Ungewöhnliche Therapieform hilft bei Tinnitus niedrigerer Frequenzen Musik als Tinnitus-Behandlung - scinexx | Das Wissensmagazin
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Musik als Tinnitus-Behandlung

Ungewöhnliche Therapieform hilft bei Tinnitus niedrigerer Frequenzen

Eintrittspforte für Schall: Das Ohr © IMSI MasterClips

Eine neu entwickelte Kurzzeit-Therapie mit maßgeschneiderter Musik könnte einigen Tinnitus-Patienten helfen. Das berichten Forscher jetzt in der Fachzeitschrift „PLoS One“. Sie stellten fest, dass sich die Beschwerden von Patienten mit einem Tinnitus niedrigerer Tonhöhe linderten, wenn diese mehre Tage lang für einige Stunden eine bestimmte Musik hörten. Die Lautstärke des Tinnitus und der durch den Dauerton ausgelöste Stress verringerten sich.

Bei einem Tinnitus nehmen die Betroffenen Töne oder Geräusche wahr, die nicht aus der Außenwelt stammen, sondern im Ohr selbst entstehen. Meist als Pfeifen, Klingeln oder Rauschen beschrieben, kann dieses Syndrom unterschiedliche Ursachen haben. Nach Schätzungen von Experten leiden rund zehn bis 20 Prozent der Bevölkerung dauerhaft unter einem Tinnitus, meist sind ältere Menschen betroffen. Forscher um Henning Teismann von der Universität Münster haben nun eine neue Methode ausprobiert, um die Beschwerden der Tinnitus-Patienten zu lindern.

An der Studie nahmen 20 Personen teil, die unter chronischem tonalem Tinnitus leiden. Bei dieser Tinnitusform klingt die Störung wie ein Pfeif- oder Piepton. Eine Hälfte der Teilnehmer hatte eine Tinnitus-Frequenz – dies entspricht der Tonhöhe – von höchstens acht Kilohertz, bei der anderen Hälfte lag sie darüber. Alle Teilnehmer wurden kurz und intensiv – an fünf aufeinanderfolgenden Tagen über jeweils sechs Stunden – mit maßgeschneiderter Musik behandelt.

Musik zielt auf betroffene Region des Hörzentrums

Jeder Teilnehmer durfte dafür eine ihm gefallende Musik auswählen. Die Forscher manipulierten diese Stücke anschließend so, dass deren Frequenzen von den Bereichen des Hörzentrums verarbeitet werden mussten, die vermutlich für den Tinnitus eine Rolle spielen. Die Probanden hörten sich diese Musik an fünf aufeinanderfolgenden Tagen jeweils sechs Stunden lang an. Das Ziel der Therapie war es, die Reaktion des Gehirns zu beeinflussen und so die Tinnitus-Lautstärke und damit die Belastung durch das Syndrom zu minimieren.

Es zeigte sich, dass von der Behandlung nur Teilnehmer mit Tinnitus- Frequenzen unter acht Kilohertz profitierten. Bei den Teilnehmern mit extrem hohen Frequenzen hingegen gab es keine signifikanten Effekte. In der Studie zeigte sich außerdem, dass die mit der Kurzzeit-Therapie erreichten Veränderungen nicht dauerhaft sind – das legt nahe, dass die neue Therapie über längere Zeiträume angewendet werden muss, um so eine nachhaltigere Wirkung zu erzielen. (PLoS ONE, 2011; doi:10.1371/journal.pone.0024685)

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(Universität Münster, 28.09.2011 – NPO)

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