklar, ob H5N8-Infektionen für Seeadler unweigerlich tödlich verlaufen oder ob die Tiere die Krankheit überstehen können – möglicherweise wenn die Stämme nicht so aggressiv sind. „Die Beobachtung, dass von den 17 Tieren der überwiegende Teil Jungtiere sind, könnte auch auf eine Immunisierung hindeuten“, sagt Krone. „Wenn diese Tiere die Infektion überstehen, sind sie möglicherweise für weitere Infektionen ‚gerüstet‘.“

Nach Ansicht der Forscher könnte es sein, dass junge Seeadler besonders anfällig für eine Infektion mit der Vogelgrippe sind und dann auch schwerer erkranken. Ältere Tiere könnten dagegen bereits eine gewisse Immunität gegen Influenzaviren entwickelt haben. „Das könnte sie widerstandsfähiger auch gegenüber neu aufkommenden Stämmen machen“, hofft Krone. Zwar erholen sich die Bestände der Seeadler in Deutschland seit den 1980er Jahre Jahren langsam wieder, dennoch gelten die Greifvögel noch immer als bedroht.

Keine Gefahr für den Menschen

Für uns Menschen scheint es noch keinen Anlass zur Sorge zu geben. Im Gegensatz zur Virenvariante H5N1 ist H5N8 bisher ausschließlich bei Vögeln aufgetreten. „Bisher ist für H5N8 keine Übertragung vom Tier auf den Menschen bekanntgeworden“, so die Wissenschaftler des Friedrich-Loeffler-Instituts.

(Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, 05.10.2018 – NPO)

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