Wie sich fadenförmige Proteine zu stabilen Bändern zusammenfügen "Mikado-Stäbchen" organisieren sich selbst - scinexx | Das Wissensmagazin
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Wie sich fadenförmige Proteine zu stabilen Bändern zusammenfügen

„Mikado-Stäbchen“ organisieren sich selbst

Die Simulationen zeigen verschiedene Varianten von links gedrehten Amyloid-Fibrillen, die sich aus denaturiertem Beta-Lactoglobulin zusammensetzen. © Raffaele Mezzenga / ETH Zürich

Ein internationales Forscherteam hat einen grundlegenden Mechanismus gefunden, wie sich fadenförmige Proteine zu stabilen Bändern, so genannten Amyloid-Fibrillen, zusammenfügen. Das wirft ein neues und überraschendes Licht auf die Selbstorganisation von Eiweißen, schreiben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Nature Nanotechnology“.

Im Rasterkraftmikroskop erscheinen sie wie weiße Fäden: langgestreckte Milchproteine mit wenigen Nanometern Durchmesser und von einigen Mikrometern Länge, die wie biegsame Mikado-Stäbchen kreuz und quer übereinander liegen. Diese Proteinfäden haben eine bemerkenswerte Eigenschaft. Wie viele andere Proteine können sie sich selbst organisieren und sich zu größeren Einheiten zusammenlagern.

Forscher der ETH Zürich, der EPF Lausanne und der Universität Fribourg analysierten das mögliche Verhalten der Fäden anhand der Bilder des Rasterkraftmikroskops sowie mithilfe von Methoden der Polymerphysik und theoretischen Modellen. Die Kombination von Experiment und Theorie erlaubte es ihnen schließlich, allgemein gültige fundamentale Regeln für die Bildung von Amyloid-Fibrillen aus einzelnen Proteinfäden zu formulieren.

Exaktes Modell für verschieden Proteine

„Mit dem Modell, das wir auf dem Computer erstellt haben, können wir extrem genau voraussagen wie sich Fibrillen bilden“, sagt Raffaele Mezzenga, ETH-Professor für Nahrungsmittel- und Weichmaterial-Wissenschaft. „Bisher gab es dafür noch kein Modell, das so exakt und für verschiedene Proteine anwendbar ist“, ergänzt Giovanni Dietler, Professor für Physik von lebenden Materialien an der EPF Lausanne.

Überrascht hat die Forscher insbesondere die Struktur der Amyloid-Fibrillen: In den Fibrillen ordnen sich die einzelnen Proteine nebeneinander an und bilden so eine bandartige, spiralig verdrehte Struktur. Dass sich Bänder bilden, ist für Mezzenga logisch erklärbar. Denn die Proteine tragen positive Ladungen und stoßen sich gegenseitig ab. Deshalb können sie sich nicht zu einer dichten Packung formieren, sondern müssen sich nebeneinander legen.

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Allerdings haben die Forscher noch nicht restlos klären können, weshalb sich die Fasern aufgrund ihrer Abstoßung überhaupt zusammenlagern. Es müsse eine starke treibende Kraft geben, die diesen Widerstand überwindet, sagt der Lebensmittel-Professor. Die Wissenschaftler vermuten, dass es entlang der einzelnen Fäden ungeladene neutrale Bereiche gibt, die „wasserscheu“, also hydrophob sind und eine starke Anziehung aufeinander ausüben.

Weit verbreitetes Phänomen

Dass sich Proteine selbst organisieren und zu größeren Komplexen zusammenklumpen, ist in der Natur weit verbreitet, etwa bei der Blutgerinnung. Kugelige Proteine, die die Lebensmittelindustrie als Emulgatoren, Gelier- oder Schäumungsmittel einsetzt, können in vitro ebenfalls Amyloid-ähnliche Strukturen bilden. Deren nützliche Eigenschaften, wie Elastizität oder Lösbarkeit, können verwendet werden, um bestimmte Strukturen oder Gewebearten zu erhalten.

Das von Mezzenga und seinen Kollegen untersuchte Milchprotein Beta-Lactoglobulin ist in seiner ursprünglichen Form ebenfalls kugelig. Erst durch Erhitzen in einer sauren Lösung wird es fadenförmig.

Krankheiten besser verstehen

Die Erkenntnisse der Wissenschaftler über die Bildung von Amyloid-Fibrillen könnten dazu beitragen, Krankheiten besser zu verstehen. Denn solche Proteinkomplexe können auch im Menschen entstehen und gelten als Ursache von neurodegenerativen Krankheiten, wie der Alzheimer- oder Creutzfeldt-Jakob-Krankheit.

Die Fibrillen, die zu diesen Krankheiten führen, bestehen jedoch aus anderen Eiweißen. Sie sind oft lang, unverzweigt und spiralig gedreht und haben einen Durchmesser von wenigen Nanometern. Wie sich diese bilden, ist noch nicht vollständig erklärbar. Das Modell der Schweizer Forscher könnte helfen, diese Vorgänge besser zu verstehen.

(ETH Zürich, 13.04.2010 – DLO)

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