Riffmantas gehen in Meerestiefen von über 670 Metern auf Nahrungssuche Mantarochen tauchen tiefer als gedacht - scinexx | Das Wissensmagazin
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Mantarochen tauchen tiefer als gedacht

Riffmantas gehen in Meerestiefen von über 670 Metern auf Nahrungssuche

mantarochen
Ein Riffmanta wird mit einem Sensor ausgestattet. © Hugo Lassauce

Neuer Rekord: Mantarochen können viel tiefer tauchen als bisher angenommen. Wie Bewegungsdaten von Riffmantas in Neukaledonien belegen, dringen die Tiere regelmäßig in Tiefen von weit über 300 Metern vor – vermutlich auf der Suche nach Nahrung. Ein Rochen erreichte sogar 672 Meter Tiefe: Noch nie wurde diese Art in einer so tiefen Meereszone beobachtet. Die neuen Daten sollen nun zu einem besseren Schutz der gefährdeten Fische beitragen.

Der Riffmanta (Mobula alfredi) ist nach dem Riesenmanta der größte Rochen der Welt. Die flachen, majestätischen Tiere können einschließlich ihres peitschenartigen Schwanzes fünf Meter lang werden, die Spannweite ihrer Flossen beträgt sogar bis zu 5,5 Meter. Die Fische leben in küstennahen Gebieten des Roten Meeres und des Indopazifiks und ernähren sich hauptsächlich von Zooplankton.

Doch die Populationen dieser Art aus der Familie der Teufelsrochen gehen weltweit zurück. Der Grund: Die Tiere werden gezielt befischt – unter anderem wegen ihrer in der chinesischen Medizin begehrten Kiemenreusen, bezahnten Fortsätzen an der Schlundseite der Kiemenbögen.

Die Rochen Neukaledoniens

Zwar gibt es Bestrebungen, die auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) als gefährdet eingestuften Rochen besser zu schützen. Für erfolgreiche Schutzmaßnahmen braucht es jedoch ein besseres Verständnis der Biologie und Ökologie dieser Spezies in all ihren Verbreitungsgebieten, wie Hugo Lassauce von der Universität Neukaledonien in Nouméa und seine Kollegen betonen.

Aus diesem Grund haben die Wissenschaftler nun das Verhalten von Riffmantas rund um die zu Frankreich gehörende Inselgruppe Neukaledonien im südlichen Pazifik untersucht – eine Population, die bisher noch nicht erforscht worden ist. Für ihre Studie statteten sie elf Rochen mit speziellen Sensoren aus, um deren Bewegungen zu verfolgen. Jetzt liegen die ersten Ergebnisse von neun der beobachteten Tiere vor.

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Ein neuer Tauchrekord

Die Auswertungen enthüllten, dass alle Mantarochen regelmäßig bis in über 300 Meter Tiefe abtauchten. Zwei der Individuen erreichten dabei sogar beeindruckende Tiefen von etwa 624 und 672 Metern – ein neuer Rekord. „Dieser letzte Tauchgang erweitert die dokumentierte Tauchtiefe für M. alfredi um mehr als 200 Meter“, konstatieren die Forscher. Den bisherigen Rekord hielt demnach ein Riesenmanta aus dem Roten Meer, der 432 Meter tief getaucht war.

Wie Lassauce und seine Kollegen erklären, fand ein Großteil der tiefsten Tauchgänge nachts statt. „Wir gehen davon aus, dass dieses Verhalten dazu dient, Nahrungsressourcen zu erschließen“, sagen sie. Womöglich reiche das Zooplankton im Oberflächenwasser rund um Neukaledoniens Korallenriffe nicht aus, um die großen Tiere zu ernähren.

Nahrungssuche in kalten Gefilden

Dass die Riffmantas überhaupt so tief tauchen können, ist erstaunlich. Denn eigentlich müssten die niedrigen Wassertemperaturen in diesen Zonen des Meeres für die Tiere ein Problem darstellen. Vorherige Studien haben allerdings gezeigt, dass die Teufelsrochen über einen nach dem Gegenstromprinzip funktionierenden Wärmetauscher in ihren Brustflossen verfügen, über den sie ihren Körper und insbesondere das Gehirn gezielt aufheizen können.

Die Forscher vermuten, dass die Tiere vor Tauchgängen in flachen Gewässern Wärme tanken, um sich auf den Ausflug in die Tiefe vorzubereiten. „Über diesen Mechanismus könnten die Mantarochen genügend Wärme produzieren, um die bodennahe Zone zu erreichen und dort trotz der kalten Temperaturen in diesen Tiefen für kurze Zeit zu fressen“, erklären sie.

Relevant für erfolgreichen Schutz

Bestätigen weitere Untersuchungen, dass die tiefen Zonen der Meere wichtige Jagdgründe für die Riffmantas darstellen, hätte dies weitreichende Konsequenzen für Schutzmaßnahmen. Denn bisherige Schutzgebiete sind sehr küstennah und reichen nicht in tiefere Gewässer. „Unsere Studie untermauert die Notwendigkeit, auch Tiefengewässer und Bereiche abseits der flachen Küstenzonen in Schutzinitiativen miteinzubeziehen“, so das Fazit der Wissenschaftler. (PLOS One, 2020; doi: 10.1371/journal.pone.0228815)

Quelle: PLOS

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