Neue Ergebnisse zur Duftkommunikation bei Pflanzen Mal riechen, wie's dem Nachbarn geht - scinexx | Das Wissensmagazin
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Neue Ergebnisse zur Duftkommunikation bei Pflanzen

Mal riechen, wie's dem Nachbarn geht

Pflanzenschädlinge lösen Verteidigungsstrategien aus. © Scott Bauer/USDA

Duftstoffe können Pflanzen dazu anregen, ihre Blatt- und Nektarproduktion zu aktivieren. Mit diesem Nektar lockt die von Raupen oder Käfern befallene Pflanze die Feinde ihrer Feinde an. Raubinsekten wie Wespen und Ameisen vernichten dann diese Pflanzenschädlinge. Darüber hinaus regt dieser Duft offenbar auch die Nektarproduktion der Nachbarpflanzen an, so dass diese gar nicht erst von den Blattfressern befallen wird. Zu diesem Ergebnis ist jetzt ein internationales Wissenschaftlerteam gekommen, das diese Situation erstmals unter natürlichen Umständen untersuchte.

Die Nektarproduktion funktioniert wie ein Immunsystem, das auf Krankheiten reagiert: Wenn die Pflanze angegriffen wird, reguliert sie aktiv ihren Abwehrmechanismus. "Aber wieso warnt eine Pflanze damit ihre Nachbarin, die ja auch Konkurrentin ist?", fragte sich der Botaniker und Pflanzenökologe Professor Dr. Martin Heil von der Universität Duisburg-Essen, der zusammen mit seinem mexikanischen Kollegen Juan Carlos Silva Bueno für die neue Studie verantwortlich ist.

Das Phänomen der "Talking Trees", also der Kommunikation zwischen Pflanzen, ist Wissenschaftlern schon länger bekannt. Bisher ist es aber nicht gelungen, herauszufinden, welches Mittel sie zur Kommunikation nutzen. "Den Gasfluss zwischen beschädigten und unbeschädigten Teilen hat bisher einfach keiner kontrolliert. Duft könnte das übertragende Signal sein", schließt Heil aus seinen Forschungen an der Limabohne in Mexiko.

Duftstoffe warnen Nachbarblätter

"Eigentlich dienen die Duftstoffe dazu, die Nachbarblätter innerhalb der eigenen Pflanze zu warnen", erklärt er. Duftstoffe haben in der Pflanze dann die gleiche Funktion wie Hormone im menschlichen Körper. Wenn dieser Duft aber auch eine fremde Pflanze in unmittelbarer Nachbarschaft erreicht, deutet diese das Signal und beginnt ebenfalls mit der Nektarproduktion, um sich quasi vor dem Übergriff der blattfressenden Insekten zu schützen: Limabohnen, die sich neben angefressenen Ranken befinden, wachsen besser und werden weniger angefressen.

Die Erkenntnis, dass Pflanzen sich durch selbst produzierten Blattnektar vor Fraßfeinden schützen, könnte neue Möglichkeiten beim biologischen Pflanzenschutz bieten. Daher soll jetzt geprüft werden, ob sich die gezielte Stimulation der Blattnektar-Produktion oder die Zucht von Blattnektar produzierenden Pflanzen als natürliche Form der Schädlingsbekämpfung nutzen lässt.

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Heil und seine Kollegen berichten über ihre Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift PNAS ("Proceedings" der Nationalen Akademie der Wissenschaften der USA).

(idw – Universität Duisburg-Essen, 12.03.2007 – DLO)

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