Erfahrene Rotkehlchen orientieren sich an einer Magnetkarte im Kopf Magnetpulse stören Zugvogel-Navigation - scinexx | Das Wissensmagazin
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Erfahrene Rotkehlchen orientieren sich an einer Magnetkarte im Kopf

Magnetpulse stören Zugvogel-Navigation

Rotkehlchen (Erithacus rubecula). © Wing / CC-by-sa 3.0

Zugvögel merken sich den Weg in ihr Winterquartier offenbar auch anhand einer Art magnetischer Karte. Bringt man dieses Magnetgedächtnis mit einem starken Magnetpuls durcheinander, schlagen die Vögel auf ihrem Zug prompt den falschen Weg ein. Das zeigt ein Versuch deutscher Ornithologen mit Rotkehlchen. Diese Störung funktioniert allerdings nur bei Vögeln, die bereits mindestens eine Zugsaison hinter sich haben. Denn die Magnetkarte im Kopf entsteht erst nach vorangehender Zug-Erfahrung, wie die Forscher im Fachmagazin „Interface“ berichten.

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Tausende von Vögeln ziehen in Frühling und Herbst in ihre jeweiligen Sommer- und Winterquartiere. Die grundsätzliche Wanderrichtung wird dabei durch genetisch angeborene Faktoren bestimmt. Doch darüber hinaus besitzen Vögel noch einen zusätzlichen magnetischen Orientierungssinn, welcher sich am Magnetfeld der Erde ausrichtet. Die Stärke dieses Feldes variiert zwischen den Polen zum Äquator hin und gibt so Auskunft über den aktuellen Aufenthaltsort. Zugvögel navigieren bei ihrer Migration anhand der Feldlinien der Erde. Bisher ungeklärt ist, ob die Vögel auch eine auf Erfahrung basierende „Landkarte“ verwenden, um in den folgenden Jahren an ihre Zielorte zu gelangen.

Rast mit Magnetpuls und Sender

Um diese Frage zu klären, haben Wissenschaftler am Max-Planck Institut für Ornithologie in Radolfzell gezielt eine Methode genutzt, um die etwaig vorhandenen Magnetkarten der Vögel zu stören. Sie untersuchten, welchen Effekt ein magnetischer Puls auf die Orientierungsfähigkeit wilder Rotkehlchen (Erithacus rubecula) hat. Dafür versahen sie die Tiere an einem Rastplatz während des Vogelzuges mit kleinen Radiotransmittern und setzten einen Teil der Tiere einem starken Magnetpuls aus. Die Forscher unterschieden dabei zwischen älteren Vögeln, die schon einmal migriert waren und jüngeren, denen die erste Wanderung gerade bevorstand. Über die Transmitter konnten sie feststellen, in welche Richtung die Vögel ihre Reise nach der Puls-Behandlung fortsetzen – ob in die korrekte oder aber eine falsche.

Anhand der Flügelgröße bestimmten die Wissenschaftler das Alter der Vögel. © MPI für Ornithologie, Radolfzell

Wie sie herausfanden, zogen die erwachsenen Vögel nach einem Magnetpuls sehr viel häufiger in die falsche Richtung los als die nicht diesem Puls ausgesetzten Tiere der Kontrollgruppe. Am stärksten trat dieser Effekt bei Vögeln auf, die innerhalb von zehn Tagen nach der Behandlung losflogen. „Der Puls hat wohl die magnetischen Karten der Rotkehlchen zurückgesetzt“, mutmaßt Max-Planck-Forscher Richard Holland. „Sie mussten sich deshalb auf andere Umweltinformationen verlassen und verflogen sich dann.“

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Karte bildet sich erst nach dem ersten Zug

Dies würde auch erklären, wieso bei gleicher Behandlung der Jungtiere keine Verschlechterung der Peilung auftrat. „Die jungen Vögel waren noch nie migriert und hatten deshalb auch noch keine magnetische Karte aufgebaut, die wir zurücksetzen konnten“, erklärt Holland. Der Magnetsinn der Rotkehlchen wird demnach maßgeblich erst durch die Erfahrungen beim Vogelzug beeinflusst.

Noch allerdings sind in Bezug auf den inneren Kompass der Zugvögel viele Fragen offen: „Wir wissen immer noch nicht mit Sicherheit wo das Sinnesorgan, mit dem die Vögel die Magnetfelder der Erde wahrnehmen, überhaupt sitzt“, erklärt der Forscher. Eine Vermutung hierfür sind ferromagnetische Partikel im Schnabel, doch auch Systeme im Auge oder im Gleichgewichtsorgan der Vogelohren kommen dafür in Frage. (Journal of the Royal Society Interface, 2013; doi: 10.1098/rsif.2012.1047)

(Max-Planck-Gesellschaft, 19.02.2013 – NPO)

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