Der im Nebelwald der Anden heimische Olinguito ist der erste Fund einer neuen Carnivoren-Art seit 35 Jahren Neue Raubtier-Art entdeckt - scinexx | Das Wissensmagazin
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Der im Nebelwald der Anden heimische Olinguito ist der erste Fund einer neuen Carnivoren-Art seit 35 Jahren

Neue Raubtier-Art entdeckt

Er sieht aus wie eine Mischung aus Teddy und Katze: der Olinguito (Bassaricyon neblina). © Mark Gurney

Zum ersten Mal nach 35 Jahren haben Biologen eine neue Raubtierart in der westlichen Hemisphäre entdeckt: Das Olinguito sieht aus wie eine Mischung aus Hauskatze und Teddybär und kommt nur in einem kleinen Gebiet im Nebelwald der Anden vor. Identifiziert haben die Forscher das nachtaktive Raubtier allerdings zuerst anhand von präparierten Exemplaren in Museen, bevor sie es dann auch im Freiland aufspürten.

Bären, Hunde, Katzen und Hyänen – sie alle gehören zur Ordnung der Carnivoren, der Raubtiere. Diese Gruppe der Säugetiere ist nicht nur ziemlich umfassend, sie galt bisher auch als sehr gut untersucht. Kein Wunder, die meisten ihrer Angehörigen sind alles andere als unauffällig oder winzig. Aber diese Annahme täuschte, wie Wissenschaftler der Smithsonian Museums und Forschungszentrums in Washington nun festgestellt haben.

Bestandsaufnahme mit überraschendem Ausgang

Als sie vor rund zehn Jahren mit ihrem Projekt begannen, wollten sie eigentlich nur eine Bestandsaufnahme der bereits seit langem bekannten Carnivoren-Gattung der Schlankbären (Bassaricyon) durchführen. Dazu fahndeten sie unter anderem in Museumsbeständen nach konservierten Exemplaren dieser etwa hundegroßen, baumlebenden Raubtiere. Dann allerdings stießen die Forscher auf einige Exemplare, die nicht zum Rest passen wollten: Der Schädel war deutlich kleiner und anders geformt und auch die Zähne passten nicht. Zudem schien das Fell dieser Schlankbären dichter und länger zu als das aller anderen.

Der Olinguito wurde sogar in Zoos ausgestellt, ohne dass man in ihm eine neue Art erkannt hatte - wie hier dieses vor mehreren Jahrzehnten aufgenommene Weibchen. © I. Poglayen-Neuwall

Nähere Untersuchungen unter anderem mit Hilfe von DNA-Analysen enthüllten schließlich, dass der erste Eindruck nicht getrogen hatte: Es handelte sich bei diesen „Abweichlern“ tatsächlich um eine völlig neue Art von Carnivoren – und damit um die erste neuentdeckte Carnivoren-Art der westlichen Hemisphäre seit 35 Jahren. Die Biologen tauften den großäugigen Kletterer mit dem orangebräunlichen Fell Bassaricyon neblina – „Nebel-Schlankbär“. Denn alle bekannten Exemplare des rund ein Kilogramm schweren Raubtiers stammten aus einem sehr eng begrenzten Gebiet: dem Nebelwald Kolumbiens und Ecuadors in rund 600 bis 1.500 Metern Höhe.

„Die Entdeckung des Olinguito zeigt uns, das die Welt noch lange nicht komplett erkundet ist, selbst ihre grundlegendsten Geheimnisse sind noch nicht enthüllt“, konstatiert Kristofer Helgen, Kurator für Säugetiere am Smithsonian National Museum of Natural History. „Wenn sogar noch neue Carnivoren gefunden werden können – was für andere Überraschungen erwarten uns dann wohl noch?“ Der Wissenschaft seien so viele Arten noch unbekannt. Sie zu dokumentieren sei der erste Schritt, den Reichtum und die Vielfalt des Lebens auf der Erde zu begreifen.

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Sein Fell ist dichter und länger als das der anderen, größeren Schlankbären © Mark Gurney

Spurensuche im Nebelwald

Der Fund des Olinguito warf noch eine große Frage auf: Existiert diese gerade erst neuentdeckt Art überhaupt noch im Freiland? Oder hatte man anhand von Museumsexemplaren eine Art aufgespürt, die in freier Wildbahn längst verschwunden war? Um das zu klären, brachen die Biologen zu einer dreiwöchigen Expedition in die Anden auf. Einen ersten Hinweis, wo sie suchen mussten, lieferte ihnen eine verwackelte Camcorder-Aufnahme, die der ortsansässige Zoologe Miguel Pinto dort im Nebelwald erstellt hatte. Sie zeigte ein Tier, das ein Olinguito sein könnte.

Tatsächlich wurden die Forscher fündig und konnten gleich mehrere Vertreter dieses frisch gebackenen Mitglieds der Carnivoren im Freiland beobachten. Dabei stellten sie unter anderem fest, dass der Olinguito am liebsten Früchte frisst, sich kaum aus den Bäumen herunter bewegt und immer nur ein Junges auf einmal bekommt. Es zeigte sich aber auch, dass der Lebensraum des kletternden Mini-Schlankbären stark bedroht ist. Die Forscher schätzen, dass schon heute 42 Prozent des ursprünglichen Verbreitungsgebiets des Olinguito dem Menschen zum Opfer gefallen ist – der Wald wurde gerodet, um Platz für Felder und Siedlungen zu schaffen. „Wir hoffen, dass der Olinguito als eine Art Botschafter für die Nebelwälder Ecuadors und Kolumbiens dienen kann, um die Welt auf diese bedrohten, aber einzigartigen Lebensräume aufmerksam zu machen“, sagt Helgen.

(Smithsonian, 16.08.2013 – NPO)

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