Zusammenhang von Hirnvolumen und IQ ist schwächer als bisher angenommen Macht ein größeres Gehirn intelligenter? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Zusammenhang von Hirnvolumen und IQ ist schwächer als bisher angenommen

Macht ein größeres Gehirn intelligenter?

Macht ein großes Gehirn schlauer? © pixologic studio/ thinkstock

Ein großes Gehirn macht noch lange keinen Einstein aus uns – oder doch? Ob Hirngröße und Intelligenz zusammenhängen, haben Forscher nun überprüft. Ihr Ergebnis: Es gibt tatsächlich einen Zusammenhang: Menschen mit einem größeren Gehirn haben im Durchschnitt einen höheren IQ. Aber: Diese Korrelation ist viel schwächer als bisher gedacht. Denn mehr als auf die Größe kommt es auf den Inhalt und die Verkabelung des Denkorgans an.

Der Vergleich der Schädelgrößen unserer Vorfahren zeigt, dass mit fortlaufender Entwicklung die Gehirne der Vor- und Frühmenschen immer größer wurden. Aber auch heute gibt es individuelle Unterschiede. So haben Menschen in den höheren Breiten ein größeres Gehirn als Bewohner der Tropen und Männer haben mehr Hirnvolumen als Frauen. Aber was sagt dies über unsere Intelligenz aus? Bedeutet ein größeres Gehirn auch automatisch eine höhere Intelligenz?

Es gibt eine positive Korrelation

Diese Frage haben nun Jakob Pietschnig von der Universität Wien und seine Kollegen in einer umfangreichen Meta-Analyse untersucht. Sie verglichen dafür die Ergebnisse von 88 Studien, die Messungen des Hirnvolumens beispielsweise mit Hilfe der Magnetresonanztomographie mit den Leistungen in Tests des Intelligenzquotienten verglichen hatten. Insgesamt werteten die Forscher die Daten für mehr als 8.000 Frauen und Männer aus.

Das Ergebnis: Es gibt tatsächlich einen Zusammenhang – er ist aber geringer als landläufig angenommen. „Unsere Ergebnisse zeigen einen signifikanten positiven Zusammenhanf von Hirnvolumen mit dem IQ, der in verschiedenen Altersklassen, Intelligenzgruppen und in beiden Geschlechtern nachweisbar ist“, berichten Pietschnig und seine Kollegen.

„Zusammenhang stark überschätzt“

Allerdings: Die Forscher stießen auch auf nicht unbeträchtliche Verzerrungen in der veröffentlichten Literatur: „Über starke positive Korrelationen wurde häufig in der Literatur berichtet, während kleine oder nichtexistente Zusammenhänge oft nicht publiziert wurden“, so die Wissenschaftler. Diesem sogenannten „Publication Bias“ kamen sie auf die Schliche, weil sie auch unveröffentlichte Daten in ihre Meta-Analyse mit einbezogen.

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Die Wissenschaftler kommen daher zu dem Schluss, dass der Zusammenhang zwischen Hirngröße und Intelligenz bisher deutlich überschätzt worden ist. Zudem gehe aus den Daten hervor, dass dieser zudem im Laufe der Zeit abgenommen habe. „Obwohl sich ein gewisser Zusammenhang nachweisen lässt, dürfte die Gehirngröße nur geringe praktische Relevanz haben“, erklärt Pietschnig. „Vielmehr scheinen Struktur und Integrität des Gehirns als biologische Grundlage von Intelligenz zu fungieren.“

Auf den Inhalt kommt es an

Dass ein großes Gehirn allein noch lange kein Genie aus einem macht, das beweist auch der Geschlechtervergleich, wie die Forscher betonen: Männer besitzen im Durchschnitt ein höheres Hirnvolumen als Frauen. Doch in IQ-Tests schneiden sie deshalb keineswegs besser ab als ihre weiblichen Gegenparts. Und ein zu großes Gehirn kann sogar ziemlich kontraproduktiv sein: Menschen mit einer krankhaften Vergrößerung des Hirnvolumen haben meist unterdurchschnittliche IQ-Werte. „Strukturelle Gehirnaspekte sind auch innerhalb der Spezies Mensch wichtiger als die Gehirngröße“, resümiert Pietschnig.

Wie wichtig die interne Verkabelung und Struktur des Gehirns ist, belegt auch der Vergleich der Hirngrößen im Tierreich: Ginge es allein nach Größe, dann müsste der Pottwal das intelligenteste Wesen der Erde sein. Geht man nach dem Verhältnis Hirnvolumen zu Körpergröße, dann läge die Spitzmaus vorn. Der Homo sapiens hingegen tut sich weniger hervor als man denken würde. Hier gilt demnach wie bei so vielem: Nicht auf die Größe, auf die inneren Werte kommt es an. (Neuroscience and Biobehavioral Reviews, 2015; doi: 10.1016/j.neubiorev.2015.09.017)

(Universität Wien, 15.10.2015 – NPO)

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