In schwierigen Hörsituationen ist das rechte Ohr dem linken überlegen Mit dem Rechten hört man besser - scinexx | Das Wissensmagazin
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In schwierigen Hörsituationen ist das rechte Ohr dem linken überlegen

Mit dem Rechten hört man besser

Gut zuhören: Mit rechts klappt es besser. © Piter Loredo/ freeimages

Auf die Seite kommt es an: Unser rechtes Ohr ist dem linken überlegen. Denn was wir über diese Seite hören, können wir besser verstehen und behalten. Das gilt für Kinder und auch für Erwachsene, wie eine Studie zeigt. Vor allem in schwierigen Hörsituationen zeigt sich demnach auch bei Älteren ein deutlicher Ohrunterschied: Müssen viele Informationen auf einmal verarbeitet werden, gelingt das mit dem rechten Ohr besser.

Unser Hörsinn ist von allen fünf Sinnen der differenzierteste – und vielleicht auch der komplizierteste. Denn gut zu hören ist eine komplexe Herausforderung: Zunächst muss unser Ohr in der Lage sein, sensibel auf Schallwellen zu reagieren und diese fehlerfrei bis ins Innenohr zur Hörschnecke weiterzuleiten. Was dort ankommt, wird dann in Nervenimpulse übersetzt. Die muss unser Gehirn wiederum sinnvoll verarbeiten, damit wir schlussendlich verstehen können.

Dieser Vorgang ist an sich schon komplex. Noch komplizierter wird es aber, wenn wir im Alltag mit vielen Höreindrücken auf einmal konfrontiert werden – das stellt hohe Anforderungen an unser Aufmerksamkeitssystem. Danielle Sacchinelli von der Auburn University in Alabama und ihre Kollegen haben nun herausgefunden, dass wir uns in solchen schwierigen Hörsituationen offenbar hauptsächlich auf eines unserer Ohren verlassen können.

Beispiel für die Aufgaben im Hörtest © Sacchinelli/ Weaver/ Wilson/ Cannon/ Auburn University

Ein überlegenes Ohr?

Für ihre Studie ließen die Wissenschaftler 41 Probanden im Alter zwischen 19 und 28 Jahren zu einem sogenannten dichotischem Hörtest antreten. Dabei hörten die Teilnehmer zur selben Zeit auf jedem Ohr unterschiedliche Wörter oder kurze Sätze. Zunächst sollten sie sich jeweils nur auf die Signale auf einem Ohr konzentrieren und diese wiedergeben. Bei weiteren Durchgängen galt es dagegen, alle gehörten Begriffe nachzusprechen.

Kinder überfordert eine solche Aufgabe. Sie schaffen es noch nicht, gleichzeitig gehörte Informationen von beiden Ohren im Gehirn zu einem sinnvollen Ganzen zusammenzuführen. Deshalb verlassen sie sich im Alltag vor allem auf ihr rechtes Ohr. Was dort ankommt, wird von der linken Gehirnhälfte verarbeitet, die unter anderem für Sprache und Erinnerungsvermögen zuständig ist – und kann von den Kindern besser verstanden und gemerkt werden, wie Studien zeigen. Doch haben auch Erwachsene ein überlegenes Ohr?

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Schwierige Situationen besser mit rechts

Im Test schien das zunächst nicht der Fall zu sein: Über welches Ohr die Probanden Zahlenwörter oder andere Begriffe hörten, machte keinen Unterschied. Sie konnten sie jeweils gleich gut wiedergeben. Das änderte sich doch, als die Forscher die Anzahl der genannten Begriffe entscheidend erhöhten und damit die individuelle Merkspanne der Teilnehmer überschritten.

Jetzt zeigte sich: Mit dem rechten Ohr konnten die Teilnehmer diese schwierige Hörsituation offenbar besser meistern. So schnitten sie im Schnitt um acht Prozent besser ab, wenn sie sich auf ihr rechtes Ohr konzentrierten. Bei einzelnen Personen war der Unterschied besonders frappierend, wie Sacchinelli und ihre Kollegen berichten: Manch einer schnitt ihnen zufolge mit rechts um bis zu 40 Prozent besser ab als mit links.

„Kognitiver Anspruch ist entscheidend“

„Bisher ging die Forschung davon aus, dass der Vorteil des rechten Ohrs ab ungefähr dem dreizehnten Lebensjahr verschwindet“, sagt Sacchinellis Kollegin Aurora Weaver. „Unsere Ergebnisse zeigen aber, dass der kognitive Anspruch der Aufgabe entscheidend ist.“ Traditionelle Tests arbeiteten in der Regel nur mit vier bis sechs Informationen auf einmal, was unser auditives System kaum herausfordere. Werde die Aufgabe dagegen schwieriger, zeigten sich auch bei Erwachsenen Ohr-Unterschiede, schließt die Forscherin. (Acoustical Society of America, 174th Meeting 2017; doi: Abstract)

(American Institute of Physics, 08.12.2017 – DAL)

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