Menschen empfinden mehr Mitgefühl mit geprügelten Hunden als mit geschlagenen Menschen Mitleid: Hunde und Kinder zuerst - scinexx | Das Wissensmagazin
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Mitleid: Hunde und Kinder zuerst

Menschen empfinden mehr Mitgefühl mit geprügelten Hunden als mit geschlagenen Menschen

Ein Hundewelpe weckt mehr Mitleid als ein erwachsener Mensch © SXC

Unser Tierliebe geht offenbar weiter als unsere Nächstenliebe – zumindest wenn es um das Mitleid geht: Wir fühlen stärker mit geprügelten Hunden mit als mit geschlagenen Menschen. Das zeigt ein Experiment US-amerikanischer Forscher. Das Ergebnis: Nur das Schicksal kleiner Kinder weckte das Mitgefühl der Probanden genauso stark wie das von Tieren. Erwachsene hingegen rangierten erst deutlich hinter den Hunden.

„Ooch, das arme Tier!“ Wenn im Fernsehen ein Bericht über das tragische Schicksal eines Hundes, einer Katze oder eines anderen hilflosen Tieres läuft, ist die Reaktion des Publikums fast schon absehbar: großes Mitleid allerorten – durchaus zu Recht. Doch manchmal beschleicht einen fast schon das Gefühl, dass viele menschliche Schicksale nicht einmal den Bruchteil dieser Reaktionen hervorrufen. So erschoss beispielsweise in Texas ein Polizist versehentlich einen Hund, das Fernsehen berichtete darüber. Kurz darauf hatte die eigens eingerichtete Facebook-Seite des toten Hundes 14.000 Unterstützer und hunderte Menschen hinterließen dort Botschaften der Trauer und des Ärgers.

Engere Bindung zum Tier als zu Menschen

„Tatsächlich zeigen Studien mit Haustierbesitzern, dass diese häufig eine engere emotionale Bindung zu ihrem Tier verspüren als zu anderen Menschen“, berichten Jack Levin und Arnold Arluke von der Northeastern University in Boston. Das diese dann auch mehr Mitleid mit den Tieren empfinden, sei da naheliegend. Unklar sei aber bisher, ob sich verallgemeinern lasse – auch auf Menschen ohne Haustiere und gegenüber völlig fremden Tieren.

Um das zu klären, baten die Forscher 240 Studentinnen und Studenten der Universität zu einem Experiment. Jeder der Probanden erhielt einen fiktiven Zeitungsartikel, in dem der tätliche Angriff auf entweder ein einjähriges Kleinkind, einen Hundewelpen, einen erwachsenen Hund oder einen erwachsenen Menschen beschrieben wurde. Der Wortlaut aller Artikel war gleich, nur die Beschreibung des Opfers wurde jeweils ausgetauscht. Nach dem Lesen der Meldung bewerteten die Teilnehmer ihr Mitleid mit dem Opfer. Dazu bekamen sie eine Liste mit 16 Emotionen – beispielsweise geschockt, verletzt, mitleidig, irritiert oder bewegt – und sollten bei jeder Emotion auf einer Punkteskala angeben, wie stark sie diese empfanden.

Mehr Mitgefühl mit dem Hund

Das Ergebnis: Wenig überraschend riefen der Hundewelpe und das Kleinkind am meisten Mitleid hervor, wie die Forscher berichten. Das sei vermutlich damit zu erklären, dass Jungtiere und Kinder als besonders unschuldig, hilflos und daher schützenswert gelten. Unerwartet war allerdings ein zweites Resultat des Experiments: Nicht nur die beiden „Kinder“, auch der erwachsene Hund bekam deutlich mehr Mitleid als der erwachsene Mensch.

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„Das spricht dafür, dass an dem populären Vorurteil, dass wir uns mehr um das Wohlergehen der Tiere als um das der Menschen sorgen, zumindest teilweise etwas dran ist“, kommentieren die Wissenschaftler. Zumindest im Falle einer Misshandlung, wie in diesem fiktiven Beispiel komme der erwachsene Mensch mit Abstand als Letztes.

Wehrlos und unschuldig

Aber warum? Nach Ansicht von Levin und Arluke könnte das daran liegen, dass wir sowohl jungen als auch adulten Tieren ähnliche Eigenschaften zusprechen wie kleinen Kindern: Sie gelten als unschuldig, wehrlos und können nichts dafür, wenn sie schlecht behandelt werden. Erwachsene Menschen dagegen werden als wehrhafter und selbstständiger angesehen – sie entsprechen daher weniger dem klassischen Bild des unschuldigen Opfers.

Übrigens gilt dieses Prinzip nicht nur für Hunde: Wie die Forscher betonen, wäre das Ergebnis in einem Experiment mit Katzen vermutlich sehr ähnlich ausgefallen. Denn beides seien beliebte Haustiere, zu denen Menschen eine enge Bindung aufbauen. (108th Annual Meeting of the American Sociological Association)

(American Sociological Association, 12.08.2013 – NPO)

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